09. Dezember 2021 / 11:44 Uhr

RB Leipzig holt Domenico Tedesco: Kann der das? Ein klares Ja!

RB Leipzig holt Domenico Tedesco: Kann der das? Ein klares Ja!

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Domenico Tedesco hat bei und mit RB viel zu tun und vor.
Domenico Tedesco hat bei und mit RB viel zu tun und vor. © Imago/Sven Simon
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Viele Namen wurden kolportiert: Roger Schmidt, Lucien Favre, Erik ten Hag, Rúben Amorim. Entschieden hat sich RB bei der Suche nach einem neuen Trainer für Domenico Tedesco. Der war vertragslos, nicht weil es keine Angebote gab, sondern weil er sie abgelehnt hat. Dass der gebürtige Italiener die Leipziger Offerte annimmt, ist ermutigend, meint LVZ-Sportchefin Antje Henselin-Rudolph.

Als Domenico Tedesco am 8. März 2017 den FC Erzgebirge Aue übernahm, guckten die Fans nicht schlecht. Den damals 31-Jährigen, bis zu diesem Zeitpunkt lediglich im Nachwuchs an der Seitenlinie, hatte im Grunde keiner auf der Rechnung. Ob so einer den akut abstiegsbedrohten Zweitliga-Letzten würde retten können? Er konnte. Und wie!

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Retten soll der gebürtige Italiener jetzt auch RB Leipzig. Am Cottaweg geht es natürlich nicht um den Klassenerhalt, sondern um die Champions League und damit vor allem um viel Geld. Entsprechend anders sind hier auch die Voraussetzungen für Tedesco. Statt zwar stets kampfbereiten, aber technisch bisweilen limitierten Kickern wie einst in Aue, oder den hart ackernden, aber nicht in jeder Beziehung hochgradig talentierten Schalkern, steht dem Coach nun ein Team zur Verfügung, das Talent und mannigfaltige Anlagen im Überfluss bietet. Selbst RB nicht sonderlich wohl gesonnene Experten erkennen die hohe Qualität des Kaders an.

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Die ist natürlich auch den Bossen bewusst. Dass es Jesse Marsch selten gelang, dieses Potential zu heben, wurde ihm schließlich zum Verhängnis. Genau das soll nun Tedesco schaffen. Das dafür nötige Handwerkszeug bringt er mit. Ihm ist Ordnung wichtig, auf und neben dem Platz. Das erinnert an Ralf Rangnick, den großen RB-Lehrmeister. Er ist ein Tüftler mit Blick für Details, geht in der Videoanalyse auf. Das erinnert an Julian Nagelsmann, zwei Jahre RB-Coach. Er bevorzugt kleinschrittige Veränderungen. Das unterscheidet ihn von Marsch, seit Sonntag Ex-RB-Coach, der innerhalb kürzester Zeit statt eines Schrittes einen Sprung machen wollte, rückwärts. Er weiß, welche Tonart er wann wählen muss. Seine Emotionalität ist mitreißend, an der Seitenlinie aber vor allem in der Kabine. Er schaut nicht nur auf Tabellen, er schaut auf Menschen.

Domenico Tedesco ist keiner, der jedes Angebot annimmt. Er prüft den „Anwärter“, er prüft sich. Passt das alles? RB Leipzig hat sich für ihn entschieden, ja. Vor allem aber hat sich Tedesco für RB Leipzig entschieden. Das ist ermutigend.