21. Januar 2022 / 06:53 Uhr

Scharfe Kritik von RB Leipzig und SC DHfK an Stufenplan: „Die Politik hat ihr Wort nicht gehalten“

Scharfe Kritik von RB Leipzig und SC DHfK an Stufenplan: „Die Politik hat ihr Wort nicht gehalten“

Tilman Kortenhaus / Antje Henselin-Rudolph
RedaktionsNetzwerk Deutschland
RB Leipzig und der SC DHfK sind unzufrieden mit dem sächsischen Stufenplan.
RB Leipzig und der SC DHfK sind unzufrieden mit dem sächsischen Stufenplan. © dpa/Christian Modla/SPORTBUZZER-Montage
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Weder beim Fußball- noch beim Handball-Bundesligisten ist man zufrieden mit dem von der sächsischen Landesregierung vorgelegten Stufenplan. Sie prangern vor allem die strenge Zuschauerbegrenzung an, die sich auch bei einer besser werdenden Pandemielage für die Vereine nicht ausreichend verändert.

Leipzig. Wie traurig kann eine Kulisse eigentlich sein? Wer sich Fotos vom DFB-Pokal-Achtelfinale zwischen RB Leipzig und Hansa Rostock vom Mittwochabend anschaut, der weiß: sehr traurig. Die 1000 erlaubten Anwesenden in einem Stadion für mehr als 45 .000 wirkten wie ein Bierdeckel, der einen ganzen Esstisch abdecken soll. Logisch, dass die Verantwortlichen von RB diesen Zustand rasch ändern wollen – aus wirtschaftlichen Gründen (Geisterspiele und Partien vor Mini-Kulisse können spieltägliche Verluste im siebenstelligen Bereich bedeuten), aus Wettbewerbsgründen.

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Abstand von 2G oder 2G-Plus

Doch daraus wird noch eine ganze Weile nichts. Denn der Stufenplan, den Sachsens Landesregierung am Dienstag vorlegte, sieht für Großveranstaltungen mit mehr als 5000 Besucherinnen und Besuchern eine Vollauslastung unter 3G-Bedingungen erst bei einer Sieben-Tages-Inzidenz von weniger als 100 vor. Gestern lag der Wert bei 299,9, Tendenz stark steigend. Nicht die einzige bittere Pille. Ein Wegfall aller Beschränkungen ist gar nicht vorgesehen. Auch bei einer Inzidenz unter 35 hätten nur Geimpfte, Genesene oder negativ Getestete Zutritt.

Der sächsische Stufenplan, vorgelegt von der Landesregierung am 18. Januar 2022.<br>* Grundsatz: 2G+ - auch vollständig geimpft + geboostert sowie vollständig geimpft + genesen.<br>** Unterliegt einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung entsprechend der Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Der sächsische Stufenplan, vorgelegt von der Landesregierung am 18. Januar 2022.
* Grundsatz: 2G+ - auch vollständig geimpft + geboostert sowie vollständig geimpft + genesen.
** Unterliegt einer regelmäßigen Überprüfung und Anpassung entsprechend der Entwicklungen und wissenschaftlichen Erkenntnisse. © LVZ

Für RB Leipzig ist das alles ein Unding. „Schritte zurück zur Normalität und das Gewöhnen an ein „Leben mit dem Virus“ beinhaltet der vorgelegte Stufen-Öffnungsplan der Landesregierung sicher nicht.“ Man müsse schon die grundsätzliche Frage stellen, „warum von 2G oder 2G-Plus wieder Abstand genommen werden soll, obwohl man Menschen in Aussicht gestellt hat, mehr Freiheit, mehr Rechte und schlichtweg mehr Normalität zurückzuerhalten, wenn sie sich impfen und boostern lassen“, hieß es seitens des Vereins. „Wir fordern die Landesregierung dazu auf, Lösungen zu erarbeiten, die einen Betrieb mit deutlich mehr als den derzeit zugelassenen 1000 Zuschauern ermöglichen – unter Einhaltung der 3G-, 2G- oder 2G-Plus-Regularien, je nach vorherrschender Hospitalisierungsrate.“

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Eigener Plan der „Initiative Teamsport Sachsen“

An diesem Punkt setzt auch Karsten Günther an. Der Geschäftsführer des Handball-Bundesligisten SC DHfK Leipzig findet ebenfalls deutliche Worte. „Mich haben Inhalt und Kommunikation dieses Stufenplans erschrocken“, so der 40-Jährige, der ausführt: „Nachdem es in der Vergangenheit mehrfach die Zusage gab, dass solche Szenarien künftig mit denjenigen vorab besprochen werden, die sie dann auch umsetzen müssen, ärgert mich diese Kommunikation der Regierung extrem. Wir sind erneut überhaupt nicht mitgenommen worden. Die Politik hat ihr Wort nicht gehalten.“

Der Handball-Manager hofft, dass die Alleingänge der Regierung aufhören und endlich eine regelmäßige Rücksprache mit den Sportvereinen entsteht. Die fehlende Kommunikation sei aber längst nicht das einzige Problem. „Auch inhaltlich können wir mit dem Stufenplan so natürlich überhaupt nicht mitgehen“, betont Günther. „Wir haben die Inzidenz als Bezugsgröße vor Monaten abgeschafft. Ich kann mir nicht erklären, warum dieser Stufenplan jetzt wieder damit arbeitet, anstatt weiter die Belastung des medizinischen Sektors als Bezugsgröße zu verwenden“, kritisiert der DHfK-Chef, der klarstellt: „Wir hatten extra eine Vorwarn- und eine Überlastungsstufe etabliert und plötzlich orientieren wir uns wieder an Inzidenzen, die in den gleichen Schritten geplant wurden, wie vor einem Jahr, obwohl wir damals noch keine Impfungen, keine Booster und eine völlig andere Ausgangs- und Informationslage hatten. Das ist so nicht hinnehmbar.“

Günther ist im „Nebenjob“ Sprecher der „Initiative Teamsport Sachsen“. Zu der gehören neben RB und dem SC DHfK auf Clubs wie der 1. FC Lok, die BSG Chemie, der HC Leipzig, Dynamo Dresden oder der FC Erzgebirge Aue. Die Initiative will nicht auf die Landesregierung warten, arbeitet an einem eigenen Stufenplan. Der soll in der kommenden Woche vorgestellt werden. Was dort drinstehen wird, verriet Günther gestern nicht. RB teilte immerhin mit, das Papier werde sich auf Regularien beziehen, „die vor Kurzem noch in Sachsen Gültigkeit hatten und nun leider keine Berücksichtigung mehr gefunden haben.“