12. November 2021 / 06:37 Uhr

RB Leipzig und seine Talente: Warum die Besten gehen müssen

RB Leipzig und seine Talente: Warum die Besten gehen müssen

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
 17.10.2021 - Fussball - Saison 2021 2022 - 2. Fussball - Bundesliga - 10. Spieltag: SG Dynamo Dresden SGD - 1. FC Nürnberg FCN  Club  - Sportfoto Zink/DaMa - DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video - only for editorial use - Tom Krauß Krauss 14, 1. FC Nürnberg / FCN  mit Torschuss *** 17 10 2021 Football Season 2021 2022 2 Football Bundesliga 10 Matchday SG Dynamo Dresden SGD 1 FC Nürnberg FCN Club Sportfoto Zink DaMa DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and or quasi video only for editorial use Tom Krauß Krauss 14, 1 FC Nürnberg FCN with goal shot
Die Verantwortlichen von RB können sich eine Rückkehr von Tom Krauß nach Leipzig gut vorstellen. © Imago/Zink
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Fußball-Bundesligist RB Leipzig schickt seine größten Talente regelmäßig weg, verleiht sie an deutsche Zweit- und Drittliga-Clubs oder ins Ausland. Das ist keine Form der Missachtung. Vielmehr finden Tom Krauß und Co. in der Fremde das, was sie am Cottaweg nicht bekommen können. Und was sie vielleicht dazu befähigt, hierher zurückzukehren.

Leipzig. Wann schafft es ein Talent aus dem Nachwuchs von RB Leipzig dauerhaft ins Profiteam? Diese Frage treibt seit Jahren Fans und Beobachter des Bundesligisten um. Heißester Kandidat scheint aktuell Hugo Novoa, der mit einem starken Startelf-Debüt beim 1:0 im DFB-Pokal beim SV Babelsberg auf sich aufmerksam machte, inklusive Sonderlob von Coach Jesse Marsch.

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RB und die Youth League – Das passt nicht

Aber sonst? So wirklich geschafft hat es am Cottaweg bisher kein Youngster. Die U19 des Clubs, das Team, aus dem sich am ehesten entsprechende Kicker rekrutieren ließen, rangiert unter Coach Daniel Meyer aktuell auf Platz fünf der A-Junioren-Bundesliga (Nord/Nordost). Im DFB-Junioren-Pokal steht die Elf im Viertelfinale. In der Youth League, dem Pendant zur Champions League, sieht es weniger erfreulich aus. Da sind die RB-Jungs abgeschlagen Letzter mit null Punkten aus vier Partien. Was ist da los?

DURCHKLICKEN: Sie sind derzeit ausgeliehen

Dennis Borkowski (1. FC Nürnberg, 2. Bundesliga, bis Juni 2022) Zur Galerie
Dennis Borkowski (1. FC Nürnberg, 2. Bundesliga, bis Juni 2022) ©

„Die Struktur, die wir im Moment haben, ist nicht gemacht für die Youth League“, sagt Christopher Vivell, Technischer Direktor bei den Rasenballern. Als solcher zeichnet er unter anderem für die strategische Ausrichtung der Kaderplanung und die Talentsuche verantwortlich. Dem 34-Jährigen ist wichtig: „Das soll keine Ausrede sein.“ Vivells Feststellung resultiert aus der Antwort auf die Frage: Was ist das Beste für einen jungen Spieler, um sich weiterzuentwickeln?

Spielzeit, Spielzeit, Spielzeit

„Nehmen sie Spieler wie Josko Gvardiol, Mo Simakan oder Dominik Szoboszlai. Die haben alle auf Herrenniveau schon richtig viele Spiele in den Beinen. Gvardiol hat zum Beispiel eine komplette Europa-League-Saison hinter sich. Dort müssen unsere Nachwuchsspieler hin“, erläutert Vivell. Spielzeit lautet also das Zauberwort, und zwar nicht irgendwo. „Wir müssen uns bei all unseren Talenten fragen, ob es besser ist, zehn Kurzeinsätze in der Bundesliga zu haben oder durchgehend in einer kleineren Liga Spielerfahrung zu sammeln“, so Vivell. „Darüber sprechen wir täglich und investieren viel Zeit.“

Bei RB heißt die Abteilung, die sich darum kümmert, Career Center. Sie wird von Per Nilsson geleitet. Auch er sagt: „Talente entwickeln sich am besten mit viel Spielpraxis.“ Das Problem: Ein Team, das in der Bundesliga um die vorderen Plätze kämpft und im europäischen Wettbewerb lange dabei bleiben will, kann es sich nur bedingt leisten, Nachwuchskräfte ranzulassen. RB hat keine zweite Mannschaft. Die damals in der vierten Liga spielende U23 wurde 2017 abgemeldet.

Die Lösung ist deshalb die Ausleihe der Begabtesten. Sieben Kicker sind derzeit im Rahmen des Career Center für andere Clubs im Einsatz, darunter Tom Krauß und Dennis Borkowski (beide 1. FC Nürnberg). Nilsson und Vivell haben ihre Schäfchen in der Fremde immer im Blick. „Die machen das alle gut und bekommen dort diese Minuten auf Herrenniveau. Das ist das A und O“, sagt Letzterer. Für die Talente soll die Leihe nicht die Vorstufe zum Abgang, sondern eher die zum Durchstarten sein. Und zwar gern am Cottaweg. „Wir wollen die Jungs individuell weiterentwickeln und so auf eine Rückkehr zu uns bestmöglich vorbereiten.“ Zwar gebe es für eben diese keine Garantie. „Wir wollen aber mitentscheiden und mitgestalten“, erklärt Christopher Vivell.


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Wer kommt zurück?

Die Besten zu verleihen, hat natürlich direkten Einfluss auf die Ergebnisse, zum Beispiel in der Youth League. „Benfica Lissabon hat eine B-Mannschaft, eine U23-Mannschaft und eine U19. Aus diesen drei Mannschaften können sie auf rund 80 Spieler zurückgreifen, die in der Youth League zum Einsatz kommen können“, erläutert Leipzigs Technischer Direktor. „Die behalten ihre besten Nachwuchsspieler länger im Verein. Wir haben bewusst einen anderen Weg gewählt.“

Bis auf eine laufen alle Nachwuchs-Leihen im Sommer aus. Ob sich die RB-Fans dann auf ein Wiedersehen mit dem Einen oder Anderen freuen dürfen? „Es ist noch zu früh, um darüber zu orakeln. Wir schauen jeden Spieler an, jedes Spiel“, antwortet Christopher Vivell, der sich in Sachen Krauß immerhin entlocken lässt: „Er liefert in jedem Spiel ab, ist inzwischen U21-Nationalspieler. Ich würde nicht ausschließen, dass er bei uns auch irgendwann eine Rolle einnehmen kann.“