10. Juni 2021 / 19:50 Uhr

RB Leipzigs Nachwuchsleiter Kegel: "Oberstes Ziel – Jugend für die Profis ausbilden"

RB Leipzigs Nachwuchsleiter Kegel: "Oberstes Ziel – Jugend für die Profis ausbilden"

Frank Schober
Leipziger Volkszeitung
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Sebastian Kegel ist seit 2019 Leiter des Nachwuchszentrums von RB Leipzig. © LVZ
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DFB-Pokal, Youth-League, internationale Klasse auf dem Rasen: Sebastian Kegel ist seit 2019 Leiter des Nachwuchsleistungszentrums von RB Leipzig. Im SPORTBUZZER-Interview hat der 38-Jährige über bisher erreichte Ziele, die sportliche und persönliche Ausbildung von Profi-Spielern in spe und den Sprung ins Team der Roten Bullen gesprochen.

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Leipzig. Schon über zehn Jahre arbeitet Sebastian Kegel mit den Junioren RB Leipzigs zusammen. Seit 2019 begleitet er das Amt als Nachwuchsleiter an der Kaderschmiede am Cottaweg. Wegbereiter und Lehrmeister war Ex-Boss Frieder Schrof. Der 38-Jährige blickt mittlerweile auf 50 ehemalige Jugend-Kicker, die inzwischen europa- und weltweit im Profi-Bereich am Ball sind. Der 38-Jährige hat im SPORTBUZZER-Interview über die Entwicklung seiner Fußballer, nationale und internationale Klasse sowie Hürden auf dem Weg zum Profi-Dasein gesprochen.

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SPORTBUZZER: Wie schätzen Sie Ihre vergangenen drei Jahre als Leiter des Nachwuchsleistungszentrum ein?

Sebastian Kegel: Ich würde die Zeit in zwei Abschnitte von je eineinhalb Jahren gliedern. Bis Sommer 2019 habe ich eng an der Seite von Frieder Schrof gearbeitet und viel gelernt. Es ging mir darum, die Arbeit von Frieder Schrof und Thomas Albeck weiterzuführen. Ich konnte viele Dinge diskutieren und einführen. Zum Beispiel haben wir einen individuellen Plan für jeden Spieler eingeführt. Im zweiten Abschnitt wurde das dann für die gesamte Akademie umgesetzt. Der Sinn dahinter war, die Ausbildung von Persönlichkeiten voranzutreiben und zu unterstützen. Es war eine sehr spannende Zeit. Die sportliche Entwicklung ist auch positiv zu bewerten. Als absolutes Highlight kann ich den 2003-er Jahrgang nennen, den ich als Letztes in der U15 trainieren durfte. Vier Spieler aus dem Kader trainieren heute bei den Profis mit. Dies ist ja das oberste Ziel von RB Leipzig: Nachwuchsspieler für die Profimannschaft ausbilden. Weitere sportliche Highlights waren 2019 das U19 DFB-Pokal-Halbfinale, die Youth-League Saison mit der U19 und die Integration von vier internationalen Spielern in der Saison 2019/20. Ich schaue mit großer Zuversicht in die Zukunft.



Haben Sie noch Kontakt zu Frieder Schrof?

Wir haben per Telefon regelmäßig Kontakt. Als es noch möglich war, hat Frieder Schrof uns auch das ein oder andere Mal besucht. Ich weiß, dass wenn ich eine Frage habe, kann ich diese jederzeit an Frieder Schrof stellen, aber möchte ihm auch seine Ruhe gönnen.

Feierte 2013 mit der U15 den RB-Sieg im Landespokal: Coach Sebastian Kegel.
Feierte 2013 mit der U15 den RB-Sieg im Landespokal: Coach Sebastian Kegel. © GEPA pictures/ Sven Sonntag

Wie schätzen Sie die Entwicklung der vier internationalen Spieler genau ein?

Für uns sind sie ein totaler Gewinn, sowohl menschlich als auch sportlich. Es war das Ziel, die nationale Klasse mit internationaler Klasse zu verbinden und das ist uns gelungen. Unterschiedliche Kulturen, unterschiedliche Mentalitäten, auch unterschiedliche Herangehensweisen haben uns unheimlich vorangebracht. Sowohl die Spieler selbst, als auch den Verein. Wenn der niederländische U19-Nationaltrainer sagt, dass man seinen Spieler nicht wiedererkennt – natürlich im positiven Sinn – dann ist das eine tolle Bestätigung für uns und unsere Arbeit. Erste Belege für die Qualität der internationalen Spieler: Noah Ohio haben wir im Rahmen unseres Career Centers nach Arnheim in die 1. Niederländische Liga verliehen und Hugo Novoa hat einen festen Kaderplatz in unserem Profi-Team.

Zuletzt wurden in Medien immense Summen von monatlich 5.000 bis 10.000 Euro genannt, mit denen RB seine Juniorenspieler ködert. In der Spitze sollen die Gehälter bis 30.000 Euro betragen. Entsprechen diese Summen der Realität?

Nein, das entspricht aktuell ganz klar nicht der Realität. Auch wenn wir keine Zahlen kommentieren, müssen wir an dieser Stelle festhalten, dass sich die Entschädigungen im U19- und U17-Bereich grundsätzlich nicht in dem benannten Segment befinden, sondern sich im Durchschnitt deutlich darunter bewegen. Natürlich gibt es Ausnahmen wie zum Beispiel U19-Akteure mit Lizenzspielerverträgen, die vergleichlich anders vergütet werden.

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Wie hat sich die Coronakrise auf die Ausbildung der Jugendspieler ausgewirkt?

In der ersten Lockdown-Phase waren alle zu Hause und haben online unter Anleitung unserer Trainer trainiert. Neben dem Online-Krafttraining gab es Team- und Spieleabende. Der Kontakt war uns sehr wichtig. Parallel haben wir sehr intensiv an einem Hygienekonzept gearbeitet, sodass wir die Möglichkeit hatten, den Trainingsbetrieb wieder aufzunehmen als die Behörden grünes Licht gaben. Dabei ging es uns aber nicht um Schnelligkeit, sondern mehr um Exaktheit, weil die Gesundheit unser aller größtes Gut ist und das galt und gilt es immer zu beachten. Wir waren trotz oder auch aufgrund unserer Genauigkeit einer der ersten Vereine, die zurück zum Trainingsbetrieb kommen konnten. Wir haben auch die 50 Akademieplätze sehr gut genutzt. Spieler konnten sich auf ihren Zimmern umziehen und in der Kantine haben wir zum Beispiel verschiedene Essensslots eingeführt, sodass immer nur maximal 12 Spieler beim Essen waren. Wir haben weder unsere Spieler noch unsere Mitarbeiter einem Gesundheitsrisiko ausgesetzt.

Wie haben Sie sowie Ihre Junioren-Bundesliga-Spieler und deren Trainer den Saisonabbruch aufgenommen? Zumal ja im Handball weiter um die Deutsche Meisterschaft der A- und B-Jugend gespielt wird ….

Im länderspielübergreifenden Ligensystem gibt es unterschiedliche Verordnungen und Voraussetzungen für die teilnehmenden Vereine. Im Sinne eines fairen Wettbewerbs kann ich die Entscheidung des Abbruchs nachvollziehen. Anstelle des Ligabetriebs und mögliche Meisterschaftsendrunden vereinbaren wir Testspiele, können somit viel flexibler auf die aktuellen Bedingungen reagieren und Leistungsvergleiche auf ungefähr gleichen Trainingsstand durchführen.

Gibt es durch Corona für den 2003er Jahrgang größere Probleme, den Anschluss im Profibereich zu schaffen?

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Ich glaube nicht, da die Jungs gezielt an ihren Stärken und Schwächen arbeiten konnten. Ich bin voller Zuversicht, dass es keine größere Hürde geben wird, dass die Jungs trotz der Umstände, den nächsten Schritt bestmöglich gehen werden. Belege dafür sind auch, dass die Spieler selbst von einer sehr guten persönlichen Entwicklung sprechen.

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Wie schätzen Sie die Tatsache ein, dass bereits über 50 Spieler, die in der Jugend bei RB Leipzig gespielt haben, europa- und weltweit eine Chance im Profibereich erhalten haben?

Das macht mich froh und stolz, denn das sind im Schnitt fünf Spieler pro Jahr. Da kommt auch Gänsehaut bei mir auf, weil ich viele Spieler persönlich kenne. Es bleibt trotzdem absolutes Ziel, dass wir mehr Spieler für unsere Profimannschaft ausbilden. Und sollte die Profikarriere nicht gelingen, ist es uns in unserer Leistungsgesellschaft wichtig, dass viele Jungs sagen: „Es war eine schöne Zeit bei RB Leipzig und ich habe neben der fußballerischen auch eine sehr gute schulische und persönliche Ausbildung genossen.“

Was ist die größte Hürde, um bei RB den Durchbruch zu schaffen?

Die eine Hürde gibt es nicht. Es gibt mehrere Gründe, warum gegebenenfalls etwas nicht gelingt. Uns geht es stets darum, dass die Spieler ihr Potenzial maximal abrufen können. Wir müssen ständig unsere Ausbildung reflektieren und verbessern. Ich möchte gerne schnelle, mutige Spieler durch diesen Rahmen provozieren. Handlungsschnelligkeit, Umgang mit Drucksituationen, Kommunikation mit Spielern und Trainern, das sind alles Ausbildungsschwerpunkte, die wichtig sind. Aber auch, was passiert neben dem Platz: wie ernähre ich mich? Wie regeneriere ich am besten? Wie kann ich bei jedem Training fit sein? Wie kann ich mich in den Vordergrund spielen? Wichtig ist, dass unsere Spieler selbstbewusst, mutig und kommunikativ sind. Ohne dass ich da ein Dogma setze, dass es der ruhigere Spieler nicht schafft.

Wie kommen Sie mit dem Arbeitspensum zurecht?

Meine Familie unterstützt mich und ich finde eine gute Balance. Es ist wichtig, dass ich immer erreichbar bin. Trotzdem fühle ich mich sehr wohl in meiner Rolle als Familienmensch und als Fußballbegeisterter

Was sind Ihre Erwartungen für die Zukunft der RB-Akademie?

Wir werden den eingeschlagenen Weg weiter gehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir noch mehr Spiele in unserer Red-Bull-Arena mit von RB Leipzig ausgebildeten Spielern sehen werden. Und ich hoffe, dass jeder bei uns seine persönlichen Ziele erreicht und dass alle gesund bleiben.

Mit Simon Hillinger

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