03. Februar 2022 / 15:38 Uhr

RB Leipzig heiß auf die Partie in München: "Das ist ein Megaspiel"

RB Leipzig heiß auf die Partie in München: "Das ist ein Megaspiel"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB-Trainer Domenico Tedesco möchte gegen die Bayern erfolgreich sein.
RB-Trainer Domenico Tedesco möchte gegen die Bayern erfolgreich sein. © Getty Images
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RB Leipzigs Coach Domenico Tedesco will am Sonnabend, 18.30 Uhr, bei den großen Bayern das eigene Spiel auf den Platz bringen und erfolgreich sein. Die Anstoßzeit suggeriert zwar "Spitzenspiel", Quoten bei etwaigen Wettanbietern sehen die Sache aber eindeutiger. Wie auch immer: Spiele gegen den Rekordmeister geben immer Ansporn.

Leipzig. Es ist eine von vielen Fragen des 21. Bundesligaspieltages: Firmiert das Match Bayern München (Erster, 49 Punkte) gegen RB Leipzig (Sechster, 31 Punkte) überhaupt noch als Spitzenspiel? In den bisherigen elf Liga-Duellen war das so, blickte die halbe Fußball-Welt nach München oder Leipzig, wohnte sechs Bayern-Siegen, vier Unentschieden und einem Erfolg der Rasenballer bei. Es war oft das Spiel zwischen dem Ersten und dem Zweiten, röhrendem Zwölfender und dem auf Geweihwuchs wartenden Herausforderer. Erinnert sei ans hinreißende 3:3 im Dezember 2020, als Christopher Nkunku und Co. in der Allianz-Arena das Hausrecht auf der Lichtung geltend machten und mehr als diesen einen Punkt verdient hatten.

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Die Kräfteverhältnisse haben sich zuungunsten von RB verändert, die Wettquoten beim Lieblingsanbieter von Herrn Matthäus tragen der neuen Zeit Rechnung. Wer auf einen Bayern-Sieg setzt, wechselt bei einer 1,5er Quote Geld. Wer der Annahme ist, dass die Männer von Domenico Tedesco den Trend weiterhin als Freund an ihrer Seite haben (vier Siege in Folge) und erstmals in München gewinnen, freut sich über eine 5,75er Quote.

Für Dayot Upamecano, Münchens Abwehr-Hüne mit RB-Vergangenheit, ist trotz des 18-Punkte-Abstandes klar, dass der Hit des 21. Spieltages nicht in Dortmund (gegen Leverkusen), sondern in München vor 10.000 Fans (500 aus Leipzig) steigt. „Das ist ein großes Spiel.“

Besonderer Reiz

„Das ist ein Megaspiel“, sagt Tedesco, „kein Bonusspiel für uns. Das würde ja heißen, dass wir einverstanden wären, wenn wir verlieren. Wir möchten Bayern Paroli bieten, wollen unser Spiel auf den Platz bringen und erfolgreich sein.“ Taktik? Tief stehen und kontern? Ballbesitz? Der Coach: „Viele Wege führen nach Rom. Du musst alle Facetten beherrschen.“ Bayern? „Die haben neun der letzten zehn Spiele gewonnen, das spricht für sich.“ Wo man sie packen kann? „Über Schwachstellen bei den Bayern zu sprechen ist ein bisschen zäh.“

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Personalien: Tyler Adams fehlt angeschlagen, Marcel Halstenberg klagt über Rückenbeschwerden, fällt weiter aus. Mo Simakan ist beim Üben umgeknickt, kann aber ran. Aufstellungstechnisch entlässt Tedesco wie immer nichts ans Licht der Öffentlichkeit. Man darf aber ungestraft davon ausgehen, dass Tedesco Stars aus der zuletzt darnieder liegenden Kreativ-Abteilung anfangen lässt. Dani Olmo und Dominik Szoboszlai haben vitale Chancen auf einen Startplatz, der noch nicht zu 100 Prozent hergestellte Emil Forsberg wird maximal auf der Bank sitzen. Die Sturmbesetzung hat mit der Bestückung des offensiven Mittelfeldes zu tun. Wenn Christopher Nkunku einen Olmo oder Szoboszlai zur Seite gestellt bekommt, bleibt es bei einem nominellen Stürmer, der André Silva oder Yussuf Poulsen heißt.

Ein Reiz des Spiels speist sich auch aus der Tatsache, dass sich die Münchner im Sommer diverse Leipziger Kostbarkeiten einverleibt haben. Als da wären: Julian Nagelsmann nebst seinem Trainerteam, Dayot Upamecano und - nicht zu vergessen - Marcel Sabitzer. Für den berühmt-berüchtigten Wortakrobaten Nagelsman ist das Spiel gegen seinen alten „natürlich ein Stück weit besonderer“. Über seinen einstigen Kollegen beim Trainer-Lehrgang sagt Nagelsmann: „Domenico hat eine gute Idee in der Defensive und Offensive, die Mannschaft ist gut eingestellt.“ Und sonst so? „Der Club (RB) und die Mannschaft haben ein riesiges Potenzial. Wir sind gefordert, ein sehr gutes Heimspiel zu machen und freuen uns darauf.“ Woher Nagelsmanns Vorliebe für Ballbesitzfußball rührt? „Es ist ja ganz einfach: Wenn man den Ball hat, kann der Gegner auch kein Tor schießen.“

Bayrischer Rekordjäger

Die Roten Bullen haben gegenüber dem FC Bayern München zumindest einen Vorteil: Es gibt im Leipziger Dunstkreis keine Ex-Spieler, die Großartiges für den Club geleistet haben und sich in festen Abständen kritisch zu ihren Nachkommen äußern. RB hat keinen Lothar Matthäus, keinen Didi Hamann, keinen Paul Breitner. RB hat auch keinen Karl-Heinz Rummenigge. Letzterer drapierte ums Gesamtpaket Niklas Süle via Sky nicht gerade das rosarote Band der Sympathie („Hat sich nie durchgesetzt“) und steigerte zudem eher weniger Marcel Sabitzers Wertigkeit in der Bayern-Kabine. Der Neue aus Leipzig sei ein kostspieliger „Luxustransfer“ gewesen und habe den Kader „nicht so verbessert, wie man es sich gewünscht hat“. Fakt ist: Sabitzer fehlt RB mehr als er den Bayern nützt.

Bayerischer Rekordjäger: FCB-Torhüter Manuel Neuer hat unglaubliche 309 seiner 457 Bundesligaspiele für Schalke und Bayern gewonnen, würde mit einem Dreier gegen RB mit seinem Vorgesetzten Oliver Kahn (557 Spiele, 310 Siege) gleichziehen. Dritter in dieser Rangliste der Glücklichen ist Münchens Säulenheiliger Thomas Müller, der sich nach 295 seiner bisher 403 Erstligaspiele über Einschläge auf seinem Prämienkonto freute. Peter Gulacsi war in 183 der bislang 190 Bundesliga-Spiele von RB dabei. Bei 97 der insgesamt 100 Dreier war der Ungar dabei. Er führt das RB-Ranking an.

Statistik 1: In den jüngsten 115 Bundesligaspielen gingen die Bayern zweimal ohne Tor vom Platz. Jeweils, ja, gegen RB (2019/2020).

Statistik 2: Tedescos Bayern-Bilanz (mit Schalke) ist ausbaufähig: Vier Spiele, vier Niederlagen.

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