20. August 2019 / 08:57 Uhr

RB Leipzigs Nachwuchs-Doppelspitze fordert "Fleiß, Einstellung und Zielstrebigkeit"

RB Leipzigs Nachwuchs-Doppelspitze fordert "Fleiß, Einstellung und Zielstrebigkeit"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs neue Nachwuchs-Doppelspitze: Christian Streit (l.) und Sebastian Kegel.
RB Leipzigs neue Nachwuchs-Doppelspitze: Christian Streit (l.) und Sebastian Kegel. © Dirk Knofe - Picturework.eu
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Seit Juli leiten Sebastian Kegel und der ehemalige Profi Christian Streit die Nachwuchs-Geschicke bei RB Leipzig. Mit dem SPORTBUZZER sprachen sie über die Stärken von Tom Krauß, ein verflossenes Top-Talent und die Fußstapfen von Frieder Schrof.

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Herr Kegel, Herr Streit. "Leiter Sport Nachwuchs" und "Leiter Akademie und Organisation Nachwuchs" – klingt abstrakt. Was machen Sie genau?

Kegel: Ich bin für den sportlichen Bereich hauptverantwortlich. In dieser Funktion bin ich Ansprechpartner bei Fragen, Problemen und versuche Unterstützung und Rückhalt zu geben. Darüber hinaus gehört die Kaderplanung der Teams zu meinen Aufgabenbereichen. Außerdem bin ich oft auf den Trainingsplätzen und beobachte Entwicklungen unserer Spieler. Auch das Training der Profis schaue ich mir an, um Rückschlüsse für unsere tägliche Arbeit zu ziehen. Denn bei meinem Job geht es auch um die Weiterentwicklung unserer Ausbildungs- und Spielidee.

Streit: Bei mir stehen insbesondere die organisatorischen Abläufe im Fokus. Dabei geht es vor allem um die administrative Verzahnung innerhalb des Nachwuchsbereiches. Wichtige Teile meiner Arbeit sind zudem die Budgetplanung, das Vertragswesen, die Lizenzierung und die damit einhergehende Kommunikation mit den kaufmännischen Bereichen des Clubs. Sebastian und ich stimmen uns natürlich fortlaufend über Prozesse, Projekte und Herausforderungen gemeinsam ab, zumal es gerade in der Weiterentwicklung und strategischen Ausrichtung viele Schnittstellen gibt.

Wie eng ist der Kontakt zum Profibereich?

Kegel: In der Vergangenheit hat bereits ein reger Austausch stattgefunden. Es gibt eine sehr enge Verbindung zum Sportdirektor sowie zum Trainerteam der Profis. Darüber hinaus sind ehemalige Nachwuchsmitarbeiter wie z.B. Robert Klauß, Fabian Friedrich oder Dominik Cegla nun in der 1. Mannschaft tätig.

Wie groß ist der Einfluss des langjährigen Nachwuchs-Leiters Frieder Schrof noch?

Streit: Der Abschied war aufgrund seines wohlverdienten Ruhestandes absehbar. Somit war der Übergang nicht abrupt und wir konnten uns über einen längeren Zeitraum darauf vorbereiten. Wir haben immer wieder Gespräche mit Frieder Schrof darüber geführt, was wichtig in der täglichen Arbeit ist. Es geht nicht um eine Revolution, sondern darum, auf der gemeinsam geschaffenen Basis, die vor allem er grandios und nachhaltig aufgebaut hat, die Zukunft zu gestalten.

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Was gibt es noch zu verbessern?

Kegel: Wir wollen den Jugendfußball und die Art und Weise, wie wir spielen, nachhaltig weiterentwickeln. Das soll bedeuten, dass wir Fußballspieler ausbilden, die mutig, abenteuerlustig agieren und eine aktive Spielerrolle einnehmen. Das heißt auch, dass wir Verständnis für unseren Weg und die damit verbundenen Notwendigkeiten bei unseren Talenten schaffen wollen. Erst wenn ein Spieler versteht, warum er diese Übung ausübt oder jene interne Vorgabe umsetzt, dann kann er sich mit Überzeugung bestmöglich weiterentwickeln. Das Ganze in Verbindung mit Fleiß, Einstellung und Zielstrebigkeit erhöht die Wahrscheinlichkeit auf sportlichen Erfolg. Erfolg bedeutet für uns, Spieler zu entwickeln, die später unseren Fußball und unsere Werte vertreten – egal in welcher Liga, im besten Fall natürlich in der Red-Bull-Arena.

Streit: Losgelöst vom sportlichen Erfolg wollen wir Persönlichkeiten herausbilden, die in der Lage sind, auch nach der Zeit bei RB Leipzig selbstbestimmt ihren eigenen Weg zu gehen – sei es sportlich, beruflich oder persönlich.

Das klingt nicht nach großen Veränderungen.

Kegel: Es sind kleine Stellschrauben, an denen gedreht werden muss. Wir legen einen noch stärkeren Fokus auf die individuelle Förderung. Diese Entwicklung, den Spieler und seine Bedürfnisse noch mehr in den Vordergrund zu rücken, hat schon vor ein oder zwei Jahren verstärkt begonnen. Außerdem haben wir festgestellt, Spieler am Ende ihrer Nachwuchsausbildung noch besser dabei unterstützen zu müssen, was der nächste richtige Schritt für sie sein könnte. Die große Hoffnung ist natürlich immer, dass wir viele Spieler vom Typ Tom Krauß ausbilden, der aktuell im Profi-Kader steht.

Lässt sich an ihm verdeutlichen, was ein Top-Nachwuchsspieler mitbringen muss?

Kegel: Es sind Beharrlichkeit, Kontinuität und Geduld, die Tom Krauß auszeichnen. Er ist nie nervös geworden und hat immer an sich geglaubt. Er hat eine extrem professionelle Einstellung – ist der Erste, der kommt und der Letzte, der geht. Tom saugt Inhalte auf, versucht diese schnell umzusetzen und ist dann auch in der Lage, das Erlernte anzuwenden.

Christian Streit (l.) ist als Leiter Sport Nachwuchs hauptverantwortlich für den sportlichen Bereich. Sein Kollege Sebastian Kegel nimmt als Leiter Akademie und Organisation Nachwuchs vor allem administrative und organisatorische Aufgaben wahr. 
Christian Streit (l.) ist als "Leiter Sport Nachwuchs" hauptverantwortlich für den sportlichen Bereich. Sein Kollege Sebastian Kegel nimmt als "Leiter Akademie und Organisation Nachwuchs" vor allem administrative und organisatorische Aufgaben wahr.  © Dirk Knofe - Picturework.eu
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Herr Streit, als ehemaliger Profi, war es früher leichter für den Nachwuchs?

Streit: Wenn wir die Zeit 20 Jahre zurückdrehen, war es eher schwieriger, besonders im Alter von 18, 19, 20, den Sprung in den Profibereich zu schaffen. Einerseits war die Absicht der Clubs, ausgebildete Spieler frühzeitig in den Profifußball zu integrieren, weniger ausgeprägt. Andererseits existierten noch keine Regularien wie zum Beispiel die Local-Player-Regelung. Auch die nachhaltige Talenteförderung gab es in dem Ausmaß noch nicht. Deshalb ist es heute, auch aufgrund der gewollten Integration von jungen Spielern, einfacher den Sprung nach oben zu schaffen. Allerdings ist natürlich auch die Konkurrenz an ebenso topausgebildeten Talenten deutlich größer geworden.

Social Media und Online-Spiele sind auch für Ihre Spieler wichtige Themen. Wie sorgen sie für verantwortungsvollen Umgang?

Kegel: Offenheit ist wichtig. Manche Dinge müssen sie einfach ausprobieren. Es ist wichtig, gemeinsam zu reflektieren, was einen wirklich voranbringt. Bin ich voll fokussiert, wenn ich vor dem Spiel ein Foto poste? Bin ich konzentriert, wenn ich vor dem Training zwei Stunden Playstation spiele? Wenn man gemeinsam mit den Spielern den Weg zur Selbsterkenntnis geht, merken sie, was leistungsmaximierend ist und was nicht.

Welche Unterstützung bekommen die Talente dabei?

Streit: Ein gutes Verhältnis zwischen Trainern und Spielern ist extrem wichtig. Dafür muss man die Spieler aber gut kennen. Es ist extrem von Vorteil, dass wir in allen Bereichen Spezialisten haben z.B. auch in der Pädagogik, Sportwissenschaft und der Sportpsychologie.

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Mit Nicolas Kühn von Ajax Amsterdam wurde ein ehemaliges RB-Talent kürzlich als bester deutscher U19-Nachwuchsspieler ausgezeichnet worden. War es ein Fehler, ihn ziehen zu lassen?

Streit: Zunächst einmal freuen wir uns, dass einer unserer ehemaligen Nachwuchsspieler ausgezeichnet wird.Nicolas Kühn ist schon seit einiger Zeit nicht mehr Spieler bei RB Leipzig. Damals wurde eine Entscheidung unter der Berücksichtigung vieler Faktoren getroffen und letztendlich dem Wunsch des Spielers und seinem Umfeld entsprochen. Dass er uns verlassen hat und zu Ajax gegangen ist, ist auch ein Stück weit normal im Fußball. Es ist nicht nur von uns abhängig, wie eine Spielerentwicklung oder ein Wechsel von Statten geht. Dazu gehören letztendlich immer mehrere Parteien.

Haben Sie seine sportliche Entwicklung so erwartet?

Kegel: Ich glaube schon, dass wir ihm den nächsten Schritt zugetraut haben, aber in der Nachwuchsarbeit gibt es nie eine Garantie. Entwicklungen sind nicht immer genau vorhersehbar. Ein Beispiel ist Frederik Jäkel. Man hätte in der U16 nicht unbedingt gedacht, dass er in der U19 so nah am Profibereich sein könnte. Deshalb braucht man Geduld und Beharrlichkeit. Nicolas Kühn hat letztendlich entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Aber es ist ja trotzdem positiv und passt zu unseren Zielen, dass sich Spieler auch bei einem anderen Verein so entwickeln.

Der U17-Preisträger der Fritz-Walter-Medaille, Karim Adeyemi, ist von Red Bull Salzburg zum FC Liefering ausgeliehen. Ist er einer für Leipzig?

Streit: Mit seinen fußballerischen Fähigkeiten würde er in jedes Nachwuchs-Leistungszentrum passen. Er hat für sich die Entscheidung getroffen, zu einem Verein zu wechseln, der nicht so weit weg von seiner Heimat ist.

Kegel: Er ist uns natürlich aufgefallen während er in Unterhaching gespielt hat. Allerdings stehen wir im Wettbewerb mit anderen Vereinen. Wenn sich ein Spieler für einen anderen Club entscheidet, ist das vollkommen in Ordnung und legitim.

Die U17 ist mit einer 0:1-Niederlage gegen Werder Bremen in die neue Saison gestartet. Die U19 hat Magdeburg mit 4:0 vom Platz gefegt. Zufrieden?

Kegel: Unsere U17 hat große Teile der Partie dominiert, viele Chancen kreiert und sehr mutig agiert. Am Ende ging das Spiel leider mit 0:1 verloren. Auch das gehört zu einer Entwicklung dazu.

Passt das zu Ihren Zielen?

Streit: Das übergeordnete Ziel ist, dass wir möglichst viele Spieler für den Profi-Bereich ausbilden, am besten natürlich für RB. Wenn wir dieses Ziel erreichen, fragt niemand nach Meistertiteln. Dennoch wollen wir die Spiele so erfolgreich wie möglich gestalten.

Kegel: Wir wollen mit der Art und Weise, wie wir Fußball spielen begeistern. Wenn uns das gelingt, sind wir der Überzeugung, dass sich der Erfolg einstellen wird. Erfolg bedeutet für uns aber auch, die Region zu stärken, Trainer und Spieler auszubilden und die Menschen zu begeistern. Wir wollen vorangehen und in gewisser Weise Vorbild sein.

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