25. Juli 2020 / 09:28 Uhr

RB-Leipzig-Sportdirektor Markus Krösche: „Nicht als Touristen nach Lissabon“

RB-Leipzig-Sportdirektor Markus Krösche: „Nicht als Touristen nach Lissabon“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche hat derzeit gut lachen.
Leipzigs Sportdirektor Markus Krösche hat derzeit gut lachen. © GEPA Pictures
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RB-Sportdirektor Markus Krösche spricht im SPORTBUZZER-Interview mit Guido Schäfer über die kräftezehrende erste Saison in Leipzig, die aktuelle Kadersituation und das bevorstehende Champions-League-Viertelfinale gegen Atlético Madrid.

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Markus Krösche ist noch zarte 39 und hat sein erstes Jahr im Haifischbecken Bundesliga hinter sich. Der Sportdirektor von RB Leipzig treibt nicht mit dem Kiel nach oben umeinand, hat Biss bewiesen. Der Ex-Paderborner Krösche über Jahre, die Hundejahre sind, aber auch Spaß bereiten, den Schuhschrank seiner Gattin, Fußball in Zeiten von Corona, die Zockerei um den Bremer Milot Rashica, die ausbaufähige Zahlungsmoral von Leeds United, die Quasi-Neuzugänge Amadou Haidara und Ademola Lookman sowie die Aussichten im Champions-League-Viertelfinale gegen Atlético Madrid am 13. August (21 Uhr) in Lissabon.

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SPORTBUZZER: Das DFL-Konzept in Sachen Corona hat gegriffen, die Saison konnte sportlich und in puncto TV-Gelder gerettet werden. Zufrieden, froh und glücklich?

Markus Krösche (39): Die DFL hat einen sensationellen Job gemacht, die 41 Seiten des Konzepts wurden zurecht zur Blaupause für andere Top-Ligen. Die Vorgaben waren das eine, die Umsetzung stand auf einem anderen Papier. Fast alle Beteiligten waren sich bei ihrer Verantwortung bewusst und haben das Ganze mit Leben gefüllt und extreme Einschnitte hingenommen.

DURCHKLICKEN: Das 3:0 gegen Tottenham

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CHAMPIONS-LEAGUE-VIERTELFINALE! RB Leipzig zieht durch ein ungefährdetes 3:0 über die Tottenham Hotspur in die Runde der letzten Acht ein. ©

Es gab eine nicht unwesentliche Fraktion, die sich mit Händen und Füßen gegen die Fortsetzung der Saison gewehrt hat. Überrascht von diesem Gegenwind?

Wir sind ein freies Land, jeder darf seine Meinung sagen. Manche Redebeiträge waren allerdings gekennzeichnet von Unkenntnis und Polemik. Da haben einige die große Bühne Profifußball genutzt, um sich zu profilieren. Der Profifußball ist ein Wirtschaftszweig, der wie viele andere auch, nach Wegen aus der Krise gesucht hat. Daran ist nichts verwerflich.

Die RB-Stars und die Führungskräfte verzichten bis zum Jahresende auf Geld. Muss Ihre Gattin bis auf Weiteres getragene Schuhe auftragen?

Meine Frau ist keine Schuh-Fetischistin, sie müssen sich um uns keine Sorgen machen (lacht). Dass uns die Corona-Krise als Verein viel Geld gekostet hat und kosten wird, ist klar. Viele Unternehmen haben mit geschrumpften Budgets zu kämpfen, auch wir.

Da kämen die 21 Millionen Euro aus Leeds gerade recht. Wann schlagen die langen Scheine für Jean-Kévin Augustin auf?

Lieber heute als morgen. Die rechtliche Lage ist klar.

Augustins Situation ist ...

... natürlich keine schöne. Mir tut er unendlich leid. Er ist ein klasse Fußballer. Wenn er fit ist.

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Wann endet das Gezerre um Herrn Rashica? Laut Werder haben auch andere Klubs den Hut in den Ring geworfen.

Milot ist ein sehr interessanter Spieler. Aber es gibt auch andere interessante Fußballer.

Patrik Schick und Angeliño ...

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... würden beide sehr gerne bei uns bleiben.

Und Sie sind ganz bestimmt in guten Gesprächen mit Rom und Manchester.

Sie sagen es.

Amadou Haidara war in Augsburg bester Mann, Ademola Lookman ist nur noch Trainingsweltmeister. Was erwarten Sie von Ihren Edel-Reservisten?

Dass sie Gas geben und zeigen, was sie können. Beide sind glänzende Fußballer mit gutem Charakter und dem gewissen Etwas. Ich bin mir sicher, dass sie ihr Potenzial noch nicht ausgeschöpft haben und bei uns den nächsten Schritt gehen können.

Dayot Upamecano bleibt Ihnen erhalten und wird im Sommer 2021 nicht ablösefrei gehen. Steile These?

Wenn er irgendwann gehen sollte, wollen wir ihn natürlich nicht ablösefrei verlieren.

Dino Toppmöller ist zum Trainerteam gestoßen. Heißt das im Umkehrschluss, dass sich Moritz Volz beruflich verändert?

Wir spielen ab September alle drei Tage. Dino stößt zum Trainerteam hinzu. Er hat in Düdelingen sensationelle Arbeit geleistet, spricht perfekt Französisch, passt super zu uns. Natürlich werden sich dadurch einige Aufgabenbereiche etwas verschieben.

Jetzt! Durchklicken: Die Bilder vom Trainingsauftakt von RB Leipzig am Cottaweg.

Am Mittwoch hat RB Leipzig als erstes Bundesliga-Team vor der neuen Saison das Mannschaftstraining aufgenommen. Zur Galerie
Am Mittwoch hat RB Leipzig als erstes Bundesliga-Team vor der neuen Saison das Mannschaftstraining aufgenommen. ©

Was geht eigentlich gegen Atlético, Herr Krösche?

In einem Spiel kann alles passieren. Auch gegen eine Weltklasse-Mannschaft wie Atlético. Warum sollten wir uns kleiner machen als wir sind? Wir fahren nicht als Touristen nach Lissabon, wollen gewinnen.

Wie blicken Sie auf Ihr erstes Jahr bei RB Leipzig?

RB steht natürlich mehr im Blick der Öffentlichkeit als Paderborn. Es war extrem intensiv, hat bei allem Stress aber auch Spaß gemacht. Meine eigenen sportlichen Aktivitäten gehen leider gegen null, ich war auch schon schlanker (lacht). Wir haben unser großes Ziel Champions League erreicht, wissen aber, dass wir ein paar Punkte liegengelassen haben.

20 000 Fans könnten in Pandemie-Zeiten in die RB-Arena pilgern. Besser als nichts?

Das ist viel besser als nichts und wäre ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Normalität. Ohne Fans fehlt das Salz in der Suppe.