20. Mai 2020 / 07:20 Uhr

RB Leipzigs Kevin Kampl nach Comeback: "Die besten Sechser sind über 30"

RB Leipzigs Kevin Kampl nach Comeback: "Die besten Sechser sind über 30"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Kevin Kampl feierte gegen Freiburg ein starkes Comeback.
Kevin Kampl hat endlich keine Schmerzen mehr. © Florian Eisele/motivio
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Zwar erspielten die Roten Bullen am Wochenende nur ein Remis, doch feierte Kevin Kampl nach sechsmonatiger Abstinenz gegen Freiburg ein Top-Comeback. Hinzu kommt, dass der Mittelfeld-Motor seinen Vertrag bei RB aller Wahrscheinlichkeit nach verlängern wird. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 29-Jährige über die aktuelle Lage.

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Leipzig. Als RB Leipzig am 19. Mai 2009 das Licht der Welt erblickte, jagte der 18-jährige Kevin Kampl in der A-Jugend von Bayer Leverkusen dem Ball hinterher. 2017 wuchs zusammen, was zusammengehört – Kampl und RB. Der zweifache Familienvater, 29, über Wiedersehensfreude mit Frau Vanessa, 28, und den Söhnchen Jordi Noel, 2, und Louis Jamie (elf Monate) nach einwöchiger Quarantäne, sein Comeback beim 1:1 gegen Freiburg, das Sonntagsspiel in Mainz (15.30 Uhr) und eine Verlängerung seines 2021 auslaufenden Vertrages.

Herr Kampl, Ihr letztes Spiel datierte vom 9. November 2019, ein halbes Jahr später rennen Sie 11,7 Kilometer, spielen grandios, bereiten Yussuf Poulsens Ausgleich sensationell vor. Wird Spielpraxis überbewertet?

Praxis ist immer gut, aber ich habe nach Pausen nie lange gebraucht, um wieder einen geraden Pass spielen und 90 Minuten laufen zu können. Für mich persönlich war wichtig, dass meine Füße top sind und ich endlich wieder ohne Schmerzen Fußball spielen kann. Die Entscheidung für eine Fuß-Operation war goldrichtig.

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Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. Zur Galerie
Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. ©

Sie sind zäh, tragen weniger als 70 Kilo mit sich. Ein Vorteil im Maschinenraum Mittelfeld?

Absolut. 95 Kilo würden mir vielleicht beim Kopfball helfen, sonst eher weniger.

Nach sechsmonatiger Pause würde einem normalen Fußballer schon beim Warmmachen der innere Schweinehund begegnen und um ein Päuschen bitten. Wie oft wurde er gegen Freiburg bei Ihnen vorstellig?

Gar nicht. Nach Yussis 1:1 war ich mir sicher, dass noch was geht, dass wir das Spiel noch komplett biegen. Wir alle hatten bis zum Schlusspfiff genügend Luft und Power. Es ist bitter, dass wir dann nur einen Punkt geholt haben – und wenn es ganz schlecht läuft, verlieren wir das Spiel am Ende fast noch.

Wenn man seine Dinger nicht rein macht und vom Strand aus das Meer nicht trifft, darf man sich nicht beschweren.

Tun wir ja auch nicht. Positiv ist, dass wir gegen einen extrem tief stehenden Gegner viele Chancen rausgespielt haben und dass wir bis zur letzten Sekunde alles versucht haben.

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Rückschlag im Kampf um die ersten Plätze: RB Leipzig ist gegen den Sc Freiburg nicht über ein 1:1 hinausgekommen. Zur Galerie
Rückschlag im Kampf um die ersten Plätze: RB Leipzig ist gegen den Sc Freiburg nicht über ein 1:1 hinausgekommen. ©

Sie selbst hätten nach mundgerechten Vorlagen von Timo Werner zwei Tore machen können.

Eine Chance hätte ich machen müssen.

Wie hat sich Fußball mit ohne Fans angefühlt?

Mit Fans ist es zehn Mal schöner, klar! Aber wir haben die Situation angenommen und unseren Job mit viel Hingabe gemacht.

Waren Sie überrascht, dass Sie auflaufen durften?

Schon, ja. Ich war erst zwei Wochen im richtigen Mannschaftstraining. Wenn dir der Trainer das Vertrauen schenkt, musst du das mit einer möglichst guten Leistung zurückgeben. Es war bis aufs Ergebnis ein toller Tag. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und konnten hinterher wieder unsere Familien sehen.

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Kevin Kampl (RB Leipzig): Wir standen heute fünfmal vorm leeren Tor, hatten Chancen für zwei Spiele – wir müssen das Ding einfach reinmachen. Abgesehen von der Chancenverwertung haben wir aber ein gutes Spiel gemacht und gegen tief stehende Freiburger gut gearbeitet. Zur Galerie
Kevin Kampl (RB Leipzig): "Wir standen heute fünfmal vorm leeren Tor, hatten Chancen für zwei Spiele – wir müssen das Ding einfach reinmachen. Abgesehen von der Chancenverwertung haben wir aber ein gutes Spiel gemacht und gegen tief stehende Freiburger gut gearbeitet." ©

Sie tragen neuerdings eine Art Rasierpinsel auf dem Kopf. Bleibt das so?

Es ist eher eine Sturmfrisur. Ich bin obenrum experimentierfreudig, lassen Sie sich überraschen.

Ihr nächster Vertrag ist der letzte große in Ihrer Karriere. Wann sagen Sie ja zu RB Leipzig? Und jetzt sagen Sie bitte nicht, dass Sie in sehr guten Gesprächen sind.

Wir sind in sehr, sehr guten Gesprächen.

Die wann in einer Einigung münden?

Wenn es so kommen sollte, werden Sie es früh genug erfahren.

Ist das Angebot von RB schon so gut, dass der oberste Knopf der Cordhose aufspringt?

Ich trage keine Cordhosen. Aber es sieht wie gesagt gut aus. Wir fühlen uns in Leipzig pudelwohl, ich komme ins beste Fußball-Alter. Die besten Sechser sind über 30 (lacht).

Mehr zu RB

Die Bayern werden nach menschlichem Ermessen Meister.

Ja, das kann so kommen. Ändert aber nichts daran, dass wir um jeden einzelnen Punkt kämpfen werden und dann schauen, was es dafür gibt. Die Qualifikation zur Champions League bleibt oberstes Ziel.

Ihr habt Mainz in Leipzig 8:0 demontiert. Die Mainzer freuen sich sehr auf Sonntag.

Wir freuen uns auch. Das 8:0 ist Schall und Rauch, Mainz ist jetzt eine ganz andere Mannschaft. Wir wollen trotzdem die drei Punkte.