19. August 2017 / 06:21 Uhr

RB Leipzig und die Champions League: "Wäre widersinnig, sich über Mehrfachbelastung zu beschweren"

RB Leipzig und die Champions League: "Wäre widersinnig, sich über Mehrfachbelastung zu beschweren"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Ralf Rangnick
Ralf Rangnick spricht im großen Interview unter anderem über die Neuzugänge und die Champions League. © imago
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Ralf Rangnick, Sportdirektor der Messestädter, spricht im großen Interview vor dem Bundesliga-Start über Neuzugänge, Königsklasse, Schalke und Waschbärbesuch.

Leipzig. In den ersten Jahren seines Wirkens als Roter Bulle ist Ralf Rangnick Vielflieger. Der Sportdirektor der Salzburger und Leipziger Fußballer jettet von 2012 bis 2015 zwischen Salzburg, Leipzig und Backnang hin und her. Am Anfang ist die Schmach von Düdelingen und die Bratwurst von Piesteritz. Später wird es sexier und Rangnick vom britischen Fachmagazin FourFourTwo zum besten Fußball-Manager 2016/2017 gewählt. Sogar Waschbären sind begeistert und nisten sich in Rangnicks Refugium im Waldstraßenviertel ein. Rangnick, 59, über den Saisonstart bei seinem Ex-Verein Schalke (Sonnabend, 18.30 Uhr, die Champions-League-Auslosung am 24. August in Monaco, den Lernprozess der Neuzugänge, seinen 2019 auslaufenden Vertrag und einen runden Geburtstag.

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Ihr Cheftrainer Ralph Hasenhüttl wurde am 9. August 50. Was haben Sie ihm geschenkt?

Das müssen Sie ihn schon selber fragen.

Die Wünsche zum 50. dürfen Sie aber verraten.

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Dass es Ralph und uns bei RB Leipzig weiter so viel Spaß macht, an der eigenen Entwicklung und der des Clubs zu arbeiten. Der Faktor Erfolg spielt dabei natürlich auch eine Rolle.

Der Umgang mit Erfolg ist eine Königsdisziplin. Kann RB auch das?

Ich erkenne keine anderweitigen Anzeichen. Wir haben eine überragende Saison hingelegt und gehen in unsere erst zweite Saison als Bundesligist. Uns ist bewusst, dass es auch schwierige Phasen geben kann.

Freiburg ist Siebter geworden, Stuttgart und Hannover sind wieder oben, Es gibt keine typischen Abstiegsaspiranten mehr.

Ich habe immer gesagt, dass der Wettbewerb in der Bundesliga der ausgeglichenste in Europa ist. Ein guter Start ist auch deshalb wichtig. Wir sind 2016 mit sieben Punkten aus drei Spielen gestartet, mussten nie in den Rückspiegel schauen. Dieser Start war ein großer Vorteil, hat uns getragen und gezeigt, dass wir mit unserer Spielweise auch Bundesliga-Spiele gewinnen können.

RB-Sportdirektor Ralf Rangnick
RB-Sportdirektor Ralf Rangnick © dpa

Sie sind während des Seefeld-Camps nach Salzburg gefahren, um Dietrich Mateschitz zu treffen. Ist er zufrieden, froh und glücklich?

Er ist sehr zufrieden mit unserer Entwicklung.

Sie sind dabei, Verträge mit tragenden Säulen zu verlängern. Wann verlängern Sie selbst?

Mein Vertag läuft noch bis bis 2019 und das sind noch zwei Jahre. Ich kann mir gut vorstellen, darüber hinaus noch länger in Leipzig zu bleiben. Meine Jobzufriedenheit ist groß. Und dass Leipzig eine hohe Lebensqualität bietet, muss ich ihnen nicht erklären.


Sie wurden 2012 Sportdirektor in Leipzig und Salzburg. Mutige und gute Entscheidung?

Absolut. Das war ein Sprung in unbekannte Gefilde und anfangs mit viel Anstrengungen, Neuerungen und einer Vielzahl an Personal-Entscheidungen verbunden.

Sie waren Spieler, Trainer, Physiotherapeut, Reha-Trainer, könnten Ihren Fußballern am Sonnabend die Tapeverbände wickeln. Auf Schalke hält sich das Gerücht, dass Sie auch als Lenker des Mannschaftsbusses gut bzw. besser als der eigentliche Busfahrer ausgesehen hätten.

Ja, die alte Geschichte. Wir sind wegen eines Staus zu spät im Stadion angekommen und das Spiel gegen Köln wurde deshalb 45 Minuten verspätet angepfiffen. Der Busfahrer hatte sich vorher nicht über eventuelle Staumeldungen informiert. Das wäre mir als Busfahrer definitiv nicht passiert (mit einem Lächeln).

Das Erfolgsduo von RB Leipzig: Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl
Das Erfolgsduo von RB Leipzig: Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl © imago

Darf man unter Ihnen Fehler machen?

Ja, aber nicht zweimal dengleichen.

Sie haben zweimal Schalke trainiert. Ist die Bindung nach wie vor eine besondere für Sie?

Das kann man so sagen, ich habe viele gute Erinnerungen an Schalke. Und es war ja auch der letzte Verein, für den ich vor meinem Engagement in Leipzig und Salzburg tätig war. Ich wünsche Schalke das Beste. Außer in den beiden Spielen gegen uns.

Von Ihren Neuzugängen schafft es offenbar keiner in Ralph Hasenhüttls Startformation. Spricht das für die Alten oder gegen die Neuen?

Vielleicht ein bisschen was von beidem. Wir haben Platz zwei geholt und über weite Strecken begeisternden Fußball gespielt. Aus so einer funktionierenden und eingespielten Einheit musst du erstmal einen verdrängen. Unsere Neuzugänge brauchen Zeit, um den Fußball, den wir spielen wollen, zu verinnerlichen. Dass diesbezüglich noch nicht alles perfekt ist, ist zu diesem Zeitpunkt völlig normal.

Haben Sie Bruma und Co. während der Verhandlungen gesagt, dass das Leben als RB-Fußballer entbehrungsreich ist und Ruhephasen auch als Stürmer selten bzw. nicht vorgesehen sind?

Die Jungs sind topfit, haben keine körperlichen Defizite. Es geht um kognitive Dinge. Sie müssen zu 100 Prozent verstehen, worum es geht. Übrigens war das bei Naby Keita nicht anders. Er stand in den ersten beiden Bundesligaspielen nicht in der Anfangsformation, obwohl er aus Salzburg zu uns kam...

Naby Keita ist ein wichtiger Bestandteil der Spielphilosophie von RB Leipzig. 
Naby Keita ist ein wichtiger Bestandteil der Spielphilosophie von RB Leipzig.  © dpa

... und wurde im dritten Spiel beim HSV nach dünner Vorstellung in der Halbzeit ausgewechselt.

Naby hat ein paar Wochen gebraucht und sich danach fantastisch entwickelt. Als Mannschaftsspieler und Individualist. Diese Zeit geben wir unseren Neuen auch dieses Jahr.

Sie hatten ihren Kader zeitig zusammen. Hatte der Sportdirektor eine stressfreie Transferperiode?

Stressfrei würde ich das nicht nennen. Es war nicht einfach, die Spieler von uns zu überzeugen. Und es war noch schwieriger, sie von ihren jeweiligen Vereinen loszueisen.

Das Transferfenster schließt erst am 31. August. Könnte noch was passieren?

Stand heute: nein. Aber das Fenster ist noch knapp zwei Wochen geöffnet.

Lukas Klostermann kann wieder Fußball spielen und läuft gegen Schalke auf. Ist er wieder ganz der Alte?

Wichtig ist, dass er keine Probleme mehr hat. Die athletischen Werte sind sehr gut, er braucht jetzt Spiele, um wieder in Bestform zu kommen.

Emil Forsberg lag wegen einer Angina über eine Woche flach, trainiert seit Mittwoch wieder mit der Mannschaft. Reicht's für Schalke?

Beim Training sah das schon ganz gut aus. Wir hoffen, dass es keinen Rückschlag gibt und er mit im Flieger sitzt.

Will weiter jubeln und an seine erfolgreiche Premierensaison in der Bundesliga anknüften: Emil Forsberg.
Will weiter jubeln und an seine erfolgreiche Premierensaison in der Bundesliga anknüften: Emil Forsberg. © dpa

Das RB-Spiel wird von einigen immer noch auf wilde Balljagd reduziert. Nach jedem nicht gewonnenen Spiel ist die Rede davon, dass die Liga den RB-Code entschlüsselt hat. Ärgert Sie das?

Es ist mir nicht so wichtig, was andere meinen, erkannt zu haben oder zu wissen. Wenn wir unser Spiel auf allerhöchstem Niveau spielen, - als Mannschaft und mit den individuellen Fähigkeiten - ist es nicht so einfach gegen uns zu gewinnen. Die Herausforderung besteht darin, alle drei Tage Topleistungen zu zeigen und dabei unsere RB-typische Spielweise durchzubringen.

Die Champions League...

... ist ein Highlight, auf das wir uns alle freuen.

Das Highlight kostet viele Körner.

Die Champions League ist eine Belohnung, keine Belastung. Wir haben viel investiert, hart gearbeitet, wurden mit Platz zwei belohnt. Es wäre widersinnig, sich jetzt über die Mehrfach-Belastung zu beschweren. Der Kader ist gut aufgestellt, die Trainingssteuerung wird entsprechend angepasst.

Sie sind am 24. August bei der Champions-League-Auslosung in Monaco vor Ort. Ihr erstes Mal bei einer derartigen Veranstaltung?

Ja. Bei diesem besonderen Ereignis für unseren Verein möchte ich dabei sein. Es macht auch Sinn, sich vor Ort mit den Gegnern abzustimmen. Über logistische Dinge, Flugverbindungen, Hotels, Trainingsmöglichkeiten und so weiter. Die Champions League ist fantastisch, die Basis von allem und das Kerngeschäft bleibt aber die Bundesliga.

Bleibt es in allen Wettbewerben dabei, dass Sie auf der Tribüne spähen und sich in der Halbzeit kurz mit dem Cheftrainer besprechen?

Ja, warum sollten wir Bewährtes ändern?

Meister werden wieder die Bayern?

Wie sagte Peter Stöger letzte Woche? „Wenn Usain Bolt einen 100-Meter-Lauf verlieren kann, ist es auch denkbar, dass irgendwann eine andere Mannschaft als Bayern Meister wird. Im Normalfall werden es sich die Bayern aber nicht nehmen lassen“.

Thema schöner Wohnen: Sie wohnen in Sichtweite zum Stadion, haben eine auskömmliche Terrasse und auch sonst Beinfreiheit. Bringen Sie Ihre Müllbeutel selbst nach unten?

Ab und zu macht das mein Sohn, in der Regel allerdings ich.

Uns wurde zugetragen, dass ein Waschbär eingezogen ist. Der kann Mülltonnen öffnen, verbringt dort seine Tagesfreizeit und guckt immer freundlich aus der Wäsche, wenn die Mieter den Deckel heben.

Mir ist er noch nicht persönlich begegnet. Und das darf gerne so bleiben.

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