22. Juni 2018 / 20:41 Uhr

RB Leipzig rennt die Zeit davon

RB Leipzig rennt die Zeit davon

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Hoffenheims Erfolgstrainer Julian Nagelsmann geht 2019 zu RB Leipzig. Doch wer übernimmt den Cheftrainerposten bis dahin?
Hoffenheims Erfolgstrainer Julian Nagelsmann geht 2019 zu RB Leipzig. Doch wer übernimmt den Cheftrainerposten bis dahin? © dpa/Ronald Wittek
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Mit Julian Nagelsmann ist RB Leipzig ein echter Transfercoup gelungen. Doch der „Übergangscoach“ für die neue Saison ist genauso wichtig. Die Zeit bis zum Trainingsstart ist knapp, die Optionen sind überschaubar.

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Bei der 0:4-Klatsche im Dezember in Hoffenheim könnte RB Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick auf folgende Idee gekommen sein: Julian Nagelsmann schlägt meine Mannschaft mit ihren eigenen Waffen – der wäre irgendwann auch einer für uns. Als die TSG die Rasenballer in der Rückrunde im eigenen Stadion mit 5:2 erneut demontierte, damit als einziges Team der Bundesliga zweimal in der vergangenen Saison gegen RB gewann, reifte beim Sportdirektor bestimmt die Überzeugung – dieser junge Mann muss in naher Zukunft unser Trainer werden.

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Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. Zur Galerie
Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. © Getty Images

Der Coup ist ihm gemeinsam mit Geschäftsführer Oliver Mintzlaff gelungen. Kein Wunder, dass Nagelsmann bei allen Topclubs des Fußballoberhauses sowie bei Champions-League-Triple-Sieger Real Madrid gehandelt wurde. Der jüngste aller Bundesligatrainer besitzt eine top Bilanz: Seit seinem Amtsantritt im Februar 2016 holte er mit Hoffenheim satte 140 Punkte – nur Borussia Dortmund (152) und der FC Bayern (201) waren erfolgreicher.

So spektakulär die Verpflichtung auch sein mag – die entscheidende Personalie für die neue Saison, wer sitzt bis 2019 bei RB Leipzig auf der Trainerbank, ist weiterhin ungeklärt. Doch diese ist genauso wichtig, wenn die besten RB-Fußballer bleiben und ihrem künftigen Coach die Champions League sichern sollen. Wer für ein Jahr übernimmt sei noch offen, heißt es von Seiten des Vereins. Sonst hätte RB Leipzig gemeinsam mit der Erfolgsmeldung Nagelsmann gleich den Übergangstrainer präsentiert. Zwei Wochen bleiben bis zum Trainingsstart. Die Zeit rennt davon, folgendes ist möglich:

Die Akte Nagelsmann

3. April 2016: Nach einer strittigen Szene wirft der damalige Köln-Manager Jörg Schmadtke (l.) sein Kaugummi auf Nagelsmann. Dafür musste Schmadtke 8.000€ Strafe zahlen. Am 27. Oktober des gleichen Jahres wurde Nagelsmann mit einer Packung Kaugummis beschenkt (unten im Bild). Zur Galerie
3. April 2016: Nach einer strittigen Szene wirft der damalige Köln-Manager Jörg Schmadtke (l.) sein Kaugummi auf Nagelsmann. Dafür musste Schmadtke 8.000€ Strafe zahlen. Am 27. Oktober des gleichen Jahres wurde Nagelsmann mit einer Packung Kaugummis beschenkt (unten im Bild). ©

Option 1:

Ralf Rangnick stellt sich erneut der Doppelbelastung als Sportdirektor und Trainer, bastelt noch an einem starken Team um sich herum. Neben dem bisherigen U19-Coach Robert Klauß, der dem Stab angehören soll, sind jede Menge Posten zu besetzen. Der des Co-Trainers (Zsolt Löw), des Psychologen (Sascha Lense), des Athletiktrainers (Niklas Dietrich) und auch des Videoanalysten Danny Röhl, der den Verein nach LVZ-Informationen ebenfalls verlässt.

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Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. Zur Galerie
Ralf Rangnick übernimmt zum zweiten Mal den RB-Trainerposten. ©

Option 2:

Julian Nagelsmann kommt früher - ein Schelm wer böses dabei denkt, dass die RB-Verantwortlichen die Personalie bereits so früh kommunizieren wollten. Ob Hoffenheims Mäzen Dietmar Hopp mit einem Trainer in die Saison gehen will, dessen Abschied besiegelt ist, bleibt abzuwarten. Schließlich wird die Nachfolgerdiskussion die TSG ein komplettes Jahr lang begleiten. Fraglich ist auch, wie die Hoffenheimer Mannschaft die Botschaft aufnimmt. Die Kraichgauer starten am 1. Juli, eine Woche vor RBL, in die Saisonvorbereitung.

Option 3:

Jesse Marsch kommt von den New York Red Bulls, denn er kennt die Spielphilosophie. Dass er den Cheftrainerposten allein übernimmt, ist allerdings unwahrscheinlich. Marsch spricht nur englisch. RB Leipzig legte bisher stets großen Wert auf einen deutschsprachigen Trainer. Eine Kombination mit Rangnick wäre möglich.

Mehr News zu RB Leipzig

Seit der Trennung von Ralph Hasenhüttl Mitte Mai, also fünf Wochen, waren die Verantwortlichen von RB Leipzig dran, den Deal mit Nagelsmann einzufädeln. Angeblich gab es vorher keine Gespräche mit dem jungen Coach. Dass Rangnick und Mintzlaff den Vertrag mit Hasenhüttl nicht verlängern wollten, sei unabhängig von der Personalie entschieden worden, heißt es. Doch warum haben sich die Verantwortlichen dann nach der Trennung mit dem Österreicher nicht der Öffentlichkeit gestellt und die Vorgänge nachvollziehbar kommuniziert?

Wusste Hasenhüttl von seinem Nachfolger und wollte seinen Vertrag auch deshalb nicht bis zum Ende erfüllen? Auf eine Anfrage der LVZ reagierte der 50-Jährige am Freitag nicht. Klar ist allerdings: Nagelsmann und Hasenhüttl schätzen sich sehr. „Ich bin ein Bewunderer seiner Arbeit“, sagte der Österreicher im April vor dem Rückspiel gegen Hoffenheim über seinen Kollegen. Zudem pflegen die beiden privaten Kontakt. Der 30-jährige Nagelsmann hätte sich in den vergangenen Tagen bei seinem Vorgänger über den künftigen Arbeitgeber erkundigen können. Ob er es getan hat oder nicht: Seine Unterschrift unter einem Vierjahresvertrag bei RB Leipzig steht.