11. Februar 2020 / 08:43 Uhr

RB Leipzigs E-Sportler Alex Czaplok: „Auf diesem Niveau ist es auf jeden Fall Sport“

RB Leipzigs E-Sportler Alex Czaplok: „Auf diesem Niveau ist es auf jeden Fall Sport“

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Cihan Yasarlar und Alexander Czaplok treten für RB Leipzig im neuen virtuellen Wettbewerb an.
Alex Czaplok (re.) tritt mit Cihan Yasarlar für RB Leipzig in der Virtual Bundesliga an. Momentan stehen die beiden auf Platz Sechs der Tabelle. © RB Leipzig
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Mit RB Leipzig steht Alex Czaplok aktuell auf Platz Sechs der Virtual Bundesliga. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über außerdem über seine Ziele mit RB, als E-Sportler und den sportlichen Ausgleich neben dem Zocken.

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Alex Czaplok (21) vertritt RB Leipzig auf der Fußball-Simulation FIFA 20 in der Virtuellen Bundesliga. Im SPORTBUZZER-Interview spricht er über seinen Mentor Cihan Yasarlar, warum er E-Sports für richtigen Sport hält und wie es seine Familie findet, dass er so viel Zeit vor einem Gerät verbringt.

Seit wann zocken Sie FIFA und wann haben Sie gemerkt, dass Sie Talent haben?

Czaplok: Der Einstieg war FIFA 15. Ich habe viel mit Freunden gespielt und schnell gemerkt, dass ich gut bin. Im Modus „Pro Club“ waren wir auf der ganzen Welt auf Platz eins. Seit 2018 stehe ich bei RB unter Vertrag.

Sind Sie schon Profi?

Ich bin auf dem Sprung zum Profi. Ich studiere aktuell an der HTWK BWL, habe aber schon kleinere Einnahmen bei Turnieren bekommen und erhalte ein Honorar von RB. In Zukunft versuche ich meinen Fokus voll auf FIFA zu setzen, aber das Studium werde ich dabei nicht vernachlässigen.

Sie spielen auch im echten Leben gerne Fußball. Wo kicken Sie aktuell?

Bei der SG LVB Leipzig. Da laufe ich als Innenverteidiger oder im defensiven Mittelfeld auf. Zwei- bis dreimal in der Woche ist Training, auch wenn ich aufgrund der Uni oder des eSports nicht immer schaffe. Zudem gehe ich ins Fitnessstudio und manchmal joggen. Ein sportlicher Ausgleich zum Zocken ist wichtig.

Cihan Yasarlar, der zweite E-Sportler bei RB, ist ihr Mentor. Was können Sie von dem dreifachen deutschen Meister und Europameister 2017 lernen?

Sehr viel. Er gibt mir Tipps, wie ich mich in bestimmten Situationen zu verhalten habe. Zum Beispiel in der Virtuellen Bundesliga gegen Augsburg lag ich 0:2 zurück. Ohne Cihan hätte ich niemals auf eine Dreierkette umgestellt, wodurch ich vorne viel mehr Druck machen konnte. Mit zwei späten Toren habe ich noch einen Punkt geholt. Oder wenn ich führe, sagte er mir: Hey, mach mal einen Seitenwechsel mehr. Spiel mal zwei, drei Pässe mehr hinten rum, um etwas Zeit zu gewinnen bei einer Führung. Das hilft mir sehr.

Das Spitzenspiel: Thomas Fritz (Bayern München) vs. Alex Czaplok (RB Leipzig)

Was sind auf dem hohen Niveau die Unterschiede zwischen einen sehr guten Spieler und den absoluten Spitzenspielern?

Es geht nicht um Tricks. Die haben alle Spieler drauf. Das sind eher mentale Sachen. Wie gehe ich mit Druck um? Oder mit welchen taktischen Anpassungen reagiere ich auf den Spielverlauf?

Von zehn Spielen gegen den Lehrmeister gewinnen Sie wie viele?

Mittlerweile die Hälfte. Dieses Jahr läuft es in der VBL sehr gut. Ich liege in der X-Box-Tabelle auf Platz vier (Cihan absolviert seine Spiele auf der PS4– d. Red). Da ist zum Beispiel auch Michael „Megabit“ Bittner, der deutsche Meister 2019, als Zweiter gelistet. Mein Spielniveau ist nach dem Wechsel nach Leipzig noch mal gestiegen.

Wie hat Ihre Familie darauf reagiert, als Sie angefangen, stundenlang vor der Konsole zu sitzen?

Als ich anfangs die Schule etwas vernachlässigt habe, waren sie auf jeden Fall dagegen. Als ich die Schule und das Zocken besser unter einen Hut bekommen habe, ist die Akzeptanz gestiegen – gerade nach meinem Wechsel zu RB Leipzig. Jetzt stehen sie voll dahinter.

Ihr seid aktuell Fünfter der VBL-Tabelle und habt am 16. Spieltag den damaligen Spitzenreiter Mönchengladbach mit 9:0 Punkten durch einen Sieg von Cihan, einen Sieg von Ihnen und einen Sieg im Doppel bezwungen. Was ist nach oben noch drin?

Gegen die Top-Teams holen wir oft sieben bis neun Punkte. Wir tun uns gegen die weiter unten in der Tabelle stehenden Mannschaften schwer. Für ganz oben wird es wahrscheinlich nicht mehr reichen. Bremen, Mönchengladbach und Leverkusen sind zu weit weg. Aber vielleicht können wir mit guten Resultaten an den letzten Spieltagen noch einen Platz gut machen. Das Ziel sind die Top sechs.

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Was wollen Sie als E-Sporter erreichen?

Ich will unbedingt an einem internationalen Turnier teilnehmen. Das ist unfassbar schwer, weil man da sehr viele Qualifikationsrunden überstehen und viele Stunden am Stück die Konzentration hoch halten muss. Und in Europa gibt es auch mit Abstand die besten Spieler. Aber ich trainiere immer weiter. Irgendwann wird es klappen.

Was war die längste Zeit, die Sie mal am Stück gespielt haben?

Mit Freunden gab es auf jeden Fall die eine oder andere 24-Stunden-Session (lacht). Da spielt man auch mal entspannt, ohne Biss. Das ist wichtig.

Ist E-Sports ein richtiger Sport?

Auf jeden Fall. Ich habe schon in der Oberliga Fußball gespielt. Da gab es fast gar keinen Druck vom Kopf her. Aber wenn ich einen Spieltag in der VBL habe, dann bin ich sehr angespannt. Man muss sich über einen längeren Zeitraum extrem konzentrieren, braucht gute Reaktionen, eine gute Hand-Auge-Koordination. Auf diesem Niveau ist es auf jeden Fall Sport. Und wenn Schach ein Sport ist, wieso soll es dann eSport nicht sein?

Julian Nagelsmann hat sich letztens in einem Interview kritisch über E-Sports geäußert und gesagt, dass er es nicht für sinnvoll hält, wenn Spieler zwei Tage frei haben, dass sie davon einen Tag vor der Konsole sitzen. Allgemein gesprochen hält er die Zeit, die Menschen vor elektronischen Geräten sitzen für deutlich zu viel und empfiehlt mehr Zeit an der frischen Luft. Wie sehen Sie das?

Manche Menschen – ich meine damit nicht Julian Nagelsmann – haben ein falsches Bild von einem E-Sportler. Aber ich weiß, was unser Cheftrainer damit meint: Es gibt tatsächlich welche, die den ganzen Tag zocken, sich ungesund ernähren und keinen Sport treiben. Für mich ist der sportliche Ausgleich extrem wichtig. Das hilft, den Kopf frei zu bekommen und mögliche Gesundheitsschäden durch das lange Sitzen vorzubeugen.

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