22. Mai 2020 / 13:22 Uhr

Talente für die Profis gesucht: Neue Trainer und neues Konzept sollen RB Leipzigs Traum erfüllen

Talente für die Profis gesucht: Neue Trainer und neues Konzept sollen RB Leipzigs Traum erfüllen

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
In der Youth League lief es für RB Leipzig U19 gar nicht in dieser Saison. Das Team schied sang- und klanglos aus.
In der Youth League lief es für RB Leipzig U19 gar nicht in dieser Saison. Das Team schied sang- und klanglos aus. © Picture Point
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Die Abgänge von Alexander Blessin (U19) und Levent Sürme (U15) lösen bei den Junioren-Trainern von RB Leipzig ein Stühlerücken aus. Mit Corona-Sparmaßnahmen hätten die internen Lösungen aber nichts zu tun, sagt Nachwuchsakademie-Leiter Christian Streit. Das Ziel bleibt das alte: eigene Talente dauerhaft in den Profi-Kader hieven. 

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Leipzig. Auch RB Leipzig bleibt von den finanziellen Folgen der Corona-Pandemie nicht verschont. Laut Geschäftsführer Oliver Mintzlaff verzeichnet der Club unter anderem durch fehlende Zuschauereinnahmen ein Minus von 25 Millionen Euro. Beim Verpassen der Champions League würde das Defizit bis auf 60 Millionen Euro wachsen. Das hat schon jetzt Folgen: Streichung von Investitionen und Kampagnen, Einstellungsstopp beim Personal. Auch im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) wurde der Rotstift angesetzt.

Am Cottaweg setzt man im kommenden Jahr vor allem auf interne Lösungen. Für U19-Coach Alexander Blessin (kam 2012 zu RB) rückt Marco Kurth (bisher U17) nach oben. Kurths bisheriger Assistent Tim Krömer übernimmt die U17. Tom Stuckey (bisher U13) ersetzt in der U15 Levent Sürne, der wie Blessin den Club Ende Juni verlässt. Christian Hanne, einst Spieler beim 1. FC Lok und zuletzt RB-Scout, steigt zum „Assi“ von Alexander Portleroy in der U14 auf. Die U13 wird künftig von Dennis Bockelmann übernommen (bisher Co-Trainer U13).

Streit: Einstellungsstopp ohne Auswirkungen auf den Nachwuchs

Laut Christian Streit, Leiter Akademie und Nachwuchsorganisation, hat das Vorgehen aber nichts mit Sparmaßnahmen durch die Corona-Situation zu tun. „Wir bilden nicht nur Spieler, sondern auch Trainer aus. Das haben wir in den letzten Jahren bereits erfolgreich praktiziert. Von diesem Weg sind wir überzeugt.“ Robert Klauß, der heutige Assistent von Julian Nagelsmann, fingt einst als Assistent in der U14 der Rasenballer an. Danny Röhl war acht Jahre im RB-Nachwuchs tätig, er ist seit 2019 Co-Trainer beim FC Bayern München.

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Der Einstellungsstopp habe keine direkten Auswirkungen auf den Nachwuchsbereich gehabt, so Streit. Da man personell gut aufgestellt gewesen sei, hätte es „keinen wirklichen Anlass“ gegeben, zusätzlich neue Mitarbeiter einzustellen. Wo genau im NLZ gespart wird, teilte RB nicht mit.

U19-Talente ohne Spielminute

Klar ist dagegen: Die Verantwortlichen haben den Druck, endlich Nachwuchs-Kicker für den eigenen Bundesliga-Kader auszubilden, weiter erhöht. „Ich bin mit dem Nachwuchskonzept bis dato nicht so zufrieden. Der Output an Spielern im Verhältnis zum investierten Geld ist zu gering“, sagt RB-Geschäftführer Oliver Mintzlaff. Knapp 15 Millionen Euro fließen pro Jahr ins NLZ – mehr als im Ligadurchschnitt.

Man müsse aus den „Fehlern aus der Vergangenheit lernen“ forderte Mintzlaff. „Durch unsere schnellen Erfolgen war und ist der Abstand zur U19 extrem groß. Das minimiert die Chancen der Jungen, in den Männerkader zu kommen. Wir müssen festhalten, dass wir bei unserer Entwicklung den Nachwuchsbereich nicht im gleichen Tempo mitgezogen haben.“

25 Spieler haben es in den letzten drei Jahren aus dem RB-Nachwuchs in den Profi-Fußball geschafft. Laut „Transfermarkt.de“ ist Torwart Fabian Bredlow (VfB Stuttgart) der einzige Ex-Jungbulle mit Einsätzen in der ersten Bundesliga (13 für den 1. FC Nürnberg). Bredlow stieß allerdings erst 2012 zur U19 von RB, wurde nicht in Leipzig ausgebildet und drückte meist die Bank.

Unter Julian Nagelsmann hat 2019/20 kein Talent auch nur eine Spielminute gesehen. Aus der aktuellen U19 waren zuletzt mit Frederik Jäkel (Leipzig), Tom Krauß (Leipzig) und Fabrice Hartmann (Bitterfeld/Wolfen), dessen Vertrag trotz Kreuzbandrisses nun bis 2023 verlängerte wurde, drei Spieler aus der Region am nächsten an den Profis dran. Die Junioren-Nationalspieler sind mit Lizenzspielerverträgen ausgestattet, trainierten häufig beim Bundesliga-Team mit und standen vereinzelt auch im Kader. Ob sie tatsächlich eine Perspektive bei den Profis haben, ist ungewiss. Da die U23 vor drei Jahren abgeschafft wurde, gibt es keine interne Alternative für jene, die vor dem Sprung stehen, aber noch nicht gut genug sind. Eine Zwischenlösung könnten Leihgeschäfte sein.

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Neben der Verlängerung mit Hartmann statteten die Verantwortlichen auch Torhüter Tim Schreiber (18) und Angreifer Dennis Borkowski (18) mit ihren ersten Profiverträgen aus. Zudem soll der Spanier Hugo Novoa (17) ab Sommer bei den Profis trainieren. Es tut sich was bei den Nachwuchsbullen.

Neues Nachwuchskonzept

Dort wird sich ab dem kommenden Jahr ein bisschen was ändern. Profi-Sportdirektor Markus Krösche wurde von Mintzlaff angewiesen, die Konzeption im Nachwuchs zu überarbeiten. So soll in Zukunft unter anderem altersübergreifend trainiert werden, es soll für die Trainer mehr Freiheiten bei der Talententwicklung geben. Mannschaftstaktische Fragen sollen erst ab der U17 in den Vordergrund rücken. Das Ziel: mehr Kreativität und Fähigkeiten in den Spielern entwickeln. Nicht mehr die Ergebnisse am Wochenende sollen künftig das Maß aller Dinge sein, sondern die Entwicklung unter der Woche. Ein 0:3 der U19 gegen Kiel ist künftig kein Problem mehr? Man gibt sich mit Platz zehn zufrieden? Schwer vorstellbar.

Nach dem Ende der Ära um Frieder Schrof und dem 2017 verstorbenen Thomas Albeck arbeitet seit dem vergangenen Jahr die neue Nachwuchsleitung um Sebastian Kegel (Sport) und Christian Streit (Administration) am lang ersehnten Ziel bei RB: Eine Identifikationsfigur wie Thomas Müller – der es aus der Jugend des FC Bayern ganz nach oben geschafft hat – auch in Leipzig auf den Rasen zu bringen.