29. Juli 2021 / 09:10 Uhr

RB Leipzigs Emil Forsberg: „Mit der Verlängerung kam die Lockerheit“

RB Leipzigs Emil Forsberg: „Mit der Verlängerung kam die Lockerheit“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Emil Forsberg verlängerte vor der EM seinen Vertrag bei RB Leipzig und war der Leistungsträger seiner Schweden. Bereuen tut er seine Unterschrift nicht.
Emil Forsberg verlängerte vor der EM seinen Vertrag bei RB Leipzig und war der Leistungsträger seiner Schweden. Bereuen tut er seine Unterschrift nicht. © Picture Point
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Der schwedische EM-Star Emil Forsberg ist in Topform, freut sich des Lebens – und neuer Freiheiten unter RB Leipzigs Cheftrainer Jesse Marsch.

Saalfelden. Vier Emil-Forsberg-Spiele, vier Forsberg-Tore, dann das jähe Ende gegen die Ukraine, das EM-Aus nach Verlängerung. Emil Forsberg, 29, berühmtester Leipziger Schwede seit Gustav Adolf, gehört zu den Gewinnern der Europameisterschaft. Aus RB-Sicht hätte ein Weiterkommen bis ins Halbfinale oder Finale Verwerfungen mit sich bringen können. Wenn der 29-jährige Großmeister des ersten und finalen Ballkontaktes seine Gala fortgesetzt hätte, wären mindestens der AC Milan, die AS Rom (beide waren schon mal ultrahocherhitzt) vorstellig geworden. Wohlwissend, dass kein Vertrag dieser Welt in Stein gemeißelt ist. Auch ein gerade verlängerter.

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Date mit Forsberg auf der Terrasse des Teamhotels Gut Brandlhof in Saalfelden. Der alte Schwede sieht jung aus, freut sich des Lebens. Bei den Forsbergs ist alles da, wo es hingehört. Frau, Kind und Familien-Oberhaupt sind gesund, die Haussuche in Leipzig läuft, man muss den Euro nicht zweimal rumdrehen. Emil, der Mann mit dem Radar unter der Semmelmütze, macht im Training Sachen, die nur er kann und Coach Jesse Marsch, 47, schwärmen lassen. „Emil ist fantastisch.“ Forsberg, der seit Januar 2015 für die Roten Bullen spielt, hat bei der EM Esprit versprüht, aber auch Gift & Galle unter die Leute gebracht. Das alles ohne Grätschen, die kann er nicht, erinnert sei an eine gegen Herrn Lahm. So will ihn Marsch auch bei RB sehen.

DURCHKLICKEN: Die Bilder vom vierten Tag des RB-Trainingslagers

Am vierten Tag des RB-Trainingslagers ging es unter anderem auf die Fahrräder. Zur Galerie
Am vierten Tag des RB-Trainingslagers ging es unter anderem auf die Fahrräder. ©

Das Frage-Antwort-Spiel ist eigentlich auf 20 Minuten begrenzt. Forsberg verlängert, die Mittagspause kann warten.

Emil Forsberg über …

... seine (zu frühe?) Vertragsverlängerung bis 2025: „Es war nicht zu früh, ich wollte unbedingt vor der Europameisterschaft mit RB Leipzig verlängern, Klarheit für die Zukunft haben. Für meine Familie und mich. Ich fühle mich in Leipzig sehr wohl. Und ich habe auch deshalb eine super EM gespielt, weil alles geregelt war. Mit der Verlängerung kam die Lockerheit.“

... vier Tore in vier Spielen: „Ich hätte auch fünf oder sechs machen können, habe gegen die Ukraine Pfosten und Latte getroffen. Aber dann würden wir jetzt nicht hier sitzen (lacht). Im Ernst: Es muss sich keiner Sorgen machen, ich habe gerade bei RB verlängert, bin absolut glücklich mit dieser Entscheidung und bleibe natürlich. Wir können stolz sein auf die bisherige Reise mit Leipzig. Und die ist noch nicht beendet. Wir haben einen Super-Trainer und einen Top-Kader.“

DURCHKLICKEN: Emil Forsberg bei RB Leipzig

2015 Januar: Forsberg trainiert für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Januar: Forsberg trainiert für RB (@GEPA Pictures) ©

... die EM ohne Zlatan Ibrahimovic, die WM mit King Zlatan: „Jede Mannschaft ist mit Zlatan besser als ohne, wir auch. Schade, dass er nicht dabei war (verletzungsbedingt; Red.), aber ich bin mir sicher, dass er bei der WM mitspielt. Zlatan ist fast 40 und immer noch ein Topspieler beim AC Mailand. Er ist ein Mann für die großen Spiele. Er und seine Karriere sind unglaublich.“


... die Forsbergsche 30-Jahre-Schallmauer, die am 23. Oktober fällt: „Ich liebe mein Leben, habe eine tolle Familie, den besten Job der Welt. Das ändert sich nicht mit meinem 30. Geburtstag. Ich glaube, dass das Gesamtpaket Forsberg jetzt fast komplett ist. Ich habe viele Spiele, auch große Spiel gespielt. Ich habe von vielen Top-Trainern gelernt. Ich kenne meinen Körper ganz genau, will noch besser werden. Ich setze mir keine Grenzen, weder was die sportlichen Ziele noch was das Alter angeht. Vielleicht spiele ich ja bis 40, werde dann Trainer von RB und hole gleich mal zwei, drei Titel. (lacht)“

… die falsche Neun unter Julian Nagelsmann und Free-Emil unter Jesse Marsch: „Die Neun ist nicht meine Position, aber ich habe das ganz gut gespielt und dazugelernt. Ich bin ein Spieler, der Freiheit braucht und mit Eigenverantwortung gut umgehen kann. Wir wollen einen Mix aus Pressing, schnellem Spiel in die Tiefe und - in gewissen Situationen - Ballbesitz-Fußball.“

... eine Ehrung bei seinem Heimatverein Sundsvall: „Es ist zu früh für eine Lebenswerk-Ehrung, aber mein Club wollte sich dafür bedanken, dass ich ein guter Botschafter bin. Das hat mich sehr gefreut.“

... sein einzig böses Foul in seiner Karriere am 21. Dezember 2016: „Ich weiß auch nicht, was da in mich gefahren ist. Ich war selbst erschrocken. Emil und üble Grätschen - das passt nicht zusammen.“

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... Muskeln und (mangelnde) Schnelligkeit:Brian Brobbey ist ein Muskelpaket, das braucht er für sein Spiel. Ich bin ein Zehner und auf den ersten Metern trotzdem ziemlich schnell, Herr Schäfer. So ab dem zehnten Meter wird´s dann weniger.“

... Duracell-„Neuzugang“ Konrad Laimer: „Konny ist zurück, hat eine super EM gespielt. Das ist gut für ihn und super für uns. Er ist eine Pressing-Maschine, kann 90 Minuten am Stück sprinten. Ich weiß nicht, wer ihn zusammengebaut hat. Unfassbar!“

… die wichtigsten seiner 164 Pflichtspiele und 34 Tore für RB: „Das 2:0 gegen Karlsruhe zum Bundesliga-Aufstieg. Tor Forsberg, Vorlage Stefan Ilsanker. Das erste Champions-League-Spiel und das Tor gegen Monaco. Meine beiden Tore gegen Benfica bleiben auch für immer.“

Ende des Dates. Forsberg verabschiedet sich zur Teambuilding-Maßnahme.