06. November 2020 / 07:44 Uhr

RB Leipzigs 2:1-Triumph gegen Paris hallt nach: Pause für "Supermecano"

RB Leipzigs 2:1-Triumph gegen Paris hallt nach: Pause für "Supermecano"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RBMeinung
Christopher Nkunku sorgte mit seinem Tor für die Wende. © Getty Images
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RB Leipzig ist trotz Upamecano-Lapsus und anschließender Verletzung wieder zurück in der Erfolgsspur. Am Samstag können die Roten Bullen mit einem Sieg gegen Freiburg das Top-Duell zwischen Bayern und Dortmund für sich nutzen, um in der Tabelle nach oben zu klettern. Für LVZ-Chefreporter Guido Schäfer bringt der Champions-League-Erfolg gegen Paris Saint-Germain allerhand mit sich.

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Leipzig. Seit RB international unterwegs ist, kommt auch der ursächsischste aller Ursachsen in Ausübung seiner journalistischen Tätigkeit nicht umhin, Vokabeln aus aller Herren Länder einzuatmen und zu leben. Im vorliegenden Fall, dem Gastspiel der Pariser Star-Equipe in der Red-Bull-Arena in der Champions League, ist – naturellement – französisch gefragt.

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"Buben haben gut zugehört"

Und weil sich die Roten Bullen erst mit großer Leidenschaft, dann mit taktischer Rafinesse und fußballerischer Klasse zu einem 2:1 (1:1)-Sieg aufschwangen, ist huldvolle Würdigung gefragt: Oui! Très chic! Formidable! Bedeutet sehr frei übersetzt: Ja, schicker Sieg, Gala-Form! Aus Sicht der Franzosen: Ob zu Fuß oder zu Pferde – alles merde, alles merde! Der zweite RB-Dreier in Gruppe H durch Tore von Christopher Nkunku (42.) und Emil Forsberg (57./Handelfmeter) bei einem Gegentor von Angel Di Maria (6.) bringt allerhand mit sich.

DURCHKLICKEN: So kommentiert die Presse das 2:1 von RB

Le Parisien (Frankreich): PSG muss das Rückspiel in drei Wochen im Parc des Princes ohne Sicherheitsnetz bestreiten. […] Das Ergebnis entsprach der verfügbaren Belegschaft von PSG. Sobald der Abwehrverbund nachließ, waren die Leipziger da.  Zur Galerie
Le Parisien (Frankreich): "PSG muss das Rückspiel in drei Wochen im Parc des Princes ohne Sicherheitsnetz bestreiten. […] Das Ergebnis entsprach der verfügbaren Belegschaft von PSG. Sobald der Abwehrverbund nachließ, waren die Leipziger da."  ©

Erstens: Der Sieg der sächsischen Überzeugungstäter zerstreut Zweifel an der Unfehlbarkeit des Julian Nagelsmann und seiner jungen Untergebenen.Die Zweifel waren nach einem 0:5 in Manchester und einem 0:1 in Gladbach stellenweise aufgetreten. Auf hundsgemeine Weise, wie überfrierende Nässe, aus der Kalten. Nagelsmann zur formvollendeten Umsetzung seiner Ruck-Rede zur Halbzeit: „Die Buben haben gut zugehört.“ Sie waren mit Wiederbeginn noch mutiger, griffen früher an, zerrten die Eigendynamik des Spiels auf ihre Seite.

Zweitens: Der Sieg nährt die Hoffnung auf ein Überwintern in der Champions League. Der überragende Forsberg: „Wir wollen in die K-.o-Runde.“

Bei Sieg winkt Platz zwei

Drittens: Das 2:1 gegen den auch ohne Neymar und Kylian Mbappe top besetzten französischen Meister bringt Thermik unter die Schwingen. Aufwinde, die am Sonnabend von 15.30 Uhr an im Bundesliga-Heimspiel gegen den frischen SC Freiburg behilflich sein könnten.

Mit einem Sieg erklimmen die Rasenballer mit dann 16 Zählern Platz zwei. Das ist so, weil am siebten Spieltag der Hit Bayern (15 Punkte) gegen Dortmund (15) steigt und wahrscheinlich nur einer gewinnen wird. Bei einem Remis müsste RB 8:0, 9:1 oder 10:2 gegen Freiburg gewinnen, um auf Rang eins zu hüpfen. Das ist gegen das talentierte und fitte Team von Trainer-Guru Christian Streich natürlich illusorisch.

DURCHKLICKEN: Das sagen Spieler und Trainer

Marcel Sabitzer (RB Leipzig): Wenn man den schlechtesten Start erwischt, der denkbar ist, ist es schwierig. Vor allem auf diesem Niveau und gegen diesen Gegner. Wir haben aber Moral gezeigt und Mentalität und sind zurückgekommen. Wir haben die Kontrolle irgendwann übernommen und im Endeffekt verdient gewonnen. Wir wollten variabel sein. Der vorderen Dreierkette kann ich nur Komplimente machen. Hinten waren wir etwas anfällig, das müssen wir auf dem Niveau abstellen. Auch in Paris haben wir die Ambition, einen Dreier zu holen, aber dort wird es sicher schwierig. Zur Galerie
Marcel Sabitzer (RB Leipzig): "Wenn man den schlechtesten Start erwischt, der denkbar ist, ist es schwierig. Vor allem auf diesem Niveau und gegen diesen Gegner. Wir haben aber Moral gezeigt und Mentalität und sind zurückgekommen. Wir haben die Kontrolle irgendwann übernommen und im Endeffekt verdient gewonnen. Wir wollten variabel sein. Der vorderen Dreierkette kann ich nur Komplimente machen. Hinten waren wir etwas anfällig, das müssen wir auf dem Niveau abstellen. Auch in Paris haben wir die Ambition, einen Dreier zu holen, aber dort wird es sicher schwierig." ©

Viertens: Der Sieg lässt Dayot Upamecanos Schnitzer vorm 0:1 in den Hintergrund treten. Wobei zur Wahrheit gehört, dass Willi Orbans Pass auf Upamecano mindestens suboptimal war und den 22-jährigen Abwehr-Hünen erst in die Bredouille brachte.

PSG-Bosse und Tuchel mit angespanntem Verhältnis

Nagelsmann ist eh weit davon entfernt, sich über Upa herzumachen. „Er ist einfach immer darauf getrimmt, in Situationen, in denen er Bälle gewinnt, nach vorne zu spielen und schnell den Konter einzuleiten.“ Dass Fehler im Aufbau kreuzgefährlich und zu unterlassen sind, „weiß er auch selbst. Upa ist sehr selbstkritisch“. Der Selbstkritische ist fürs Erste raus, bekommt die so dringende Pause. Leichte Zerrung. Nix Freiburg, keine Länderspiele. Stattdessen: stabile Seitenlage auf dem Sofa.

Und sonst so? Wenn Nationalspieler Marcel Halstenberg gegen Freiburg ausfällt, gehen ihm auch die drei sich anschließenden Länderspiele verlustig. Elfer-Held: RB-Keeper Peter Gulacsi wird seit Mittwoch Rudi Kargus genannt. Herr Kargus war DER Elfmetertöter der Bundesliga.

Und: Der Pariser Coach Thomas Tuchel sieht nach wie vor vitale Chancen auf die K.o-Spiele. „Es geht ums direkte Duell, wir haben in zweieinhalb Wochen die Möglichkeit, das im Parc zu drehen. Daran werden wir alles setzen.“ Wenn er dann noch in Amt und Würden ist. Die Pariser Bosse um Sportdirektor Leonardo stehen nicht auf den eigenwilligen Genius Tuchel, der wiederum ein Problem mit dem Weltmeister von 1994 hat. Die Aversionen gibt es frei Haus, öffentlich und im Doppelpass.