30. Juli 2019 / 18:09 Uhr

RB Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann: „Good luck, Jungs, reicht nicht“

RB Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann: „Good luck, Jungs, reicht nicht“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Coach Julian Nagelsmann beim Trainer-Kongress in Kassel.
RB Leipzigs Coach Julian Nagelsmann beim Trainer-Kongress in Kassel. © Andreas Fischer
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Der RB-Coach Julian Nagelsmann glänzt als Star-Redner beim Trainer-Kongress in Kassel

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Kassel. Die Zeiten der brillanten Bundestag-Redner a la Willy Brand, Franz-Josef Strauß oder Joschka Fischer vorbei. Das Gros der Vortragenden hängt am Manuskript/Tropf. Verwässert provoziert Fragen. Hat das Ablesen nur mit Talentfreiheit zu tun oder sieht Er/Sie die Rede in der Bütt zum ersten Mal?

Wer auf freie Reden voller Inbrunst steht ist beim Internationalen Trainer-Kongress (ITK) richtig. Diesbezüglicher Star der 62. Ausgabe im Kongress-Palais Kassel: Julian Nagelsmann. Der Cheftrainer der Roten Bullen referierte vor über 800 Stars und Sternchen der Trainer-Szene zum Thema „Dynamiken beeinflussen im Bundesligaspiel“. Nagelsmann, just 32 Jahre geworden, redete 45 Minuten lang aus. Ohne Zettelwirtschaft, ohne Souffleurkasten. Aus der Lamäng. Lohn: Applaus, Applaus, Applaus von Größen wie Alexander Zorniger, Tamasz Bodog, Frank Engel, Sandro Schwarz, Stefan Reuter, Christian Wörns, Wolfgang Rolff, Bernd Schuster, Ewald Lienen und Dragoslav Stepanovic. Ex-VfB-Leipzig-Coach Stepi, 70, beim Mittagessen: „Wenn des mit dem Nachelsmann net klappt, komm‘ ich zurück.“

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Julian Nagelsmann als Redner beim Internationalen Trainer-Kongress in Kassel. Zur Galerie
Julian Nagelsmann als Redner beim Internationalen Trainer-Kongress in Kassel. ©
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Offensives Zentrum suchen

Die Botschaften und Errungenschaften des wie immer vom Bund Deutscher Fußball-Lehrer BDFL top organisierten ITK sind eine Art Regierungserklärung. Wo steht der deutsche Fußball im europäischen Vergleich? An welchen Stellen rollt er, wo walzt er?

Nagelsmann öffnete in Kassel das Nähkästchen, sprach über ...

... die Auswahl seiner Spieler und die Dynamiken, die er im Vorfeld beeinflussen will. Ganz wichtig: „Die athletische Ausbildung.“ Wer nicht schnell und um Ecken rennen kann, war keiner für Hoffenheim, ist keiner für RB.

Nagelsmann über Prinzipien-Treue und Handlungsmuster: Offensive Spieler haben das offensive Zentrum zu suchen, defensive Spieler die Räume für Pässe in die Tiefe zuzumachen.

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„Manchmal braucht es einen Mentalitätswechsel“

Über den Matchplan und die Einordnung des Gegners: Ist er besser, gleichwertig, schlechter? „Wie und mit welchem Kader spielt man bei ManCity und wie und mit wem daheim gegen Augsburg?“ Fall eins: Mit sieben, acht defensiv denkenden Fußballern. Fall zwei: Mit sieben, acht offensiv denkenden.

Über das Coachen im Wortsinn, das Erkennen, Wahrnehmen und Entscheiden im Spiel: „Das ist die Königsdisziplin“, so Nagelsmann. Einflussnahme? Jede Menge. „Wir nehmen Wechsel vor, greifen zu einer anderen Grundordnung, Pressingart oder Pressingzone.“ Möglich auch: „Änderung der Ballbesitzzeiten, tiefer stehen“ - und mit langen Sprints nach vorne kommen.

Über taktische und emotionale Wechsel: „Manchmal ist die Taktik nicht das Problem, manchmal braucht es einen Mentalitätswechsel.“ Und einen Spieler, der polarisiert, aneckt. Beim Schiri, beim Gegner, beim Zuschauer. In Hoffenheim war das einer, „der jetzt in Fernost spielt“. Rammbock Sandro Wagner.

BDFL-Präsident Lutz Hangartner, BDFL-Vizepräsident Dirk Reimöller, Julian Nagelsmann, Daniel Niedzkowski, Markus Weise und BDFL-Vizepräsident Oliver Höner.
BDFL-Präsident Lutz Hangartner, BDFL-Vizepräsident Dirk Reimöller, Julian Nagelsmann, Daniel Niedzkowski, Markus Weise und BDFL-Vizepräsident Oliver Höner. © Henkel

Beschleuniger auf der Bank

Über seine Leitlinien: „Wir wollen mutig und selbstbewusst spielen, offensiv und attraktiv. Und das muss ich vorleben.“

Über die Fans im Stadion: „Die haben extremen Einfluss, wir wollen das nutzen.“ Mit begeisterndem Fußball. Auch auswärts. „Wenn es im gegnerischen Stadion ruhiger wird, ist das schön...“

Über Einwechslungen, die keine Auswechslungen sind: „Eine Einwechslung ist in erster Linie eine Einwechslung und keine Auswechslung.“ Heißt: Nagelsmannn sucht nicht die Bremse im Spiel, sondern den Beschleuniger auf seiner Bank. Und er wechselt im Fall der Fälle vergleichsweise früh. Mutig eben. Und lebensbejahend.

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Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. Zur Galerie
Tino Vogel trainiert die Roten Bullen in der Saison 2009/10. © Getty Images

Wiedersehen mit Zorniger

Nagelmanns Mantra: Unterstütze und beschütze deine Spieler. „Good luck, boys, reicht nicht.“ Im Zweifel gilt: „Macht das, was ich euch sage.“

Grund: „Ein Trainer macht sich mehr Gedanken über das Spiel, weiß mehr, verantwortet mehr. Und wenn das Coachen mal in die Hose geht, Herr Nagelsmann? „Dann sage ich, was ich gemacht habe, war scheiße. Entscheiden und reflektieren - das ist ein fortlaufender Prozess.“

Und sonst so? „Wir haben tabellarische und inhaltliche Ziele, wollen nicht unerfolgreicher als in den letzten Jahren sein.“

Wiedersehen: RB-Aufstiegsheld Alexander Zorniger, 51, und Leipzigs Trainer-Ikone Frank Engel, 68, sprachen beim Klassentreffen nicht nur über alte und neue Zeiten. Zorniger verlängerte in Kassel seine Fußball-Lehrer-Lizenz, Engel referierte formvollendet zum Thema Belastungssteuerung.

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