22. April 2020 / 07:07 Uhr

RB Leipzigs Boss Mintzlaff kontert Kritiker: "Wir wollen unserem Beruf nachgehen"

RB Leipzigs Boss Mintzlaff kontert Kritiker: "Wir wollen unserem Beruf nachgehen"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Oliver Mintzlaff sieht keine Alternative zu Geisterspielen.
Oliver Mintzlaff sieht keine Alternative zu Geisterspielen. © GEPA Pictures
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Die geplante Wiederaufnahme des Bundesliga-Spielbetriebs während der Corona-Pandemie ruft zahlreiche Kritiker aus Politik und Fanszene auf den Plan. RB Leipzigs Vorstandschef Oliver Mintzlaff erinnert im exklusiven SPORTBUZZER-Interview mit Nachdruck daran, dass sich Proficlubs nicht von anderen Unternehmen unterscheiden.

Leipzig. Laut Sportminister-Einschätzung kann die Bundesliga am 9. Mai an den Start gehen - basierend auf dem Anti-Corona-Konzept der Task Force der Deutschen Fußball-Liga (DFL). Auch NRW-Chef Armin Laschet und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder halten das Konzept offenbar für tragfähig. Hieße für RB Leipzig: Am 9. Mai steigt die Heimpartie gegen Borussia Dortmund. Ohne Fans. RB-Chef Oliver Mintzlaff, 44, über das Krisenmanagement der von Christian Seifert geführten DFL, eine schrittweise Rückkehr zur Normalität, Kompromissbereitschaft, Populismus, Rückerstattungen von Ticketpreisen und Aktivitäten auf dem Transfermarkt.

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Dem Profifußball wird schon seit längerem vorgeworfen, dass er in einer Blase lebt, wenig Kontakt zu Mutter Erde hat. Jetzt ist das Leben in einer möglichst keimfreien Blase ausdrücklich erwünscht, um die Saison zu Ende spielen zu können. Sie kennen das Konzept der DFL. Zufrieden, froh und glücklich?

Glücklich ist momentan keiner in Deutschland, aber wir alle müssen das Beste aus der jeweiligen Situation machen, müssen nach vorne schauen und denken. Und das Beste für den Profifußball ist jetzt, unter Ausschluss der Öffentlichkeit Fußball zu spielen. Um einen fairen Wettbewerb zu garantieren. Um den wirtschaftlichen Totalschaden für viele Clubs zu verhindern. Um die vielen Arbeitsplätze in den Vereinen - im Durchschnitt 400 Festangestellte wie bei uns - zu erhalten. Um staatliche Hilfsprogramme für die Proficlubs nicht in Anspruch nehmen zu müssen. Auch um den vielen Fans des Fußballs ihren geliebten Sport zurückzugeben, eine Abwechslung vom Corona-Alltag anzubieten, zumindest via Fernseher. Und, ja, das Konzept der DFL ist schlüssig und durchdacht. Über allem steht die Gesundheit und Sicherheit der Beteiligten.

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Geisterspiele: Diese Partien wurden bereits ohne Zuschauer ausgetragen

Wegen Fan-Ausschreitungen und dem Coronavirus wurden bereits Geisterspiele in Europa ausgetragen. Der SPORTBUZZER zeigt eine Auswahl.  Zur Galerie
Wegen Fan-Ausschreitungen und dem Coronavirus wurden bereits Geisterspiele in Europa ausgetragen. Der SPORTBUZZER zeigt eine Auswahl.  ©

Laut SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach braucht es in Zeiten wie diesen alles, nur keinen Fußball. Lauterbach spricht von Brot und Spiele.

Populistische Aussagen bringen uns nicht weiter. Das Leben ist kein Wunschkonzert, natürlich auch nicht für die Profivereine. Aber für uns Clubs gilt dasselbe wie für alle anderen Unternehmen. Wir alle müssen uns die Frage stellen, wie wir unseren eigenen und den gesellschaftlichen Schaden reduzieren. Wir reklamieren keine Sonderreglung für uns. Wir wollen unserem Beruf nachgehen, und das ist nun mal Fußball spielen. Und wenn uns das in den erlaubten Leitplanken möglich und gestattet ist, werden wir das unter Berücksichtigung aller Vorsichtsmaßnahmen tun. Wir gehen diese Herausforderung mit Hoffnung und Optimismus an, werten das Votum der Minister als gutes Zeichen. Das Leben geht weiter, muss weiter gehen.

Um den Spielbetrieb aufrechthalten zu können, sind Unmengen Corona-Tests notwendig. Bietet der Profifußball an dieser Stelle Angriffsfläche?

Nein, ich denke, auch dieser Aspekt wird im Maßnahmenpaket der DFL berücksichtigt.

Schalkes Aufsichtsratschef Clemens Tönnies hat avisiert, die Labore seines Unternehmens zur Verfügung zu stellen. Gute Idee?

Ich habe das auch nur gelesen. Grundsätzlich ist es so, dass die Proficlubs große Netzwerke haben. Und die werden jetzt in vielerlei Hinsicht genutzt, um die Krise zu bewältigen und zu überstehen.

Wenn Masseur XY von Verein Z positiv getestet wird ...

...bricht nicht alles wie ein Kartenhaus zusammen. Wie gesagt: Ich gehe davon, dass das Konzept viele Eventualitäten abdeckt. Wir setzen alles daran, es mit Leben zu füllen. Ein „Ohne Rücksicht auf Verluste“ wird es nicht geben.

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Die Herren Söder und Laschet machen sich für Geisterspiele stark. Wird da schon ums Kanzleramt gerungen?

Man kann es nie allen Recht machen. Und manchen kannst du gar nichts Recht machen. Es ist typisch Deutsch, dass hinter vielen Dingen und Überlegungen Hintergedanken vermutet werden. Ich blende das aus und gehe davon aus, dass Herr Söder und Herr Laschet das DFL-Konzept als tragfähig erachten. Ich bin froh über das positive Signal aus der Politik.

Ultra-Gruppierungen, darunter auch eine aus Ihrem Verein, lehnen Spiele ohne Fans rundweg ab. Was sagen Sie diesen Fans?


Dass ich sie verstehe. Keiner will Spiele ohne Fans. Aber wenn sieben, acht Vereine diese Krise nicht überstehen, ist auch keinem geholfen. Jetzt ist in allen Bereichen Kompromissbereitschaft gefragt, sollten Prinzipien beiseite gelegt werden.

Der Transfermarkt dürfte in Zeiten unklarer Bilder weniger frequentiert werden als gewohnt.

Wir haben einen überragenden Kader, könnten problemlos mit diesem Kader in die neue Saison gehen. Klar ist, dass wir keinen Spieler – falls er dann möchte – unter Wert verkaufen würden.

DURCHKLICKEN: Das sind die aktuellen RB-Marktwerte

<b>Peter Gulacsi:</b> 9,5 Mio Euro (-2,5 Mio Euro) Zur Galerie
Peter Gulacsi: 9,5 Mio Euro (-2,5 Mio Euro) ©

Das Aussitzen hätte im Fall von Dayot Upamecano zur Folge, dass er 2021 ablösefrei gehen könnte.

Danke für den Hinweis, aber wir kennen die Verträge und Laufzeiten unserer Spieler. Sie dürfen davon ausgehen, dass wir Gespräche führen werden, die zu aller Zufriedenheit ausgehen werden.

Der Bremer Milot Rashica soll ante portas stehen.

Ich habe ihn nicht gesehen. Auch nicht durch die Glastür.

RB Leipzig erstattet den Dauerkarten-Inhabern und VIP-Karten-Besitzern das Geld für die entgehenden Heimspiele. Das sind runde 2,5 Millionen Euro.

Wir erstatten das Geld, das stimmt. Es sei denn, jemand verzichtet freiwillig darauf. Viele Fans haben uns gebeten, dass Geld zu spenden. Wir haben den Fans entsprechende Einrichtungen und Institutionen genannt, bei denen ihre Spenden sehr gut aufgehoben sind.