19. März 2018 / 11:35 Uhr

RB Leipzig: Neue Taktik, Werners Kaltschnäuzigkeit und Belohnung für den Bayernsieg 

RB Leipzig: Neue Taktik, Werners Kaltschnäuzigkeit und Belohnung für den Bayernsieg 

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Leipziger Freudentaumel nach dem Sieg gegen Bayern München
Leipziger Freudentaumel nach dem Sieg gegen Bayern München © Stuart Franklin/Bongarts/Getty Images
Anzeige

RB Leipzig meldet sich mit dem Sieg gegen Bayern im Rennen um die Champions-League-Plätze zurück. Dank einer kurzfristig einstudierten Taktik und dem Siegtreffer von Timo Werner. Einziger Wermutstropfen ist die erneute Verletzung von Marcel Sabitzer.

Es gibt Tage, da passt einfach alles zusammen. Für RB Leipzig war es am Sonntag gegen die Übermannschaft aus München im fünften Anlauf endlich so weit. Trotz der kurzen Pause nach dem Einzug ins Viertelfinale der Europa League lieferte das Team von Trainer Ralph Hasenhüttl beim 2:1-Sieg gegen den bereits enteilten Tabellenführer der Bundesliga die beste Leistung der Saison ab. So ausgelassen hatte man den Vizemeister lange nicht mehr jubeln sehen. Sportdirektor Ralf Rangnick herzte in den Katakomben des heimischen Stadions jeden Spieler persönlich. Immerhin hatte der Gastgeber den Bayern die erste Niederlage nach 18 Pflichtspielen zugefügt.

Anzeige

DURCHKLICKEN: Bilder vom Sieg gegen Bayern am 18. März 2018

Endlich hat es geklappt: RB Leipzig bezwingt Rekordmeister FC Bayern München in der proppevollen Red-Bull-Arena mit 2:1. Zur Galerie
Endlich hat es geklappt: RB Leipzig bezwingt Rekordmeister FC Bayern München in der proppevollen Red-Bull-Arena mit 2:1. © Getty Images

Mit einer neuen Grundordnung im 3-4-3 hatte der RB-Coach genau die richtige Herangehensweise gegen den Rekordmeister gewählt. „Wir haben 70 Minuten einfach Vollgas-Pressing gespielt und die Bayern kaum zur Entfaltung kommen lassen“, freute sich Diego Demme. Dabei hatten sowohl Jupp Heynckes als auch Ralph Hasenhüttl, die Trainer der zwei letzten verbliebenen Bundesligisten im europäischen Wettbewerb, nach den internationalen Auftritten in der Woche gleich auf sechs Positionen rotiert. Während die Leipziger die frischen Kräfte nutzten, um mit wahnsinnigem Tempo Druck auszuüben, wirkten die Münchner behäbig, bekamen keinen Zugriff auf den blitzschnellen Leipziger Kombinationsfußball.

Neues Dreiergespann in der Abwehr

Der Mut des RB-Coachs, den taktischen Schachzug mit nur in einer Trainingseinheit nach dem Euro-League-Spiel in St. Petersburg sowie zwei Videoanalysen durchzuziehen, ging auf. Hasenhüttl erklärte: „Die große Frage war, verunsichern wir die Jungs damit, oder helfen wir ihnen, gegen eine Mannschaft etwas zu holen, gegen die wir bisher noch nichts geholt haben?“ Die Dreierkette mit Ibrahima Konate, Stefan Ilsanker und Dayot Upamecano ließ gegen die Bayern kaum etwas zu. „Ich habe mich deswegen für diese drei entschieden, weil sie am Mann meine stärksten Spieler sind und sehr unangenehm“, sagte Hasenhüttl.

Anzeige

DURCHKLICKEN: Die RB-Elf gegen Bayern in der Einzelkritik

(32) Peter Gulacsi: Lässt nur einen rein gegen die Bayern - das ist eine 1! Zur Galerie
(32) Peter Gulacsi: Lässt nur einen rein gegen die Bayern - das ist eine 1! ©

Wie es der Zufall so wollte, bracht die frühe Einwechslung von Timo Werner für den verletzten Marcel Sabitzer noch einmal extra Schwung ins Leipziger Team. So kaltschnäuzig wie der 22-Jährige beim Siegtreffer zum 2:1 am Ball agierte, hat man den Nationalspieler lange nicht gesehen. Nach 534 torlosen Minuten war die Durstrecke in der Bundesliga für den Stürmer endlich vorbei. Werner sagte: „Wir haben gezeigt, was wir in der Lage sind zu leisten."

Keine Verstimmungen zwischen Trainer und Chefetage?

Dank der erfolgreichen Woche mit dem Erreichen des Viertelfinals in der Europa League sowie dem Sieg gegen den FC Bayern München schwebt der Vizemeister vor dem Schlussspurt der Saison wieder auf Wolke sieben. Der Abstand auf einen Champions-League-Platz beträgt nur noch zwei Punkte. Angesprochen auf die Kritik von Hasenhüttl, der Druck auf die junge Mannschaft von außen vor allem mit dem Ziel sich erneut für die Königklasse zu qualifizieren, sei zu groß, entgegnete Geschäftsführer Oliver Mintzlaff am Sonntag: „Ziel heißt nicht gleich Pflicht. Wir wollen Spaß und eine sorgenfreie Saison haben. Daher ist zwischen Trainer und mir, sowie Trainer und Sportdirektor alles wunderbar.“

Mehr zum Spiel RB Leipzig gegen Bayern München

DURCHKLICKEN: So kommentiert die Presse den RB-Sieg

Welt: Denn die vermeintliche B-Elf der Leipziger stellte München 2 vor große Probleme, offenbarte allein Schwächen im Torabschluss. Sven Ulreich parierte zweimal gegen Yussuf Poulsen (14.), Werner blieb mit seinem Schuss zu unplatziert (19.), ebenso Bruma sieben Minuten danach. Zur Galerie
Welt: "Denn die vermeintliche B-Elf der Leipziger stellte München 2 vor große Probleme, offenbarte allein Schwächen im Torabschluss. Sven Ulreich parierte zweimal gegen Yussuf Poulsen (14.), Werner blieb mit seinem Schuss zu unplatziert (19.), ebenso Bruma sieben Minuten danach." ©

Als Belohnung für den historischen ersten Sieg gegen die Bayern bekam die Mannschaft zu Beginn der Länderspielpause zwei Tage frei. Viele RB-Spieler profitieren davon aber nicht, ein Großteil ist bereits am Montag zu den Nationalmannschaften gereist. Bitter für Marcel Sabitzer: Der Österreichischer muss zu Hause bleiben, hat sich in der Anfangsphase gegen die Bayern einen Bänderriss im rechten Sprunggelenk zugezogen. Es ist bereits die zweite Verletzung des 24-Jährigen in dieser Spielzeit. Ende des vergangenen Jahres fiel Sabitzer wegen einer ausgekugelten Schulter für fünf Partien aus. Wie lange er nun fehlt ist noch ungewiss.