11. März 2020 / 08:19 Uhr

RB Leipzigs Boss Oliver Mintzlaff zu Geisterspielen: „Es geht um fairen Wettbewerb“

RB Leipzigs Boss Oliver Mintzlaff zu Geisterspielen: „Es geht um fairen Wettbewerb“

Matthias Roth
Leipziger Volkszeitung
Oliver Mintzlaff schließt Geisterspiele nicht aus, plädiert aber für eine nüchterne Bewertung und vor allem Chancengleichheit.
Oliver Mintzlaff schließt Geisterspiele nicht aus, plädiert aber für eine nüchterne Bewertung und vor allem Chancengleichheit. © dpa / Getty Images
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Mehr als 42.000 Fans bejubelten den 3:0-Sieg von RB Leipzig gegen Tottenham. Für die Entscheidung, die Partie trotz der Gefahr durch das Coronavirus mit Zuschauern auszutragen, waren Stadt und Club harsch kritisiert aber auch gelobt worden. RB-Vorstandschef Mintzlaff erklärte sich nach dem Abpfiff noch einmal gegenüber der Presse und mahnte vor allem Fairness an.

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Leipzig.Fast geriet der sportliche Erfolg von RB Leipzig in den Hintergrund, als sich Vorstandschef Oliver Mintzlaff am Dienstag kurz vor Mitternacht in den Katakomben der Red-Bull-Arena den Fragen der Journalisten stellte. Keine Stunde zuvor hatten die Roten Bullen auf dem angrenzenden Rasen die Tottenham Hotspurs in der Champions League ausgeschaltet und stehen nun im Viertelfinale. Bei Mintzlaff drehte sich aber alles ums Coronavirus, um Geisterspiele und die Sicherheit in den Stadien. „Wenn wir das Spiel heute abgesagt hätten, dann wäre das mehr Panik als die realistische Einschätzung der Situation gewesen“, erklärte er.

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Zunächst freute er sich aber über den sportlichen Erfolg. „Es ist etwas Großartiges. Es ist die zweite Champions-League-Saison unserer Vereinsgeschichte, und wir sind nicht mit dem Ziel gestartet, wir müssen es ins Viertelfinale schaffen“, sagte der 44-Jährige. „Ein volles Stadion spielt schon eine große Rolle für die Leistung der Mannschaft“, so der Vorstandschef. Wenn ein Team tollen Support habe, dann werde es von den Fans getragen. Das sei gegen Tottenham der Fall gewesen und habe dazu beigetragen, dass die Mannschaft 90 Minuten Vollgas gegeben habe.

Stündliche Betrachtung der Lage

Schon am Montag war es das beherrschende Thema in Leipzig gewesen: Spielt RB gegen Tottenham Hotspur vor Fans? Die Reaktionen der Anhänger reichten von „Panikmache“ bis „Unverantwortlich“. Am Ende hieß es: Das Stadion wird geöffnet. Die Unterstützer machten sich am Dienstagabend auf in die Red Bull Arena. Das Stadion wurde mit 42.146 Zuschauern als ausverkauft vermeldet, auch wenn eine Reihe von Sitzen leer blieb.

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Mintzlaff sprach bereits wenige Minuten vor dem Anpfiff zu den Fans und erklärte ihnen, warum mit Publikum gespielt wurde. „Die Gesundheit steht natürlich an erster Stelle. Wir hatten bis zum Spielbeginn vier Fälle in Leipzig bei 600.000 Einwohnern. Das hat das Gesundheitsamt dazu veranlasst, dass wir die Tore nicht schließen und ohne Euch spielen müssen“, sagte er zu den jubelnden Besuchern. Das sei jetzt zu dem Zeitpunkt die richtige Entscheidung. Mintzlaff betonte, man müsse aber weiter sorgfältig mit dem Thema Corona umgehen. Dazu gehöre eine stündliche Betrachtung.

Derzeit keine Chancengleichheit in der Bundesliga

Für das kommende Wochenende müsse der Verein dann schauen, wie es weitergeht. Am Sonnabend soll RB laut Spielplan um 15.30 Uhr gegen den SC Freiburg antreten. Eine einheitliche Linie der Deutschen Fußballliga liegt bisher nicht vor. „Für Geisterspiele grundsätzlich kann natürlich niemand sein, wenn die Gesundheit das erfordert, müssen wir das aber machen“, findet Mintzlaff.

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Individuelle Entscheidungen seien sicher unglücklich. „Da spielt das Thema fairer Wettbewerb eine Rolle. Es ist etwas anderes, wenn du zu Hause vor ausverkauften Rängen spielst und deine Fans im Rücken hast, als wenn du ein leeres Stadion hast. Wir haben nichts gegen eine ganzheitliche Entscheidung“, erklärte der Vorstandschef. Er fügte mit der Aussicht auf zwei volle Stadien am kommenden Sonnabend an: „Sollten die Spiele bei Union Berlin und bei uns stattfinden, dann ist das keine Chancengleichheit.“ Mintzlaff erwartet eine kurzfristige Entscheidung für das Freiburg-Spiel, wenn sich die Situation in Leipzig nicht dramatisch verändert. „Man kann den Fans auch noch am Freitagmorgen absagen“, erklärte er.

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Die Stadt Leipzig hatte am Dienstag noch einmal betont, nicht der Empfehlung von Bundesgesundheitsministerin Jens Spahn (CDU) zu folgen und grundsätzlich Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern abzusagen. Am Mittwoch bestreiten bereits Mönchengladbach und Köln ein Geisterspiel. Für das Wochenende wurden für weitere Bundesliga-Begegnungen die Fans verboten, darunter für das Derby zwischen Dortmund und Schalke.

Mintzlaff bleibt weiter mit dem Leipziger Gesundheitsamt im engen Austausch. Nach dem Tottenham-Sieg gab er aber auch zu: „Ich lege mich heute ins Bett und denke nicht an Corona, ich denke yes, wir haben es ins Viertelfinale geschafft.“