16. September 2019 / 10:37 Uhr

RB Leipzigs Julian Nagelsmann: "Die Gruppe ist alles andere als ein Selbstläufer"

RB Leipzigs Julian Nagelsmann: "Die Gruppe ist alles andere als ein Selbstläufer"

Anton Zirk
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann warnt davor, die kommenden Champions League-Gegner unterschätzen. 
RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann warnt davor, die kommenden Champions League-Gegner unterschätzen.  © dpa
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Julian Nagelsmann startet mit RB Leipzig am Dienstag in die Champions League. Die Reaktionen auf die Gruppenauslosung kann der 32-Jährige nicht nachvollziehen und warnt im Vorfeld des Spiels bei Benfica Lissabon vor überhöhten Erwartungen.

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Leipzig. RB Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann warnt vor dem Champions-League-Auftakt gegen Benfica Lissabon am Dienstag (21 Uhr) davor, die vermeintlich kleinen Gegner der Gruppe zu unterschätzen: "Ich fand die Reaktionen ungerecht - und teilweise auch respektlos gegenüber unseren Gegnern. Benfica wird seit Jahren in Portugal Meister und spielt in Champions League und Europa League sehr erfolgreich. Zenit wird ebenfalls oft Meister und war international auch schon sehr erfolgreich. Und Lyon hat zahlreiche hochtalentierte Spieler. Die Gruppe ist alles andere als ein Selbstläufer", sagte der 32-Jährige im Interview mit dem Kicker.

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Für Nagelsmann geht es mit seiner Mannschaft wie für die anderen deutschen Teilnehmer darum, zu zeigen, inwieweit der Bundesliga-Fußball mit der deutlich finanzstärkeren Konkurrenz aus Spanien oder England Schritt halten kann. Irgendwann komme hierbei der Zeitpunkt, an dem man sich entscheiden müsse: "Wenn wir wieder näher ranwollen an den englischen Fußball und nicht nur die Bayern in der Lage sein sollen, die Champions League zu gewinnen, sollten wir zumindest darüber nachdenken, uns eventuell und in irgendeiner Form für Investoren zu öffnen. Oder wir müssen unseren Weg beibehalten und akzeptieren, dass wir möglicherweise weiter zurückfallen."

Konstanz als zentraler Faktor

Im nationalen Wettkampf gelte es nun, konstante Leistungen zu zeigen: "Selbst wenn Bayern mal eine Delle hat, sind sie über die Saison hinweg immer die stabilste Mannschaft gewesen. Wenn du als Konkurrent mal vor ihnen sein willst, brauchst du die gleiche Stabilität wie sie. Und die zu erreichen, ist nicht ganz einfach. Wir müssen uns dahin entwickeln.“ Sein Team sieht der Coach gut aufgestellt. Auch zu den in Sommer getätigten Transfers hat er eine klare Meinung, selbst wenn die Neuzugänge teilweise noch Zeit zum Eingewöhnen bräuchten: "Es wäre jetzt blöd von mir zu sagen, ich bin mit den neuen Spielern nicht zufrieden. Ich war ja mit daran beteiligt, sie zu holen."

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Nagelsmann verriet in diesem Zusammenhang auch Details über das Verhältnis zu seinem Profis und berichtete von einem Aha-Erlebnis: "Vor drei Jahren habe ich mal einen Kurs bei einem Pferdetrainer in Steyr in Österreich gemacht, der sich über die Wirkung von Menschen auf Tiere Gedanken macht. Tiere, weil sie nicht bewerten. Ihnen ist völlig egal, was oder wer du bist. Es war total interessant zu sehen: Wie wirkst du auf Lebewesen? Es kam heraus, dass ich eine große Wirkung habe - auch auf Menschen und Gruppen. Die kommt, bevor man mich kennt, erst mal arrogant und damit abschreckend rüber."

Spieler sollen Kritik äußern

Umso wichtiger sei die Kommunikation mit den Spielern. Nagelsmann fordert deshalb regelmäßiges Feedback ein und sagte im Gespräch: "Wenn ich in der Mannschaftssitzung mal einen halben Sprachfehler produziere, darf ein Spieler auch mal einen Spruch machen. Da bricht mir kein Zacken aus der Krone. Natürlich darf der Spieler nicht sagen: Nagelsmann, du Vollidiot, halt mal die Klappe. Weil ich auch nicht sage: Du Vollidiot, lauf mal da hin. Wichtig ist am Ende, immer einen respektvollen Umgang miteinander zu haben."