13. Januar 2021 / 07:15 Uhr

RB Leipzigs Justin Kluivert über Vater Patrick: "Es ist, als sähe er seine eigene Karriere in mir"

RB Leipzigs Justin Kluivert über Vater Patrick: "Es ist, als sähe er seine eigene Karriere in mir"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Justin Kluivert kam vom AS Rom zu RB Leipzig.
Justin Kluivert kam von der AS Rom zu RB Leipzig. © Getty Images
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Er war der letzte Transfer, den RB Leipzig vor dem Schließen des Sommertransferfensters noch getätigt hat: Justin Kluivert, 21, ist für ein Jahr von der AS Rom ausgeliehen. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über das Gewicht seines Nachnamens, große Brüder in der Mannschaft und das halb volle Glas.

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Leipzig. Jung, dynamisch, positiv und mit einem strahlenden Lächeln auf dem Gesicht: Justin Kluivert ist seit knapp vier Monaten in Leipzig, hat für RB bisher zwei Tore erzielt, fühlt sich sehr wohl in der Stadt und mit der Mannschaft. Im vorletzten Liga-Spiel 2020 zog sich der 21-Jährige eine Verletzung zu, spielte weder gegen den 1. FC Köln (0:0), noch im Pokal gegen den FC Augsburg (3:0). Auch die ersten Partien des neuen Jahres gegen den VfB Stuttgart (1:0) und gegen Borussia Dortmund (1:3) verpasste er.

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SPORTBUZZER: Sie haben sich im Spiel gegen die TSG Hoffenheim verletzt und mussten die letzten drei Spiele aussetzen. Wie geht es mit der Genesung voran?

Justin Kluivert (21): Ich habe fast gar keine Schmerzen mehr. Ich fühle mich besser, bin aber noch nicht bei 100 Prozent. Mein Ziel ist es, so schnell wie möglich wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können. Ich hoffe, dass ich dann gegen Wolfsburg wieder im Kader stehe.

Sie waren auch über die Weihnachtsfeiertage verletzt. Konnten Sie Ihre Familie sehen?

Ja, ich war über Weihnachten bei meiner Familie in den Niederlanden. Wir haben im kleinen Kreis mit meiner Mutter und meinen Brüdern und sehr besinnlich gefeiert, insofern war es trotz der Pandemie fast wie immer. Wir haben gut gegessen und Geschenke ausgetauscht. Es war schön, nach so langer Zeit mal ein paar Tage mit meiner Familie zu verbringen, insbesondere an Weihnachten. Ich war sehr glücklich darüber und habe es sehr genossen.

Was ist mit den Weihnachtskalorien. Zählen die oder darf man an Feiertagen auch mal ein bisschen mehr naschen?

Es sind Feiertage! Da sage ich immer – vor allem, wenn sie so kurz ausfallen -, dass ich ein Stück Fleisch mehr essen darf. Man muss die Feiertage ja auch genießen. Danach kann man sich wieder voll und ganz auf Fußball konzentrieren. Aber keine Sorge, zugenommen habe ich nicht!

2020 liegt hinter uns. Es war ein Jahr, das uns allen viel abverlangt hat. Wie haben Sie es erlebt?

Ja, das vergangene Jahr war vor allem für den Kopf sehr belastend. Wir Menschen sind es nicht gewohnt, dass alles still steht und das für so lange Zeit. Aber ich versuche in allem was ich mache etwas Positives zu finden. Ich denke, man sollte in diesen Monaten viel Zeit mit der Familie verbringen oder viel sprechen, wenn man kann. Es hilft sicher auch, sich etwas zu suchen, was einen beschäftigt und auf Trab hält. Ich bin ein sehr optimistischer Mensch und denke, dass auch schwierige Zeiten etwas Positives haben können. Daher: Schau immer auf die Sonnenseite!

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RB Leipzig absolvierte am 07. Oktober 2020 das erste öffentliche Training seit März. Zur Galerie
RB Leipzig absolvierte am 07. Oktober 2020 das erste öffentliche Training seit März. ©

Wie haben Sie das neue Jahr begrüßt?

An Silvester war ich in der RB-Akademie, wir waren ja in Quarantäne. Ich hatte nie gedacht, dass ich Neujahr mal so feiern werde, aber es war schon ganz in Ordnung. Das sind halt diese verrückten Zeiten! Ich hoffe trotzdem, dass ich nächstes Jahr wieder mit meiner Familie an Silvester feiern kann.

Wenn wir schon bei Familie sind: Ihr Vater Patrick Kluivert ist eine Fußball-Legende. Wie ist es, den Erwartungen gerecht zu werden, die der Name Kluivert im Fußball mit sich bringt?

Es ist zwar immer ein Thema, ich gehe aber sehr gut damit um. Für mich persönlich ist es kein erhöhter Druck, weil ich nicht krampfhaft versuche, zu beweisen, dass ich besser als mein Vater bin. Es motiviert mich, Menschen meine eigenen Fußballfähigkeiten und -fertigkeiten zu zeigen. In meiner Jugend habe ich bei Ajax gespielt, wo auch mein Vater sehr lange war. Aber ich habe das nicht wegen ihm gemacht und geschafft, sondern weil ich selbst ein guter Fußballer bin. Für viele mag das so ausgesehen haben, als wäre ich bei Ajax nur wegen meines Vaters. Das hat mich immer mehr motiviert, der Welt zu zeigen, dass das allein mein Verdienst ist und ich das meinen eigenen Qualitäten zu verdanken habe, dass ich jetzt da bin, wo ich bin.

Motiviert er Sie? Wie spornt er Sie an?


Er hat die gleichen Karrierestufen hinter sich, wie ich. Zum Beispiel habe auch ich in meiner Jugend bei Ajax Amsterdam angefangen und es bis zur ersten Profi-Mannschaft gebracht. Er weiß also, was mich beschäftigt. Es ist, als sähe er seine eigene Karriere in mir. Wenn ich etwas nicht gut mache, sagt er mir das auch. Dann gibt er mir Tipps, was ich anders und besser machen sollte. Es ist wirklich toll, einen solchen Vater zu haben.

Holen Sie sich oft Ratschläge von ihm?

Ja, natürlich. Wir sehen uns zwar nicht oft, weil er in Spanien arbeitet und lebt. Und ich bin ja jetzt in Deutschland. Aber in diesen Tagen haben wir ausreichende Möglichkeiten die Distanz zu überbrücken. Wir schreiben und telefonieren regelmäßig. Und sprechen dabei nicht nur über Fußball. Wir tauschen uns auch allgemein über Gott und die Welt aus.

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Was hat er zu Ihrem Wechsel zu RB Leipzig gesagt?

Er hat sich sehr für mich gefreut. Er will mich schließlich glücklich wissen und hat es auch für einen klugen Schritt gehalten, dass ich aus Rom woanders hingehe. RB Leipzig passt sehr gut zu mir und ich bin froh, dass ich hier sein kann. Die Jungs im Team sind tolle Menschen, ich habe viele Freunde hier gefunden. Die Qualität der Mannschaft ist auch sehr hoch. Ich hoffe, dass wir gemeinsam noch viel erreichen. Ich will mein Team dabei unterstützen, so gut ich kann.“

Sie waren der letzte Spieler, den RB in der Sommer-Transferperiode geholt hat. Wie haben Sie den Transfer erlebt?

Es war schon etwas stressig, aber auch nur, weil der Wechsel am letzten Tag über den Tisch ging. Zunächst wollte ich Rom auch nicht verlassen, weil ich schon an die neue Saison gedacht habe und hoffte, dass ich wieder mehr spielen kann. Als dann das Angebot von RB Leipzig kam, musste ich aber nicht lange überlegen und habe die Entscheidung doch ziemlich schnell getroffen.

Wie sind Sie im Team angekommen? Wie haben die anderen Spieler Sie aufgenommen?

Einfach toll! Viele der Jungs kannte ich natürlich und sie mich auch. Wir schauen ja alle viel Fußball (lacht). Ich wurde sofort in einer sehr angenehmen Atmosphäre aufgenommen. Und im Team sind sehr viele junge Spieler – da ist es logisch, dass man auch direkt miteinander klar kommt. Wir haben die gleichen Interessen, innerhalb und außerhalb des Fußballs.

Sie sind jetzt schon seit knapp vier Monaten in der Messestadt. Wie waren Ihre ersten Eindrücke?

Als ich ankam, gab es keinen Lockdown, es war natürlich mehr los als jetzt. Ich war oft in der Stadt, die sehr belebt war. Das hat mir sehr gut gefallen. Es ist anders, als meine vorherigen Stationen, entspannter und sehr angenehm. Es gibt viele coole Läden und Restaurants, Leipzig ist eine tolle Stadt. Leider kann man aktuell nichts davon genießen.

Und mit wem verbringen Sie die meiste Zeit?

Mit den spanischen Jungs, Dani Olmo und Angelino. Auch mit Tyler Adams und jetzt Dominik Szoboszlai, der neu dazu gekommen ist. Domi und ich spielen viel Backgammon. Und Emil Forsberg ist mein großer Bruder. (lacht) Aber die ganze Mannschaft ist super, das sind alles erstklassige Jungs!

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Sie haben bisher zwei Tore im RB-Trikot gemacht. Läuft es Ihren Vorstellungen entsprechend?

Das erste Tor ist für einen offensiven Spieler sehr wichtig. Dafür ist man als Angreifer auch da: Tore schießen und der Mannschaft Punkte sichern. Ich war sehr erleichtert, weil das erste Tor für mich auch immer das schwierigste ist. Danach war ich schon entspannter. Das zweite Tor kam dann auch schnell. Jetzt bin ich zwar verletzt, aber ich werde bald wieder fit sein und da weitermachen, wo ich aufgehört habe. Ich kann es kaum erwarten zurückzukehren und habe vor, noch einige Tore nachzulegen.

Ihre Leihe läuft nur ein Jahr lang. Hoffen Sie, länger hier bleiben zu können?

Erst mal will ich fit werden, Leistung bringen und Tore machen. Die Sachen entscheiden sich dann manchmal auch von allein. Aber ich kann sagen, dass ich sehr glücklich hier bin und mich total wohl fühle. Natürlich ist es da auch eine Möglichkeit, hier länger zu spielen. Dazu gehören ja aber auch noch zwei Vereine, die entscheiden müssen. Fragen Sie mich nach der Saison noch mal, wie es aussieht (lacht).