21. Mai 2019 / 22:00 Uhr

RB Leipzig gegen FC Bayern: „Form und Einstellung kann Klasse schlagen“

RB Leipzig gegen FC Bayern: „Form und Einstellung kann Klasse schlagen“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Marcel Reif
Marcel Reif kommentiert das Pokalfinale von RB Leipzig gegen Bayern München für das österreichische Servus TV © imago
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Finale in Berlin: Der Marcel Reif-Ranicki der Fußball-Kritik erklimmt die Kommentatoren-Kanzel von Servus TV.

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Salzburg/München/Leipzig. Servus TV, eine von vielen Unternehmungen von Red-Bull-Milliardär Dietrich Mateschitz (seit Montag 75), überträgt das Pokalfinale Bayern gegen RB (Sonnabend, 20 Uhr) live – und bringt eine leibhaftige TV-Legende in Stellung. Marcel Reif (69, lebt in der Schweiz) hat Ja! zu Servus gesagt, kommentiert für den österreichischen Privatsender. Reif, der 2016 von der heiligen Sky-Kanzel hinabgestiegen ist und seitdem nicht nur von Ralf Rangnick vermisst wird, über eine freudbetonte temporäre Rückkehr, seinen Ruf als Marcel Reif-Ranicki der Fußball-Kritik, Leipziger Chancen in Berlin und die Leiden des jungen K. in München.

Reif is back. Hat Servus TV mit Schillingen gedroht?
Ich weiß nach wie vor, was man mit Geld anfangen kann. Wenn ich aber mit meinen knapp 70 Jahren etwas wegen der Kohle machen müsste, hätte ich vieles falsch gemacht. Bei mir regiert schon seit Längerem das Lust-Prinzip. Servus TV hat mich gefragt, ob ich das Finale machen will, ich habe ja gesagt. Bayern gegen RB ist ja nun auch kein Spiel, zu dem man mich prügeln muss.

DURCHKLICKEN: Das öffentliche Training vor dem Pokalfinale

Die „Roten Bullen“ bereiten sich intensiv auf das Pokalfinale am Sonnabend gegen Bayern München vor. Zur Galerie
Die „Roten Bullen“ bereiten sich intensiv auf das Pokalfinale am Sonnabend gegen Bayern München vor. © Dirk Knofe
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Und bei gegenseitigem Gefallen schaut man sich hinterher an und stellt fest, ob es miteinander weiter geht.
Es muss dem Sender und mir Spaß machen. Und im besten Fall natürlich auch den Zuschauern. Wenn dem so ist, kann es in welcher Form auch immer Wiederholungen geben. Was es definitiv nicht geben wird, ist eine Rückkehr in die Tretmühle. Die Zeit bei Sky war wunderbar, mein Ausstieg 2016 aber richtig. Bundesliga, Champions League, Bundesliga, Champions League: Ich hatte irgendwann nicht mehr die Kraft. Und es hat mir in dieser Form auch keinen Spaß mehr gemacht.

28. Mai 2016, Meazza-Stadion in Mailand, Real holt gegen Atletico die Champions League. Es war Ihr letzten Sky-Spiel. Gab es finale Worte des Großmeisters?
Ich war nie ein Freund von vorbereiteten Worten, habe, glaube ich, tschüss gesagt. Ich war mir damals bewusst, dass das ein Schlussstrich war. Ich war berührt und traurig, aber mein Ausstieg war alternativlos.

Der Sky-Chefkommentator Marcel Reif war eitel.
Da wiederspreche ich nicht. Aber Eitelkeit muss man sich leisten können und mit Handwerk und Leistung untermauern.

Ralf Rangnick vermisst Sie als intelligenten und eloquenten Kommentator.
Diese Blumen gebe ich gerne zurück. Ralf Rangnick ist eine hochintelligente Kompetenz im deutschen Fußball, denkt wirklich über den Fußball nach, ist weit weg von Effekt-Hascherei. Und er hat sich entwickelt, ist empathischer und menschlicher geworden. Zumindest ist das meine Wahrnehmung.

Wie hat man sich Ihre Vorbereitungen auf Ihr Comeback vorzustellen?
Es ist kein Comeback.

Wie wäre es mit freudbetonter temporärer Rückkehr?
Das schon eher. Ich werde auf dem Weg zu meinem Kommentatoren-Platz voraussichtlich keinen Salto schlagen. Und das Spiel würde möglichweise auch ohne Reif angepfiffen werden. Also machen Sie es nicht größer als es ist. Reif kommentiert ein Fußballspiel.

Und das verlernt man nicht.
Davon gehe ich aus. Und es spielen ja nicht zwei Clubs gegeneinander, von denen ich noch nie was gehört habe.

Die Bayern werden Pokalsieger, weil...
...sie besser besetzt sind als Leipzig und das auf den Platz bringen, was sie können.

Die Roten Bullen werden Pokalsieger, weil...
...an einem Abend und in einem Spiel Form und Einstellung Klasse schlagen können.

Die Bayern holen den jungen und vergleichweise unerfahrenen Niko Kovac und wundern sich dann, dass der Mann jung und vergleichsweise unerfahren im Umgang mit einer Kabine wie der des FC Bayern ist. Uli Hoeneß würde gerne mit Kovac weitermachen, Karl-Heinz Rummenigge eher weniger. Tut Ihnen Niko Kovac leid?
Ich würde nicht wollen, dass man so mit mir umgeht. Das stößt mich ab, das ist für mich kein natürlicher Teil des Profigeschäfts. Wenn man mich als Kommentator verpflichtet und ich sehe, dass einer der Chefs auch nur die Augenbraue hochzieht, sage ich: Danke und alles Gute, das war‘s, Freunde. Ich bin fast doppelt so alt wie Kovac...

... dann wären Sie 94.
Ich bin jedenfalls in einer anderen Situation als er und kann ihm deshalb nicht empfehlen, von sich aus aufzuhören. Ich mag ihn, sein Auftreten. Ich mag, was er sagt und wie er es sagt. Er verstellt sich nicht.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum letzten Punktspiel RB Leipzig gegen FC Bayern

RB Leipzig - FC Bayern München (0:0) Zur Galerie
RB Leipzig - FC Bayern München (0:0) ©

Die Bayern-Trainer Jupp Heynckes und Ottmar Hitzfeld standen auch und vor allem für ein respektvolles Miteinander. Geht bei den Bayern diesbezüglich Wesentliches über Bord?
Heynckes und Hitzfeld waren Musterbeispiele für menschlichen Umgang. Das was momentan mit Kovac passiert, ist nicht gut für den FC Bayern. Und es steht im Zusammenhang mit der Frage, wo sich der FC Bayern sieht und wo er hin will. Globale Marke und Superliga oder Bundesliga?

Massimiliano Allegri ist zu haben. Das könnte insbesondere den Italien-affinen Rummenigge interessieren.
Allegri ist ein Super-Trainer und Super-Taktiker. Aber nicht jeder Super-Trainer passt zu jedem Verein. Hitzfeld und Bayern – das hat gepasst. Heynckes und Bayern hat auch gepasst.

Und Kovac und Bayern könnte mit einem Sieg gegen RB passend gemacht werden.
Glaube ich nicht. Das Schlimme ist ja, dass die Diskussionen um Kovac selbst bei einem Double-Sieg nur in der Schublade mit der Aufschrift Wiedervorlage verschwinden würden.

Wie groß ist Robert Lewandowskis Vorfreude auf Timo Werner?
Timo Werner sollte sich eher die Frage stellen, wie groß sein Spielplatz bei den Bayern sein kann. Lewandowski will jedes Spiel spielen. Und Werner ist nicht Claudio Pizarro, der notfalls für die letzten fünf Minuten aus dem Schwimmbad kommt. An Werners Stelle würde ich mir genau überlegen, ob Bayern der richtige Schritt ist.

Sie sind Anhänger des im Siechtum befindlichen 1. FC Kaiserslautern. Wie finden Sie das folgende Mahnmal: „Tradition ist wie eine Laterne. Den Intelligenten leuchtet sie den Weg, die Dummen klammern sich an sie.“
Das unterschreibe ich vollumfänglich. Zuweilen verblendet die Laterne die Sicht auf die Realitäten. Und dann findet man sich, siehe FCK, in der dritten Liga wieder. Wenn auf der Geschäftsstelle Schwarz-Weiß-Fotos hängen, wird‘s gefährlich. Das Leben und der Fußball finden im Hier und Jetzt statt.

Der FCK legt sich gezwungenermaßen mit einem Investor ins Nest.
Wenn es gut geht, Glückwunsch. Wenn nicht, gehen auf dem Betzenberg die Lichter und die besagten Laternen aus.

Sie haben in der Jugend für den FCK gespielt. Wie war der Fußballer Marcel Reif?
Technisch brillant und bei eigener Führung großartiger Veranstalter großer Feste.

Bei Rückständen?
Ward Marcel nicht gesehen.

1. April 1998, Real Madrid gegen Borussia Dortmund, Bernabéu-Stadion. Sie, Herr Jauch, ein fehlendes Tor, ein Grimme-Preis. Karriere-Highlight, das man sich nicht ausdenken kann?
So toll wie es gemacht wurde, war es nicht. Aber es war nichts, wofür man sich schämen muss

„Rudis Rumpler stehen kreativ betrachtet ohne Hemd und Hose da.“ Bereuen Sie diese Ihre Worte?
Nein, das war eine Zustandsbeschreibung.

weitere Meldungen zum Pokalfinale RB Leipzig – FC Bayern

„Das ist FKK-Fußball – Flanke, Kopfball, Kahn.“ Würden Sie auch das wieder so sagen?
Ja, gesagt ist gesagt. Ich bereue nichts.

Deutschland spielte gegen Ghana und Sie erhellten so die TV-Gemeinde: „Die Spieler von Ghana erkennen Sie an den gelben Stutzen."
Das sollte ein Witz sein.

Der semigut ankam.
Könnte man so sagen.

Weiter im Text: „Ich nenne Herrn Vogts Hans Hubert. Berti klingt mir zu sehr nach Wellensittich.“
Herr Vogts war sauer – heute sind wir Freunde.

Kritik ist okay, solange sie nicht kritisch wird.
Könnte von mir sein und beschreibt die Fußball-Szene gar nicht mal so schlecht. Ich habe immer versucht, es so zu halten: kritisch ja, respektlos nie.

Der Fußball hat Ihnen...
...sehr viel gegeben und sehr viel ermöglicht. Ich habe den Fußball immer geliebt und tue das immer noch.

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