06. Januar 2021 / 10:55 Uhr

RB Leipzigs Fans kritisieren Zustand der Festwiese und fordern zeitweise Sperrung der Jahnallee

RB Leipzigs Fans kritisieren Zustand der Festwiese und fordern zeitweise Sperrung der Jahnallee

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Die Red-Bull-Arena soll künftig mehr Zuschauer aufnehmen können. Das stellt auch das Umfeld vor Herausforderungen.
Die Red-Bull-Arena soll künftig mehr Zuschauer aufnehmen können. Das stellt auch das Umfeld vor Herausforderungen. © imago images / Star-Media
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Die Red-Bull-Arena soll schöner werden. Daran arbeitet RB Leipzig seit Monaten. Mit dem Stadion muss aber auch dessen Umfeld Schritt halten können. Auf Initiative der Stadtverwaltung hat der Fanverband deshalb eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen und in einer Umfrage die Vorstellungen der Anhänger abgefragt. Herausgekommen sind eine ganze Reihe von Forderungen.

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Leipzig. RB Leipzig baut fleißig an seinem „Wohnzimmer“. Noch vor Weihnachten wurden Arbeiten im Gästesektor durchgeführt. Neue Treppenstufen, ein neues Sitzsystem und mehr im Gästeblock. Nicht nur für die Anhänger gegnerischer Mannschaften tut sich etwas. Denn die Red-Bull-Arena soll in Zukunft, nach Fertigstellung der geplanten Umbaumaßnahmen, Platz für mehr Stadionbesucher bieten. Genau genommen sollen irgendwann bis zu 57.000 Zuschauer in der RB-Heimstätte unterkommen.

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Verkraftet der ÖPNV die Erweiterung?

Bis dahin muss auch im Umfeld noch einiges gemacht werden. Zu diesem Zweck hat die Stadt Leipzig im Rahmen der Bürgerbeteiligung zur Stadionumfeldgestaltung den Fanverband Leipzig e.V. eingeladen, sich in Workshops mit Ideen zu beteiligen. Die dazu formierte AG Stadionumfeld führte eine offene Umfrage unter den Anhängern durch, aus der sich ein klares Meinungsbild abzeichnete. Im Nachgang wendet sich die AG nun mit einem offenen Brief an die Kommune, der dem SPORTBUZZER vorliegt. Dabei gibt es Lob und Dank an die Leipziger Verkehrsbetriebe (LVB), aber auch reichlich Kritik.

Blick zurück: Der Bau des Leipziger Zentralstadions

Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. Zur Galerie
Am 15. April 1955 begannen die Bauarbeiten, am 4. August 1956 wurde es eröffnet. Das Zentralstadion in Leipzig wurde auch als Stadion der Hunderttausend bekannt. Bis zu seinem Abriss im Jahr 2000 sah es zahlreiche hochklassige Fußballpartien und Sportveranstaltungen. © LVZ Archiv

So heißt es in dem Statement, dass es derzeit mit der Straßenbahnanbindung zwar gut klappe, dies aber in Anbetracht der geplanten Um- und Ausbaumaßnahmen nicht auf Dauer so bleiben würde. „Ab kommendem Sommer wird das RB-Stadion 3000 Zuschauer mehr als bisher fassen. Ob das Straßenbahnnetz schon dann kollabiert oder bei einem stufenweisen Ausbau des Stadions auf 48 000, 50.000 oder auf bis zu 56.000 Zuschauer, wie die Pläne RB Leipzigs je nach Bedarf vorsehen, können wir nicht beurteilen“, so der Fanverband in dem offenen Brief.

Die Leistungsfähigkeit des ÖPNV sei ein wichtiges Kriterium für Stadionbesucher, ob sie nun mit dem Zug oder mit der Straßenbahn oder lieber mit dem eigenen Auto anreisen. „Wir gehen davon aus, dass der Oberbürgermeister im Rahmen der Erteilung der Baugenehmigung zur Erweiterung der Red-Bull-Arena nicht nur die Notwendigkeit zur Schaffung weiterer Parkplätze seitens des Bauherren sieht, sondern auch die Notwendigkeit erkennt, seitens der Stadt Leipzig die ÖPNV-Infrastruktur im Stadionumfeld innerhalb eines absehbaren Zeitraums auszubauen“, so weiter im Statement. Bis dato sieht die Kommune in dieser Frage vor allem die Sanierung der Feuerbachschleife vor. Das irritiert den Fanverband. Denn: "Diese Wendeschleife spielt momentan kaum eine Rolle im Veranstaltungsverkehr, da sie nicht leistungsfähig ist. Daran wird auch die Sanierung nichts ändern."

Konkrete Vorschläge zum Verkehrskonzept

OBM Burkhard Jung hatte sich schon Anfang Dezember auf Nachfrage des SPORTBUZZER zum Thema geäußert. „Im kommenden Jahr (also 2021, d. Red.) wollen wir das angehen." Doch die Stadt habe auch immer noch Hausaufgaben, was dieses Thema betrifft. „In der Tat sind die Vorbereitung der Spielsituation, das Umfeld des Stadions, die Verkehrs- und Sicherheitskonzepte zurzeit in der Pipeline und abzuarbeiten“, so Jung.

In Sachen Verkehrskonzept machen die Fans konkrete Vorschläge. Laut Umfrage, ist den Anhängern der Ausbau von Radwegverbindungen, insbesondere in der Ost-West-Relation ein großes Anliegen. „Wir unterstützen deshalb die Idee, eine zusätzliche Brückenverbindung für den Fuß- und Radverkehr über das Elsterbecken zu schaffen.“ RB will auch in Zukunft den bewachten Fahrradparkplatz auf der Festwiese beibehalten. Das begrüßen die Fans, fordern aber weitere Fahrradabstellmöglichkeiten in Stadionnähe.

Apropos Festwiese: Die verwandelt sich vor allem bei schlechtem Wetter und verstärkter Nutzung in Englischen Wochen "zu einer Schlammlandschaft und Rutschbahn. Zeitweise ist dabei die Sicherheit der Besucher nicht gewährleistet." Rund 20.000 Besucher laufen an Spieltagen über die Festwiese zum Stadion. Die Betroffenheit ist also hoch. Auch deshalb sprachen sich rund 90 Prozent der Umfrageteilnehmer für befestigte Wege über die Wiese aus. Dabei soll der Wiesen-Charakter aber erhalten bleiben.

Zeitweise Straßensperrungen

Zwei weitere Haupt-Forderungen betreffen das bisweilen schwierige Verhältnis zwischen Autofahrern und Fußgängern. Auf dem Festwiesenvorplatz und dem Stadionvorplatz müssen sich Letztere an Spieltagen regelmäßig "durch ungeordnet parkende Autos schlängeln. Vor allem nach den Spielen kommen sich Fußgänger und im Abreisestau stehende Autos auf diesen Parkplatzflächen in die Quere." Geht es nach den Fans, sollen beide Plätze deshalb künftig autofrei bleiben, um den "Kampf Fußgänger gegen Auto im Vorhinein zu entscheiden".

Der wird vor allem nach Abpfiff auch auf der Jahnallee hin zu den Straßenbahnhaltestellen und auf der Inneren Jahnallee zwischen Leibnizstraße und Waldplatz ausgetragen, "da hier die Fußwege zuweilen nicht ausreichen, um alle Fußgänger aufzunehmen", heißt es im offenen Brief. Der Vorschlag der RB-Anhänger lautet daher: "Vor und nach Veranstaltungen im Stadion die Jahnallee zwischen Leibnizstraße und Waldplatz und nach den Spielen zusätzlich bis zum Cottaweg zeitweise für den Autoverkehr zu sperren".