15. Oktober 2020 / 21:00 Uhr

RB Leipzigs Benjamin Henrichs: "Die Fans des Gegners motivieren nur noch mehr"

RB Leipzigs Benjamin Henrichs: "Die Fans des Gegners motivieren nur noch mehr"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Einer der Top Spieler bei RB Leipzig Benjamin Henrichs stand als Model für die neue Fankollektion und für eine Interview bereit.
Gekommen um zu bleiben? RB-Neuzugang Henrichs fühlt sich in Leipzig und bei den Roten Bullen wohl. © Dirk Knofe
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Seit Mitte Juni ist Benjamin Henrichs Teil der Bundesligamannschaft von RB Leipzig. Die Roten Bullen haben ihn für ein Jahr auf Leihbasis von der AS Monaco geholt. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 23-Jährige über seine neue Bleibe, fußballverrückte Leipziger, Teamgeist und Topbedingungen.

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Leipzig. Von allen Neuzugängen von RB Leipzig in der aktuellen Saison ist Benjamin Henrichs schon am längsten da. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 23-Jährige über seinen Umzug von Monaco in die Messestadt, einen kaputten Fernseher, freundliche Menschen im Osten und wie es ihm in der Mannschaft geht.

Benjamin, du bist seit Mitte Juni in Leipzig. Wie waren die ersten Tage in der Messestadt für dich?

Als ich angekommen bin, war ich zunächst im Steigenberger untergebracht. Das war in den ersten Wochen mein Zuhause, während ich mir ein paar Wohnungen – es müssen etwa so zehn gewesen sein – angeschaut habe. Es war allerdings viel Altbau dabei, das ist nicht so meins. Die Suche hat sich zwar ein bisschen gezogen, aber ich habe jetzt eine Neubauwohnung. In dem Haus wohnen auch noch drei andere Spieler von RB Leipzig: Konrad Laimer, Nordi Mukiele und Amadou Haidara. Ich habe aber den größten Balkon. (lacht)

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Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2020/21 stehen bereits fest. ©

War es eine große Umstellung für dich, nach Leipzig zu ziehen?

Nein, eigentlich gar nicht. Die Umstellung von Leverkusen nach Monaco war sehr viel umständlicher, vieles war neu. Hier kenne ich ja eigentlich alles. Mir wurde auch sehr viel Arbeit abgenommen seitens des Vereins, das war eine große Hilfe.

Ist der Umzug einigermaßen problemlos verlaufen?

Nicht wirklich. (lacht) Ich musste eine Umzugsfirma beauftragen, meine Sachen aus Monaco nach Leipzig zu bringen. Der Fernseher hat den Transport nicht gut überstanden und ist kaputt angekommen. Es hat sich dann schon sehr gezogen, bis sie mir einen neuen gebracht haben. Jetzt ist der neue zwar da, allerdings habe ich auch noch den kaputten in der Wohnung stehen. Um die Entsorgung muss sich auch die Umzugsfirma kümmern. Dafür haben wir aufgrund der vielen Spiele noch keinen Termin gefunden.

Wie findest du Leipzig? Kannst du es mit Leverkusen vergleichen?

Leverkusen ist meine Heimat, ich bin dort aufgewachsen, habe dort meine Familie und Freunde. Das ist eben immer noch mein zu Hause. In Leipzig finde ich die vielen älteren Bauten sehr schön und wie gut die Stadt organisiert ist. Leipzig hat eine richtig schöne Innenstadt – während ich im Steigenberger gewohnt habe, war ich dort oft unterwegs. Ganz besonders toll finde ich die Seen um Leipzig. Ich war im Sommer am Cossi und hatte da das Gefühl, dass es fast wie in Monaco ist. Bei tollem Wetter und an einem freien Tag kommt man sehr schnell ans Wasser.

Haben dich viele Menschen auf der Straße erkannt und angesprochen?

Was ich auf jeden Fall gemerkt habe, ist, dass die Leute hier fußballverrückter sind. Ich werde hier öfter angesprochen, auch als in Leverkusen. Und was meiner Familie und mir aufgefallen ist, ist dass die Menschen hier extrem nett sind. Schon in den ersten Tagen haben wir das bemerkt: Ich war kaum angekommen und mir kam eine Freundlichkeit entgegen, die mir fast schon unangenehm war. (lacht)

Du bist jetzt in Leipzig angekommen, aber deine Freundin lebt und arbeitet in der Schweiz. Wie kommst du mit dieser Situation klar?

Das war auch vorher schon so. Aber die Verbindung von Zürich nach Nizza war einfacher als die nach Leipzig. Sie muss dann immer über Berlin reisen, weil es von Zürich nach Leipzig nur einen Direktflug in der Woche gibt. Zumal sie voll berufstätig ist und jetzt auch bei mir mit den Champions-League-Spielen die englischen Wochen beginnen. Da bleibt nicht viel Zeit, sich zu sehen.

Du bist, von allen Neuzugängen in dieser Saison am längsten dabei. Entsprechend hattest du die meiste Zeit, alle anderen kennen zu lernen. War es einfacher sich mit den "alten Hasen" bei RB einzuspielen, oder war es für dich interessanter, dich unter die komplett neuen Gesichter zu mischen?

Beides war einfach. Kevin Kampl kennt mich beispielsweise noch aus meiner Zeit in Leverkusen. Hee-chan Hwang habe ich hier kennengelernt, weil wir fast zur gleichen Zeit nach Leipzig gekommen sind. Mit ihm bin ich immer zum Training gefahren. Man lebt sich hier sehr schnell ein, weil wir eine sehr junge Truppe sind und man die alten Spieler sowieso schon von früheren Spielen kennt. Und wir alle verbringen natürlich sehr viel Zeit miteinander.

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Im Vergleich zu Leverkusen und Monaco: Wie würdest du die Struktur und die Dynamik der RBL-Mannschaft beschreiben?

Wir haben hier eine sehr junge Mannschaft, sind fast alle im selben Alter. Jeder kommt mit jedem sehr gut klar und jeder versucht sich mit allen anderen bestmöglich zu verständigen: Die Franzosen sprechen beispielsweise auch viel Deutsch oder Englisch, damit sie sich mit allen unterhalten können. Das ist auch sehr wichtig, weil man so alle miteinbezieht. Es gibt außerdem viele Führungsspieler, die auch immer ein offenes Ohr haben. Das Mannschaftsgefüge stimmt, es ist ein richtig toller Teamgeist vorhanden.

Wie läuft es mit der Verständigung im Team?

Spanisch muss ich noch lernen. Ob ich mich jetzt aber tatsächlich noch dazu bewegen kann, neben dem intensiven Spielbetrieb auch eine neue Sprache zu lernen, wage ich zu bezweifeln (lacht). Mit allen anderen kann ich problemlos kommunizieren. Französisch habe ich in Monaco gelernt. Das musste sein, denn mit Englisch bin ich dort nicht wirklich weit gekommen. Das ist jetzt aber ein umso größerer Vorteil. Auf dem Platz kann ich so mit den Franzosen schnell kommunizieren. Und wenn der Trainer etwas fordert, kann ich den französischsprachigen Teamkollegen auch helfen.

Du hast schon den Wunsch geäußert, nach Ablauf der Leihe in Leipzig zu bleiben. Was ist für dich ausschlaggebend, weiter bei RB Leipzig spielen zu wollen?

Ich muss einfach sagen, dass RB Leipzig mit das Professionellste ist, was ich bislang gesehen habe. Hier gibt es alles: von einer guten Küche bis hin zum eigenen Zimmer auf der Anlage am Cottaweg. Es sind Topbedingungen, um das Beste aus sich herauszuholen, ebenso wie das Top-Trainerteam und die Spitzenspieler um dich herum. Warum sollte ich bei all dem nicht bleiben wollen?

Was für ein Gefühl ist es, mit einem so jungen Trainer, wie es Julian Nagelsmann ist, zusammen zu arbeiten?

Ich hatte ja schon einen relativ jungen Trainer mit Thierry Henry. Aber mit Julian ist es nochmal etwas Anderes. Es ist neu, den Trainer zu duzen, ihn beim Vornamen zu nennen. Er ist aber dennoch eine wahnsinnige Autoritätsperson. Vor dem Spiel und vor dem Training ist er wie ein Buddy, aber sobald es auf den Platz geht, ist er im Tunnel. Man merkt in jeder Situation, dass er zu 100 Prozent bei der Sache ist. Da vergisst man schon mal, dass er nur zehn Jahre älter ist als ich und eigentlich auch noch mein Mitspieler sein könnte. Am Spielfeldrand ist er ein Vollbluttrainer und so sehen wir ihn auch alle.

Gibt es einen Moment seit deiner Ankunft in Leipzig, den du hervorheben würdest?

Mein erstes Spiel hier im Stadion mit Zuschauern auf den Rängen. Man hat zwar gesehen, dass es nur 8.500 waren. Aber auch diese geringe Anzahl hat nochmal deutlich gezeigt, was den Fußball eigentlich ausmacht. Die Stimmung, die Atmosphäre war wirklich unglaublich. Man hat im Spiel einfach ein anderes Gefühl, die Fans reißen einen mit. Sie pushen einen zu 100%.

Das Spiel in Augsburg wird ohne Zuschauer stattfinden. Wie ist so die Gemütslage?

Man bereitet sich zwar gleich vor, ob nun Fans dabei sind, oder nicht. Aber es ist einfach ein besseres Gefühl, wenn das Stadion belebt ist. Und selbst in Situationen, wo nur die Anhänger des gegnerischen Teams auf den Rängen sind, ist mir das lieber, als in der Stille zu spielen. Ich habe schon als kleines Kind davon geträumt, im vollen Stadion zu spielen. Und dazu gehören nun auch mal die gegnerischen Fans. Das kann ebenso eine zusätzliche Motivation sein.