23. September 2020 / 22:25 Uhr

RB Leipzig und der Fall Augustin: "Da steht ein Spieler dahinter"

RB Leipzig und der Fall Augustin: "Da steht ein Spieler dahinter"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Markus Krösche
RB-Sportdirektor Markus Krösche hat noch einige Transfer-Baustellen zu beackern. © dpa
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Der Fall Jean-Kevin Augustin zieht sich für RB Leipzig immer weiter in die Länge. Der Premier-League-Klub Leeds United will nicht für den Stürmer zahlen, obwohl die Rechtslage eindeutig ist. Die Roten Bullen gehen rechtlich gegen die Engländer vor. Sportdirektor Markus Krösche erinnerte am Mittwoch daran, dass der Leidtragende der Spieler selbst sei, den man nicht vergessen dürfe.

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Leipzig. Mit der Verpflichtung von Alexander Sörloth hat RB Leipzig eine personelle "Dauer-Baustelle" geschlossen. Bei einer anderen ist die Lage unverändert. Noch immer gibt es keine Lösung im Fall Jean-Kévin Augustin. Der Stürmer ist weder hier noch dort. Mit „dort“ ist eigentlich Leeds United gemeint. Die Engländer hatten den 23-Jährigen im Januar von RB ausgeliehen. Zum Vertrag gehörte auch eine Kaufoption über 21 Millionen Euro, für den Fall, dass Leeds der Aufstieg in die Premier League gelingt. Genau dieser Fall trat im Sommer ein. Dennoch ging bis dato kein Geld auf dem Konto der Roten Bullen eingegangen. Statt dessen verkündete Leeds, sich nicht mehr an die Vereinbarung gebunden zu fühlen, weil die Saison in England aufgrund der Corona-Pandemie erst nach dem 30. Juni und damit nach dem Auslaufen der Leihe endete.

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Nur 44 Minuten Einsatzzeit bei Leeds

RB Leipzig geht inzwischen juristisch gegen den englischen Klub vor. In einer Pressekonferenz am Mittwoch konnte Sportdirektor Markus Krösche keine neuen Informationen zum Stand geben. „Die Rechtslage ist eindeutig. Da sind unsere Anwälte dran. Sie sind entsprechend auf dem weiteren Stand.“ Auf SPORTBUZZER-Anfrage erklärte Sportrechtler Rico Kauerhof vor Kurzem, warum sich RB im Recht fühlt. „Nach dem Rechtsprinzip der ergänzenden Vertragsauslegung fragt man sich, wie die Parteien den Vertrag gestaltet hätten, wenn sie den unvorhergesehen Umstand, in diesem Fall die Verlängerung der Saison in England, bei Vertragsschluss gekannt hätten“, so Kauerhof. „Die Auslegung ergibt eindeutig, dass Leeds den Spieler bei einem Aufstieg bezahlen muss.“ Maßgeblich sei die Abschlusstabelle, unabhängig vom Zeitpunkt.

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Warum die Engländer dennoch nicht zahlen wollen? Unklar! Nicht unwahrscheinlich, dass Augustins magere sportliche Bilanz eine Rolle spielt. Denn auf mehr als 44 Minuten Einsatzzeit brachte er es auf der Insel nicht. Die Gründe für das Verhalten von Leeds könne er schlecht beurteilen, sagte Markus Krösche. "Als damals die Verträge geschlossen wurden, waren alle bei Bewusstsein und bei klarem Verstand. Die Dinge sind eindeutig."

Augustin "ein feiner Junge"

Derjenige, der in dieser Auseinandersetzung tatsächlich auf der Streck zu bleiben droht, ist Jean-Kevin Augustin. Denn der ist quasi heimatlos. Leeds will ihn nicht, RB kann ihn aber auch nicht am Cottaweg aufnehmen. Denn ließen die RB-Verantwortlichen ihn auch nur mittrainieren, würden sie damit nahelegen, dass sie den Stürmer wieder als Leipziger Profi sehen. Also hängt der 23-Jährige bis auf Weiteres in der Luft. Eine Tatsache, die Markus Krösche nicht schmeckt. "Da steht ein Spieler dahinter", erinnerte er. Augustin sein "ein feiner Junge, der leider jetzt hier in eine Situation gekommen ist, die man keinem wünscht." Deshalb hoffe er, dass sich eine schnelle Lösung der Problematik findet. Glaubt man seinem Instagram-Kanal hält sich der Franzose aktuell in Paris auf und dort privat fit.

Auf die Nachfrage, ob eine Rückkehr Augustins nach Leipzig ausgeschlossen sei, schüttelte der Sportdirektor den Kopf. Er betonte noch einmal die klare Rechtslage. Man müsse nun abwarten, wie sich die Situation entwickelt.