07. April 2022 / 07:43 Uhr

RB Leipzig und Atalanta Bergamo: Neue Lust auf die Europa League

RB Leipzig und Atalanta Bergamo: Neue Lust auf die Europa League

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Gian Piero Gasperini und Domenico Tedesco haben in der Europa League noch viel vor.
Gian Piero Gasperini und Domenico Tedesco haben in der Europa League noch viel vor. © Getty Images / Montage
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Die Roten Bullen bestreiten am Donnerstag (18.45 Uhr) ihr erstes Europa-League-Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo. Die Gäste aus Italien gelten als auswärtsstark, spielen sehr körperlich, sind sehr fit. „Doch die Top-Vier wären eine gute Geschichte für den Verein“, gibt Trainer Tedesco die Marschrichtung für seine Mannschaft vor. 

Leipzig. Bevor wir zum nervenzerfetzenden Europa-League-Match der wild entschlossenen Roten Bullen gegen die muskelbepackt-grimmigen Männer von Atalanta Bergamo kommen (18.45 Uhr, RTL+), lohnt eine historische Einordnung. Die Europa League hieß früher UEFA-Cup, schlüpfte 1971 und kürte 1972 den ersten Sieger: Tottenham Hotspur. Seit 2009 firmiert das Ganze unter UEFA Europa League. Der FC Sevilla ist mit sechs Finalsiegen Rekordgewinner, der aktuelle Titelträger heißt FC Villarreal und misst sich just mit Bayern München in der Champions League. Die Spanier, in der Vorsaison Siebter in La Liga, profitieren von einer Aufwertung der Europa League, die 2015 in Kraft trat. Seitdem freut sich der Sieger der Europa League über einen Startplatz in der Königsklasse.

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Rangnick fürchtete Streuverluste

Deutsche Gewinner in der Europa League: Null. Bestes Abschneiden bis dato: Frankfurt schaffte es im Mai 2019 bis ins Halbfinale, schied unglücklich gegen Chelsea London aus. RB Leipzig in der Europa League: Am 12. April 2018 kam das Aus im Viertelfinale nach einem 2:5 in Marseille, am 13. Dezember 2018 bedeutete ein schales 1:1 gegen Trondheim schon in der Gruppenphase das Ende. Der damalige RB-Coach Ralf Rangnick legte keinen gesteigerten Wert auf die Europa League, fürchtete Streuverluste, die sich aufs Kerngeschäft Bundesliga und DFB-Pokal auswirken.

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Bei wechselhaftem Wetter trainierte RB Leipzig am 6. April 2022 in Vorbereitung auf das erste Europa-League-Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo. Zur Galerie
Bei wechselhaftem Wetter trainierte RB Leipzig am 6. April 2022 in Vorbereitung auf das erste Europa-League-Viertelfinale gegen Atalanta Bergamo. ©

Zeiten (und Kader-Qualitäten/Quantitäten) ändern sich, Rangnicks Nachnachnachfolger Domenico Tedesco ist heiß auf Leverkusen-Bezwinger Bergamo, auf die Europa League, will ins Halbfinale, ins Finale und am 18. Mai in Sevilla liebend gerne den 15 kg schweren Pokal heben.

Der Weg ins Endspiel ist steinig und schwer, die finanzielle Kosten-Nutzen-Rechnung bereitet erst ab dem Halbfinale Freude. Außerdem entspannen die RB-Konkurrenten Freiburg und Hoffenheim auf der Couch, während Leipzig hart ran muss. Das alles interessiert Tedesco nicht. „Wir freuen uns, das ist wichtig für uns, top Vier wäre eine gute Geschichte für den Verein“, sagt der Deutsch-Italiener vor seinem ersten Pflichtspiel gegen ein Team aus seiner Heimat. Im Team ist diese Botschaft angekommen. „Bei uns hat jeder Bock auf die Europa League, zumal in der K.o.-Phase fast nur Mannschaften dabei sind, auf die man auch in der Champions League treffen könnte“, sagte Verteidiger Lukas Klostermann vor dem ersten Aufeinandertreffen mit Bergamo dem Kicker. "Ich habe überhaupt nicht das Gefühl, dass bei uns jemand den Wettbewerb als Last empfindet. Vielmehr ist es eine geile Möglichkeit, einen Titel zu gewinnen."

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Atalanta spielt sehr körperlich

So ähnlich wird das allerdings auch auf Seiten des Gegners gesehen. "Es gab lange keinen italienischen Sieger im Wettbewerb", meinte Atalanta-Coach Gian Piero Gasperini am Vorabend des Duells. "Neben uns befinden sich nur noch der AS Rom im europäischen Wettbewerb (Conference League, d. Red.). Wir wollen die italienische Serie A bestmöglich vertreten. Wir müssen nicht unbedingt gewinnen, aber das Halbfinale ist erst einmal ein gutes Ziel."

Ein unbeschriebenes Blatt ist Bergamo weder im Allgemeinen, noch für Domenico Tedesco im Besonderen. „Ich verfolge die Serie A von klein auf.“ Vor seinem RB-Engagement hatte er sich mit Massimiliano Allegri, Coach von Juventus Turin getroffen, war bei mehreren Spielen live dabei, auch mit Bergamo-Beteiligung. „Die Stadien sind älter, aber es riecht alles nach Fußball.” Das Stadion in Bergamo? Klein, aber fein und stimmungsvoll, so Tedesco. Nicht zu vergessen: Das Stadion-Wurstbrötchen ist top und hat dem asketischen Fortbildungsreisenden auch nachts um halb zwölf gemundet. Und sonst so? „Das ist eine Mannschaft, die sehr körperlich und sehr fit ist.“ Und in allen Lauf-Statistiken in Italien dominiert. „Das ist eine sehr harte Nuss für uns.”

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Herangehensweise vor rund 37 000 Fans in der Red-Bull-Arena? „Nicht die Geduld verlieren, nicht zu hungrig sein. Atalanta ist extrem auswärtsstark“, erinnert der Coach an Bergamo-Siege in Liverpool und in Amsterdam.

Zu größeren Umbauarbeiten besteht nach dem 4:1 in Dortmund kein Anlass. Benny Henrichs ist gesundet, könnte Nordi Mukiele ablösen. Der blitzschnelle Lukas Klostermann ist in der Innenverteidigung Alternative zum schnellen Mo Simakan. Und Emil Forsberg oder Dominik Szobozlai könnten als verkappte Neuner statt André Silva stürmen.

Mit: ahr

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