10. April 2019 / 09:20 Uhr

Vom Stammspieler zum Bankdrücker: RB Leipzigs Saracchi in der Krise

Vom Stammspieler zum Bankdrücker: RB Leipzigs Saracchi in der Krise

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Kommt derzeit nicht weg von der Bank: Marcelo Saracchi.
Kommt derzeit nicht weg von der Bank: Marcelo Saracchi. © Picture Point
Anzeige

Seine letzten sechs Einsatz-Minuten sind nicht nur gefühlt ewig her. Der Uruguayer in Diensten von RB Leipzig hat seinen Stammplatz an Marcel Halstenberg verloren. Er ist nicht das einzige Sorgenkind im Kader von Ralf Rangnick.

Anzeige
Anzeige

Leipzig. RB Leipzig steht beginnend mit dem Ostersamstag die letzte englische Woche der Saison 2018/2019 ins Haus. In der neuen Saison hagelt es englische Wochen. Die Europa League ist kaum noch zu verhindern, die Champions League greifbar nah. Und auch im Pokal will man weit kommen. 2019/2020 wird der qualitativ und quantitativ top besetzte Kader in vollem Umfang gebraucht. Aktuell staut es sich dagegen an der Tür zur ersten Elf, gucken viele hochbegabte Profis in die Rücklichter der Stammkräfte, pendeln zwischen Mini-Einsätzen, Ersatzbank und Tribüne.

Auf dem Weg zum Publikumsliebling jäh gestoppt

Die ewige Zuguckerei – schlägt aufs Gemüt. Das ewige Warten nervt. Wettkampf-Abstinenz macht den Sportler nicht besser. Und, nein, heutzutage kann man sich nicht via altdeutscher Blutgrätsche beim Üben ins Team treten. Egomanische Finsterlinge mögen sie nicht bei RB. Auf der Schattenseite des Fußballer-Lebens befinden sich bei den Roten Bullen einige Klasse-Spieler. Der portugiesische Nationalspieler Bruma, 24, spielt selten bis nie. Der französische U21-Nationalspieler Jean-Kevin Augustin, 21, spielt noch seltener als Bruma. Beide beschäftigen sich intensiv mit ihrer Zukunft, die eher weniger in Leipzig liegen dürfte.

Mehr zu RB

Und da wäre ja noch der uruguayische Nationalspieler Marcelo Saracchi. Der 20-jährige Jungvater spielt vornehmlich mit Söhnchen Bastian. Ansonsten ist er noch seltener als Augustin im Einsatz, nämlich gar nicht. Beziehungsweise gar nicht mehr. Es gab Zeiten, da war eine erste RB-Elf ohne den Sommer-Neuzugang von River Plate undenkbar. Saracchi beackerte die linke Seite, lief sich in der Europa-League-Quali, Europa League und Bundesliga einen Wolf, war auf geradem Weg zum Publikumsliebling. Nur wenn es gar nicht anders ging und vermutlicherweise kein Ungemach vom Gegner drohte, ließ Rangnick das Mate-Tee trinkende Energiebündel draußen.

Das war so am 19. August 2018 in der DFB-Pokal-Erstrundenpartie beim Viertligisten Viktoria Köln. Es war heiß in Köln, sehr heiß, die Roten Bullen trabten gemächlich übers Feld, lechzten nach Schatten, lagen zur Pause 0:1 hinten. Rangnick brachte Saracchi. Der Uru ging ab wie ein Zäpfchen, sorgte federführend für die Wende, verhinderte zwei Gegentore, flog im Rettungseinsatz kurz vorm Ende vom Platz. Als Vater des Weiterkommens. Nur mal so: Wenn Saracchi an jenem 19. August nicht gewesen wäre, müsste man sich jetzt keine Sorgen um ein Halbfinal-Ticket fürs HSV-Spiel machen.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zum Spiel in Köln

Kölns Maskottchen Viktor nimmt vor dem Spiel einen kräftigen Schluck. Zur Galerie
Kölns Maskottchen Viktor nimmt vor dem Spiel einen kräftigen Schluck. ©
Anzeige
LESENSWERT

Steht der Stolz im Weg?

Saracchi war ein Faktor, war gesetzt und glücklich. Das alles änderte sich Ende September mit dem Comeback Marcel Halstenbergs. Der spielte nach achtmonatiger Verletzungspause groß auf, eroberte sich seine Linksverteidiger-Position zurück. Saracchi (acht Ligaspiele, 562 Minuten) kam zum letzten Mal am 8. Dezember zum Einsatz. Sechs Minuten kurz, beim 0:3 in Freiburg.

Rangnick sagt, dass er regelmäßig mit Saracchi redet. „Er ist ein guter Kerl und in der Mannschaft beliebt, aber manchmal obsiegt bei ihm das Herz und die Emotion.“ Dann lasse er den Latino raushängen. Wenn der raushängt, trainiert der stolze Südamerikaner nicht gut. Man könnte auch sagen: schlecht. Rangnick: „Da lässt er sich seine Enttäuschung zu sehr anmerken.“

Bei den Fans war Marcelo Saracchi vom Fleck weg beliebt.
Bei den Fans war Marcelo Saracchi vom Fleck weg beliebt. © Getty Images

Wer nicht gut trainiert und übellaunig aus der Trikotage guckt, hat keine Chance auf Einsätze. Dabei wäre Rangnick froh, wenn er dem stark beanspruchten Halstenberg eine Pause gönnen könnte. Die dazu notwendigen Argumente muss Saracchi liefern. Beim Spiel in Leverkusen stand er nicht mal im Kader.

Doch es gibt Hoffnung. Rangnicks nahezu göttlicher Nachfolger Julian Nagelsmann ist ein Freund der Dreier-Abwehrkette. In diesem System könnte Saracchi die Position vor Halstenberg bekleiden. Wobei es auch Nagelsmann durchaus schätzt, wenn man lustvoll trainiert und eben nichts raushängen lässt.

ANZEIGE: Hoodie und T-Shirt mit deinem Vereinsnamen! Der Deal of the week im SPORTBUZZER-Shop.

Die aktuellen TOP-THEMEN
Anzeige
Sport aus Leipzig
Sport aus aller Welt