13. August 2019 / 22:00 Uhr

Kölmel tippt 2:1: „Union Berlin braucht die Punkte dringender als RB Leipzig“

Kölmel tippt 2:1: „Union Berlin braucht die Punkte dringender als RB Leipzig“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Michael Kölmels Herz schlägt schon lange für Union Berlin.
Michael Kölmels Herz schlägt schon lange für Union Berlin. © imago images
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Michael Kölmel ist nicht nur in Leipzig ein großer Name. Seit mehr als 20 Jahren ist der Unternehmer Mitglied bei Union Berlin. Wenn die Köpenicker am Sonntag RB Leipzig empfangen, ist das für den 65-Jährigen nicht so einfach. Denn auch mit den Bullen verbindet ihn viel. Nicht nur darüber hat Kölmel mit dem SPORTBUZZER gesprochen

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Leipzig. Michael Kölmel. Wahl-Leipziger, Mathematiker, Fußball-Fan, Cineast. Der 65-Jährige hat das Zentralstadion mit Leben (Roten Bullen) gefüllt und Leipzig via Arena Leipzig als Konzertstadt etabliert. Beim Bundesliga-Auftakt der Rasenballer bei Union Berlin (Sonntag, 18 Uhr) sitzt Kölmel zwischen den Stühlen. Kölmel ist Unioner aus Leidenschaft, seit 21 Jahren Mitglied, hat als Rechtevermarkter geschätzte 15 Millionen Euro in den Verein gesteckt, sitzt im Aufsichtsrat der Stadion-AG. Und Kölmel sympathisiert mit RB Leipzig, ist Stammgast bei den Heimspielen. Kölmel über Eisern Union, ein Lied für Nina Hagen, Leipziger Perfektionismus, Trennungsschmerzen von der Red-Bull-Arena und einen Durchbruch in Sachen Namensrechte bei der Arena Leipzig.

8. Mai 2016, Red-Bull-Arena, 2:0 gegen Karlsruhe, RB-Aufstieg in die Bundesliga, wildfremde Menschen lagen sich in den Armen. Wo waren Sie?

Im Stadion. Mit meiner Frau im Arm. Ein wunderbarer Tag.

27. Mai 2019, Alte Försterei, 0:0 gegen Stuttgart, Union feiert den Aufstieg in die Bundesliga. Wo waren Sie?

Auch im Stadion. Das waren die längsten 95 Minuten meines Lebens. Ich wusste gar nicht, dass man so lange auf ein 0:0 spielen kann. Wir haben bis morgens um halb fünf gefeiert. Nach dem Aufstieg kamen 5000 neue Club-Mitglieder aus ganz Deutschland dazu.

In Bildern: So feierte Union den historischen Aufstieg in die Bundesliga

Nach einem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat der 1. FC Union Berlin erstmals in seiner Geschichte den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Zur Galerie
Nach einem 0:0 im Relegations-Rückspiel gegen den VfB Stuttgart hat der 1. FC Union Berlin erstmals in seiner Geschichte den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. © dpa
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In den Jahren zuvor haben sich viele Übungsleiter am Aufstieg versucht. Urs Fischer brauchte nur einen Versuch. Guter Mann?

Ja, gut und besonnen. Ein typischer Schweizer. Er hatte vor seinem Amtsantritt sehr erfolgreich in Basel gearbeitet, wurde zweimal Meister und einmal Pokalsieger.

Union – RB. Schlagen zwei Herzen in Ihrer Brust?

Ich wünsche RB immer das Beste und bin fest überzeugt, dass es wieder mit der Champions-League-Qualifikation klappt und am vierten Spieltag die Bayern geschlagen werden. Aber sehen Sie mir bitte nach, dass ich am Sonntag zu Union halte. Ich bin dort seit 21 Jahren Mitglied, war Aufsichtsratschef, sitze im Aufsichtsrat der Stadion AG, habe alle Höhen und Tiefen miterlebt. Union braucht die Punkte dringender als RB.

Das Spiel geht wie aus?

2:1.

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21.09.2014: Erstmals treffen RB und die Köpenicker aufeinander. Gespielt wird an der Altern Försterei. Die Union-Fans protestieren gewandet in schwarze Müllsäcke gegen das Konstrukt RB Leipzig. Zur Galerie
21.09.2014: Erstmals treffen RB und die Köpenicker aufeinander. Gespielt wird an der Altern Försterei. Die Union-Fans protestieren gewandet in schwarze Müllsäcke gegen das Konstrukt RB Leipzig. ©

Wer soll bei Union zwei Tore machen?

Da kommen einige in Frage. Tore schießen kann Union, ich war beim 6:0 in Halberstadt dabei. Ich glaube und hoffe, dass Union die Klasse hält.

Ihre Leidenschaft zu den Eisernen kam auf besondere Weise zustande. Stimmt die Überlieferung mit dem Zeitungsartikel?

Ja, ich habe 1998 von einem Fan-Protest-Marsch zur Rettung von Union gelesen. Ich habe dann auf der Geschäftsstelle angerufen und gefragt, wie hoch die Schulden sind. Danach ging alles ganz schnell. Ich wurde Aufsichtsratschef...

...und damit mächtigster Mann im Verein.

Um Macht ging es nicht, es ging um die Rettung des Vereins. Wir haben Union stückweise entschuldet und neu aufgestellt.

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Sie selbst haben Spieler wie Jens Härtel und Steffen Menze an die Alte Försterei geholt.

Das war so.

Sie haben über 15 Millionen Euro in den Verein gesteckt und im Gegenzug Vermarktungsrechte bekommen. Ein Geschäftsmodell. Weshalb gelten Sie bei Union dennoch als Wohltäter?

Ich habe Union geholfen, wo es ging, und halte das auch weiter so.

Ohne finanzielle Interessen?

Ja, in diesem Fall ist das so. Wenn Geld aus der Vermarktung geflossen ist, habe ich es wieder dem Verein zugeführt. Beispielsweise in die Stadion-AG. Das Stadion wird von 22.000 auf 37.000 Zuschauer ausgebaut. Dazu braucht es Kredite. Und die gibt es nur, wenn Eigenkapital da ist.

Sie haben mit Ihrem Geld viele Traditionsclub am Leben gehalten. Aus der Gegenleistung - Anteile an Vermarktungserlösungen - wollten sich viele Vereinsführungen herausprozessieren. Einige haben das mit Erfolg getan.

Union Berlin ist diesbezüglich quasi die Ausnahme. Der Verein, die Chefs und Fans waren und sind mir gegenüber immer fair. Ich spüre die Dankbarkeit und bin bei Union ein gern gesehener Gast.

In Bildern: 50 ehemalige Spieler von Union Berlin - und was aus ihnen wurde.

<b>Simon Terodde:</b> 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für Eisern Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln. Zur Galerie
Simon Terodde: 25 Tore in 93 Spielen schoss Simon Terodde für "Eisern" Union. Mittlerweile spielt er beim 1. FC Köln. ©

Ihre Leidenschaft mündete in der vielbeachteten Dokumentation „Union fürs Leben“.

Wenn sie noch Fragen haben, was das Besondere an Union ist, schauen sie sich die Doku an. Bei Union ist das Zusammengehörigkeitsgefühl besonders stark ausgeprägt. Wenn es einem Unioner schlecht geht, wird ihm geholfen. Die Stimmung im Stadion ist, auch wenn‘s nicht gut läuft oder nach Niederlagen, gut.

"Wir aus dem Osten geh’n immer nach vorn, Schulter an Schulter für Eisern Union, hart sind die Zeiten und hart ist das Team, darum siegen wir mit Eisern Union."

Kenne ich. Habe ich zusammen mit zwei Musikern geschrieben und Nina Hagen vorgelegt. Sie hat es dann in der Alten Försterei gegen gutes Geld gesungen. In der Vereinbarung war ein weiterer Auftritt. Beim Pokalfinale 2001, Union gegen Schalke, vor über 70.000 Fans. Die meisten Fußball-Lieder sind langweilig. Das von Union fetzt.

Die Fans wollen am Sonntag 15 Minuten schweigen, stumm gegen RB protestieren. Haben Sie dafür Verständnis?

Der Trainer und der Torwart von Union haben sich dazu geäußert, finden das Schweigen nicht gut. Ich hätte auch lieber 90 Minuten Stimmung in der Bude.

Was ist das Besondere an RB Leipzig?

RB hat einen Plan, strebt in allen Bereichen nach Perfektion. Ganz wichtig ist: Sie haben die Stadt mitgenommen und für den Fußball begeistert. Als alles vor zehn Jahren anfing, sagten viele zu mir: Zu denen kommt keiner in dein Stadion. Es kam anders, das Stadion ist voll, RB ist ein Spitzenverein. Übrigens wird der Verein im Ausland, beispielsweise in England, als Vorbild für ein gelungenes Start-Up-Unternehmen gesehen und sehr respektiert.

Fotogalerie: Die Anfänge von RB Leipzig

Ingo Hertzsch, Tino Vogel und Thomas Kläsener mit dem ersten RB-Trikot der Vereinsgeschichte. (@Norman Rembarz) Zur Galerie
Ingo Hertzsch, Tino Vogel und Thomas Kläsener mit dem ersten RB-Trikot der Vereinsgeschichte. (@Norman Rembarz) © Norman Rembarz

RB hat immer noch keine Tradition, Herr Kölmel.

Ab wann hat man Tradition, Herr Schäfer? Und wer legt das fest? 10 Jahre, 20, 30?

Sie haben das Stadion an Red Bull verkauft. Trennungsschmerzen?

Ja, die gab und gibt es. Aber sie werden dadurch gelindert, dass wir ja noch Rockkonzerte im Stadion veranstalten. Es gibt nur sehr wenige Künstler, die ein Stadion füllen. Udo und AC/DC können das. Rammstein kann das auch. Ich freue mich auf's Doppel-Konzert 2020.

Stimmt es, dass Ihre Geschäftsführer Matthias Kölmel und Philipp Franke in Sachen Arena-Namensrechte fündig geworden sind und selbige in Kürze vermarktet werden?

Ja, die Verhandlungen liegen in den letzten Zügen

Was sagen Sie zum Thema XXL-Ballsporthalle?

Wenn man die Zuschüsse dazu bekommt, muss man es machen. Dass Leipzig dann bei der Vergabe von Handball-Weltmeisterschaften gesetzt ist, sehe ich nicht so. Es existieren größere Hallen - und in Frankfurt und Berlin sind Mega-Hallen in Planung. Wenn die Ballsporthalle kommt, wären wir froh, beide managen zu dürfen.

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