19. März 2021 / 07:07 Uhr

RB Leipzigs Keeper Peter Gulacsi verrät: "Diese Parade bleibt für immer"

RB Leipzigs Keeper Peter Gulacsi verrät: "Diese Parade bleibt für immer"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Großer Rückhalt: Peter Gulacsi ist bei RB Leipzig nicht wegzudenken.
Großer Rückhalt: Peter Gulacsi ist bei RB Leipzig nicht wegzudenken. © IMAGO/motivio
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Er ist einer der besten Schlussmänner Europas. Seine Leistungen wecken Begehrlichkeiten bei anderen Clubs. RB Leipzigs Keeper Peter Gulacsi spricht im SPORTBUZZER-Interview über eine Rettungstat von bleibendem Wert, das anstehende Spiel gegen Arminia Bielefeld und seine Vertragssituation.

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Leipzig. Sein erstes Mal für die Profis von RB Leipzig datiert vom 27. Oktober 2015 in Unterhaching und geht so: Bayerischer Viertligist knockt sächsischen Zweitligisten im DFB-Pokal 3:0 aus. 214 Pflichtspiele später ist Peter Gulacsi einer der besten Torhüter Europas, will seinen in Österreich errungenen Titeln (Meister und Pokalsieger 2015) hierzulande Werthaltiges folgen lassen. Gulacsi (30) hat mit dem SPORTBUZZER über Flugeinlagen, die Balance zwischen Job und Familie, das Spiel in Bielefeld (Freitag, 20.30 Uhr) und die Aussichten auf seinen Verbleib bei den Roten Bullen gesprochen.

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SPORTBUZZER: Erinnern Sie sich an alle Details Ihres Debüts anno 2015?

Peter Gulacsi (30): Ungern. Wir waren nicht gut, sind verdient ausgeschieden. Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass wir im März 2021 vier Punkte hinter den Bayern stehen und bereits im Champions-League-Halbfinale und Pokal-Finale standen, hätte ich den nur fragend angeguckt.



Am 25. Oktober 2017 hallten beim 4:5 im Pokal gegen die Bayern erstmals Gulacsi-Sprechchöre durch die Red-Bull-Arena. Haben Sie sich an diesem Tag aus dem Schatten von Fabio Coltorti gelöst?

Fabio war bei RB eine Legende, ein Held. Und das bleibt er für die Fans auch zurecht immer. Ich habe und hatte größten Respekt vor ihm als Torhüter und Mensch. Es war schwer, ein solches Erbe anzutreten. Dieser Tag war besonders für meine Frau und mich. Wir hatten einen langen Weg hinter uns, fühlten uns angekommen. In einer wunderbaren Stadt und bei einem tollen Verein. Diana hatte auf der Tribüne Tränen in den Augen.

Würden Sie zustimmen, dass Sie in der Form Ihres Lebens sind?

Das ist meine bisher stärkste Saison. Wir arbeiten top nach hinten, ich bekomme nicht super viel zu tun, muss in entscheidenden Situationen aber da sein. Gegen Manchester war das so, in Stuttgart und gegen Leverkusen auch. Ich kann und muss noch besser werden, bin nie zufrieden. Bei uns ist keiner zufrieden, alle wollen mehr. Das zeichnet diesen Club aus.

Gibt es Rettungstaten, von denen Sie irgendwann ihrem Sohn erzählen?

Man kann sich als Torhüter nicht so viele Glücksmomente wie ein Stürmer holen, aber das 3:2 gegen Manchester United und dieser Big Save, diese Parade am Ende, bleibt für immer.

Sie sind kein spektakulärer Flieger.

Wenn es sein muss, fliege ich, wenn nicht, nicht. Wenn eine Aktion unspektakulär aussieht, kann sehr viel mehr dahinterstecken. Wer sehr oft fliegt, muss über sich nachdenken. Die richtige Positionierung ist elementar wichtig. Und dann geht es darum, schnelle und gute Entscheidungen zu treffen. Gehe ich raus, bleibe ich auf der Linie, greife ich über, mache ich einen Zwischenschritt – das Torwartspiel ist extrem komplex. Zusammen mit unserem Torwart-Trainer Frederik Gößling arbeite ich jeden Tag an den Details. Oberstes Ziel sind saubere und konstant fehlerfreie Spiele. Als Keeper, in der Spieleröffnung, in der Kommunikation mit den Teamkollegen.

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Wie hat man sich die tägliche Arbeit vorzustellen?

Frederik und ich probieren viel Neues aus, lassen nie Langeweile aufkommen. Ein Muskel braucht ja auch neue Reize, um leistungsfähiger zu werden. Es geht auch um die Balance zwischen Belastung und Regeneration. Fußball ist Fußball und Familie ist Familie. Man muss abschalten können.

Ihre Vorbilder sind?

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Pepe Reina, Edwin van der Sar und Petr Čech.

Das Bielefeld-Spiel ist Ihr 45. Pflichtspiel in dieser Saison. Denken Sie sich zuweilen rein in Ihre Reserve-Torhüter?

Ich kann nachempfinden, wie es der Nummer zwei oder drei geht, habe das selbst erlebt. Ich freue mich, dass ich alle drei Wettbewerbe spielen darf. Wenn die Trainer anders entschieden hätten, hätte ich das auch respektiert und akzeptiert.

Nach der Länderspielpause kommt es zum Showdown gegen die Bayern. Ist das schon Thema?

Nullkommanull. Wir müssen auf Bielefeld fokussiert sein, wollen gewinnen, die Bayern ein bisschen unter Druck setzen.

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RB ist aus der Champions League ausgeschieden. Ein Vorteil im Titelrennen?

Nein, ich wäre lieber noch dabei.

Die Chancen im Pokal stehen besser als die in der Liga, oder?

Wir sind in beiden Wettbewerben gut dabei, wollen immer das Maximum. Das Pokalfinale 2019 war ein großartiges Erlebnis, da wollen wir wieder hin.

Arminia Bielefeld gegen RB Leipzig: Die Gegner im Check

Ihr Vertrag läuft 2023 aus, im Sommer könnten Sie via Ausstiegsklausel wechseln. Wie ist der Stand der Dinge?

Ich schätze RB sehr, weiß, welche Möglichkeiten mir dieser Club eröffnet hat und eröffnet, bin dafür sehr dankbar. Mein Vertrag läuft noch zwei Jahre, ich will noch einige Jahre auf Top-Niveau in einer Top-Liga spielen.

Der Königsweg lautet demnach: Vertrag bis 2025 oder 2026 verlängern, Herr Gulacsi.

Unser Königsweg hat momentan ausschließlich mit der Fokussierung auf die Spiele zu tun. Wir haben große Ziele. Danach wird man zum gegebenen Zeitpunkt miteinander über die Zukunft sprechen.