16. November 2017 / 08:43 Uhr

„RB Leipzig hat natürlich brutale Qualität“

„RB Leipzig hat natürlich brutale Qualität“

Bjarne Johannsen Schmidt
Leipziger Volkszeitung
Schalke-Coach Norbert Elgert am Spielfeldrand.
Schalke-Coach Norbert Elgert am Spielfeldrand. © Christian Modla
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Norbert Elgert auf Kohle geboren – und seit 1996 Trainer der U19 von Schalke 04

Leipzig. RB-Trainer Robert Klauß nannte ihn in Vorbereitung auf das Pokalspiel bei der U19 von RB Leipzig „Trainerfuchs“. Sicher würde„alter Hase“ genauso passend sein. Der laut eigener Aussage auf Kohle geborene Norbert Elgert, 1957 in Gelsenkirchen, trainiert seit 21 Jahren die U19 von Schalke 04. Als Cheftrainer der A-Jugend in der Knappenschmiede hatte der 60-Jährige maßgeblichen Anteil an der Ausbildung einer Vielzahl von internationalen Topspielern. Die aktuellen Nationalspieler Mesut Özil (29, Arsenal), Benedikt Höwedes (29, Juwentus) und Leroy Sané (21, Manchester City) gehören zu seinen Entdeckungen und profitierten von der Ausbildung des charismatischen Fußball-Lehrers.

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Sie haben im Pokal mit Ihrer U19 bei RB 3:1 gewonnen. Ihre Meinung?

Das war ein typischer Pokalfight zweier Teams auf Augenhöhe. Beide Mannschaften haben ihre Stärken in die Waagschale geworfen. Eine unserer Stärken ist das Verteidigen. Das war letztlich der Schlüssel zum Erfolg. Und wir haben unsere Konter und Chancen sehr gut genutzt.

Haben Sie Ihr Team auf einzelne RB-Spieler besonders vorbereitet?

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RB hat eine Menge Topsprinter. So viele haben wir nicht im eigenen Team. Unser Scout, Uwe Vester, hat den Gegner genau durchleuchtet, wie dieser es mit uns mit Sicherheit auch getan hat. Uns hat es sicherlich ein wenig in die Karten gespielt, dass Spieler wie Fontaine und Abouchabaka angeschlagen waren und somit nicht von Anfang an spielen konnten. Trotzdem hat RB natürlich eine brutale Qualität.

Wo sehen Sie Unterschiede in Ihrem Spiel im Gegensatz zu RB?

RB spielt im Nachwuchs sehr philosophieorientiert. Alle trainieren und spielen in Ausrichtung der ersten Mannschaft. Das machen wir sicherlich zum Teil auch so, aber mein Ansatz ist da ganzheitlich. Ich möchte, dass meine Jungs alle Basics und Offensiv- und Defensiv-Prinzipien beherrschen, die im Fußball denkbar sind.

Wie schätzen Sie die Jugendarbeit von Schalke 04 im Vergleich zu RB ein?

Das ist schwer zu sagen. Was wir die letzten 10 bis 15 Jahre geschafft haben, ist wahrscheinlich kaum zu toppen. Wir haben bestimmt 50, 60 vielleicht auch 70 Spieler in den Profibereich entwickelt, wenn man mal die 3. Liga und das Ausland mitzählt. Ich habe großen Respekt davor, was hier in Leipzig geschaffen wurde und noch weiter entsteht. Aber man braucht auch Geduld.

DURCHKLICKEN: Bilder vom U19-Pokalspiel RB - Schalke

RB Leipzigs U19 unterliegt dem FC Schalke 04 im Trainingszentrum am Cottaweg mit 1:3 Toren und scheidet aus dem  DFB-Junioren-Vereinspokal-Wettbewerb aus. Zur Galerie
RB Leipzigs U19 unterliegt dem FC Schalke 04 im Trainingszentrum am Cottaweg mit 1:3 Toren und scheidet aus dem DFB-Junioren-Vereinspokal-Wettbewerb aus. © Sylvio Hoffmann (Kollektiv Lumen)

Hat sich seit RB etwas im Werben junger Talente verändert?

RB ist mit Sicherheit vom Klub her, von der Philosophie aber auch von den Finanzen sehr attraktiv. Nimmt man nur die Anlage hier am Cottaweg sind die Bedingungen schon perfekt. Der Wettbewerb hat sich aber nicht nur durch RB Leipzig weiter verschärft.

Aus den Jahrgängen 1998 und 1997 haben es in Deutschland bisher nur wenige in den Profibereich geschafft. England hat zwei U-Titel gewonnen. Muss man sich um den deutschen Nachwuchs Sorgen machen?

Das glaube ich nicht, Sané und Draxler sind noch nicht lange aus der Jugend heraus. Man kann durchaus mal ein Jahrgangsproblem haben, aber eine Tendenz sehe ich da nicht. Grundsätzlich ist das aber sehr schwer zu sagen. England zum Beispiel hat viele Jahre im Nachwuchsfußball geschlafen, wie wir es in Deutschland früher auch taten. England hatte immer sehr gute Einzelspieler, es ist aber zu wenig gelungen, das im Team gemeinsam auf den Platz zu bringen. Jetzt wurde an Stellschrauben gedreht und der Erfolg stellt sich ein.


Müssen Spieler in deutschen Nachwuchsleistungszentren zu gleich sein?

Schwierige Frage, dazu kann und will ich nur etwas über Schalke sagen. Wir haben in der Vergangenheit viele Kreativspieler herausgebracht. Mit der Entwicklung des modernen Fußballs geht aber auch einher, dass sich jeder Spieler auf dem Feld in die Defensive einordnen muss. Verteidigen funktioniert nur im Kollektiv. Wir haben natürlich Vorgaben, die einzuhalten sind. Wenn diese aber in einer Situation Blödsinn sind, muss der Spieler eigene Entscheidungen treffen. In der Offensive ist mir persönlich die Ausbildung tatsächlich oftmals schon zu schablonenhaft. Wir trainieren auch Angriffszüge, aber jeder darf und muss dabei seine Kreativität und seine Intuition behalten.

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