23. Januar 2019 / 14:09 Uhr

RB Leipzig könnte vorzeitig das Gelände vom BSV Schönau übernehmen

RB Leipzig könnte vorzeitig das Gelände vom BSV Schönau übernehmen

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzig will mit seinem Sportcampus expandieren. Dafür möchten die Roten Bullen das Gelände vom BSV Schönau nutzen.
RB Leipzig will mit seinem Sportcampus expandieren. Dafür möchten die Roten Bullen das Gelände vom BSV Schönau nutzen. © Dirk Knofe
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Vor acht Jahren ermöglichte eine Übereinkunft zwischen RB Leipzig und dem benachbarten BSV Schönau den Bau eines hochmodernen Trainingszentrums am Cottaweg. BSV-Mitglieder fürchten nun, dass ihr Verein das Areal am Elsterbecken früher als geplant verlässt.

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Das Trainingsgelände von RB Leipzig am Cottaweg gehört zu den modernsten im deutschen Fußball. Geschätzte 35 Millionen Euro an Baukosten soll das rund 13.500 Quadratmeter große Gebäude verschluckt haben. Entstanden sind eine Turnhalle, Krafträume, ein Wellnessbereich, eine medizinische Abteilung, ein Pressekonferenzraum, Büros, Rückzugsmöglichkeiten für die Profis und vieles mehr. Direkt angeschlossen: mehrere Kunst- und Naturrasenplätze. 2015 wurde das RB-Hauptquartier fertiggestellt.

DURCHKLICKEN: Die Sportplätze des BSV Schönau und der SpVgg Leipzig.

RB Leipzig will mit seinem Sportcampus expandieren. Dafür möchten die Roten Bullen das Gelände vom BSV Schönau nutzen. Zur Galerie
RB Leipzig will mit seinem Sportcampus expandieren. Dafür möchten die Roten Bullen das Gelände vom BSV Schönau nutzen. ©

In dieser Form Überhaupt möglich gemacht hat das Projekt 2011 eine Übereinkunft mit dem BSV Schönau 1983. Der Leipziger Fußballverein war schon viele Jahre vor den Roten Bullen am Elsterbecken beheimatet und trat nach Verhandlungen beider Clubs Teile seines von der Stadt Leipzig gepachteten Geländes ab. Als Ausgleich leistete RB dem BSV damals bei der Sanierung und dem Ausbau der verbleibenden Flächen Unterstützung: So kam der Verein beispielsweise zu einem eigenen Kunstrasenplatz. Zudem werden seither unter anderem die vom BSV genutzten Rasenplätze durch RB-Greenkeeper gepflegt.

Pachtvertrag läuft 2025 aus

Teil des durch damals den BSV-Vorstand abgesegneten Deals war aber laut Kerstin Kirmes, Amtsleiterin im Leipziger Amt für Sport, auch, dass der befristete Pachtvertrag für die Flächen Ende des Jahres 2025 ausläuft. Schon bei der Einigung vor acht Jahren habe RB Leipzig klargemacht, dass die erneuerten Flächen irgendwann gebraucht werden könnten. Derzeit trainieren bereits regelmäßig Nachwuchs-Mannschaften des Bundesligisten in Absprache beider Vereine auf dem BSV-Gelände.

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Laut BSV-Vorstand Norbert Besser hat RB Leipzig mittlerweile signalisiert, das Gelände schon vorzeitig übernehmen zu wollen: „Die Verhandlungen laufen. Es gibt ein super Angebot. RB Leipzig würde uns finanziell unterstützen.“ Ob es zu einer Einigung kommt, sei jedoch unklar: „Am Ende müssen aber die Mitglieder darüber entscheiden, ob wir früher umziehen oder nicht.“ Einen Termin für die Abstimmung gebe es nicht. Über die Höhe des Angebots und mögliche Ziele eines Umzugs wollte Besser nicht sprechen.

Kein konkretes Angebot mehr

Laut SPORTBUZZER-Informationen gibt es von RB – zumindest aktuell – keine konkreten Pläne oder Angebote für eine vorzeitige Übernahme des Geländes. Demzufolge waren die Roten Bullen zwar in den vergangenen Jahren zwei Mal mit Umzugsvorschlägen und der Zusicherung für Unterstützung bei der Sanierung beziehungsweise dem Ausbau einer potenziellen neuen Anlage an den BSV Schönau herangetreten. Eine Einigung konnte damals jedoch nicht erzielt werden. Der Ball liegt dem Vernehmen nach nun beim BSV Schönau. Falls der Verein einen vorzeitigen Umzug anstreben und eine passende Anlage finden würde, gebe es von RB-Seite wohl immer noch Gesprächsbereitschaft. Falls nicht, werde man sich an alle Vereinbarungen rund um den 2025 endenden Pachtvertrag halten.

Spielervater in Sorge

Joachim Wiese bereiten die Entwicklungen dennoch Sorgen. Sein 9-jähriger Sohn spielt seit vier Jahren für den BSV. Weil die Familie im Waldstraßenviertel wohnt, sind die Wege zum Training kurz. Anderen Familien gehe es ähnlich. Zu einem anderen Verein zu wechseln, sei nicht so einfach: „Mein Sohn spielt gern beim BSV und die anderen Mannschaften in der Gegend sind überfüllt.“ Einen Umzug des Vereins lehnt Wiese nicht kategorisch ab, es fehle jedoch aus seiner Sicht an einem geeigneten Alternativgelände: „Das muss in der Nähe sein, damit die Kinder eine Chance haben, zum Training zu gelangen.“ RB löse bei einer frühzeitigen Übernahme des gesamten Geländes am Cottaweg sein Platzproblem und reiche es an Schönau weiter.

Blick zurück: Der Bau des Leipziger Zentralstadions

Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. Zur Galerie
Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. © LVZ Archiv

Anlagen langfristig verpachtet

Und in der Tat: Eine Unterbringung der aktuell 320 Mitglieder des BSV in einer eigenen Anlage ist laut Kerstin Kirmes unrealistisch: „Alle kommunalen Anlagen sind langfristig an Vereine verpachtet.“ Dennoch gebe es mit dem BSV-Vorstand seit vier Jahren immer wieder Gespräche. Bisher seien drei große Anlagen als Ersatz vorgeschlagen worden, bei denen aber jeweils eine Übereinkunft mit dem aktuellen Pächter notwendig wäre.

Dies sei sowohl bei einer Anlage in der Diezmannstraße, die mittlerweile der FC Blau-Weiß Leipzig komplett auslastet, als auch an der Parthe, wo aus organisatorischen Gründen eine Fusion mit dem SV Lok Leipzig Nordost nötig wäre, nicht gelungen. Derzeit gebe es jedoch Gespräche zwischen dem BSV und der Spielvereinigung 1899 e.V. über die gemeinsame Nutzung des Karl-Enders-Sportparks in Lindenau. Wirklich nah am aktuellen Trainingsgelände ist jedoch keine der Anlagen.

Doppelte Mitgliederzahl

Seit 2010 hat dich die Mitgliederzahl des BSV verdoppelt, aktuell gehen zehn Mannschaft aus dem Männer-, Frauen und Juniorenbereich im Ligabetrieb an den Start. Ein Umzug scheint für den Verein unumgänglich – wohin, wann und zu welchen Bedingungen bleibt jedoch vorerst offen.