28. April 2017 / 09:34 Uhr

RB-Leipzig-Ultras kritisieren Mateschitz

RB-Leipzig-Ultras kritisieren Mateschitz

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Chef von Red Bull, Dietrich Mateschitz, auf der Tribüne in Leipzig
Oberbürgermeister Burkhard Jung und der Chef von Red Bull, Dietrich Mateschitz, auf der Tribüne in Leipzig © dpa
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Beim Spiel auf Schalke hatten die Red Aces mit dem Schriftzug „Der Mäzen des autoritärsten Vereins, welch Witz, nennt sich selbst einen Pluralist“ erstmals ihren Unmut geäußert.

Leipzig. Erst kam das Banner, dann die schriftliche Abrechnung. Die RB-Fangruppierung Red Aces hat scharfe Kritik an Red-Bull-Chef Dietrich Mateschitz geäußert. Der Österreicher hatte im Interview mit der „Kleinen Zeitung“ Fehlentscheidungen in der österreichischen Asylpolitik bemängelt, die Arbeit von Flüchtlingshelfern schlecht geredet, ein angebliches Meinungsdiktat beklagt und US-Präsident Donald Trump verteidigt. „Akzeptanz für fremdenfeindliche und reaktionäre Positionen, mit denen Mateschitz im Interview nicht sparsam umgeht, scheinen der heilen Welt der Roten Bullen innewohnend zu sein“, schreiben die Fans in ihrem Blog. Mateschitz kritisiere in „AfD-Manier die nicht frühzeitig erfolgte Grenzschließung“, heißt es weiter. Den Red-Bull-Sender „Servus TV“ bezeichnen die Fans als „augenscheinlichen Haus-und-Hof-Sender der FPÖ“, der Rechtsextremen eine Plattform biete.

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Beim Spiel auf Schalke hatten die Red Aces mit dem Schriftzug „Der Mäzen des autoritärsten Vereins, welch Witz, nennt sich selbst einen Pluralist“ erstmals ihren Unmut geäußert. Die Fans streiten mit aufwendigen Choreografien, Fangesängen und Spruchbändern für eine bunte, tolerante und selbstbestimmte Fankurve sowie für mehr Mitbestimmung bei RB. Sie engagieren sich ferner in der Flüchtlingshilfe sowie im Bündnis „Rasenball gegen Rassismus“. In der Vergangenheit waren sie wegen ihrer kritischen Haltung schon mal beim Verein und anderen Fans angeeckt.

Kapitulation wäre zu einfach

Nach ihrer Stellungnahme legten ihnen Dutzende RB-Anhänger auf Facebook nahe, sich doch einen neuen Club zu suchen, wenn ihnen die Meinung von Mateschitz und sein Engagement in Leipzig nicht passe. Mehrfach wurde gefordert, politische Aussagen komplett aus dem Stadion zu verbannen. Allerdings bekennt selbst der DFB im Rahmen von Länderspielen immer wieder Farbe gegen Rassismus und Gewalt, auch RB Leipzig beteiligt sich an solchen Kampagnen. „RB ist bekannt für seine vielfältige Fankultur und Meinungsfreiheit. Dennoch werden wir Banner mit politischen Aussagen im Stadion nicht genehmigen, dafür sind ein Stadion und Fußballspiel nicht gedacht“, teilte Geschäftsführer Oliver Mintzlaff mit. Nach seiner Einschätzung werde dieses Vorgehen auch vom Großteil der Anhänger geschätzt. Zu der aktuellen Kritik an Mateschitz gab es vom Club keine Reaktion. Der Vertreter eines offiziellen Fanclubs teilte mit, das Thema werde in der Fanszene „sehr kontrovers“ diskutiert.

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Laut Medienberichten plant der Österreicher nun die Gründung einer Medienplattform, die dem angeblich vorherrschenden „Meinungsdiktat“ etwas entgegensetzen soll. Die Mateschitz-Kritiker kündigten unterdessen an, ihre Ideale weiterhin ins Stadion tragen zu wollen. „Kapitulation wäre zu einfach. Wir bleiben“, schreiben die Red Aces.

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