03. Dezember 2020 / 12:04 Uhr

RB Leipzigs Kampfsieg bei Basaksehir: Chancenwucher und ein Last-Minute-Held

RB Leipzigs Kampfsieg bei Basaksehir: Chancenwucher und ein Last-Minute-Held

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
ISTANBUL, TURKEY - DECEMBER 02: Alexander Sorloth of RB Leipzig celebrates after scoring their sides fourth goal during the UEFA Champions League Group H stage match between Istanbul Basaksehir and RB Leipzig at Basaksehir Fatih Terim Stadyumu on December 02, 2020 in Istanbul, Turkey. Sporting stadiums around Turkey remain under strict restrictions due to the Coronavirus Pandemic as Government social distancing laws prohibit fans inside venues resulting in games being played behind closed doors. (Photo by Burak Kara/Getty Images)
Held in letzter Minute: Sörloth bricht den Fluch und macht das entscheidende Tor für RB Leipzig. © 2020 Getty Images
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DAZN-Experte Sebastian Kneißl sagte es schon in der Halbzeit der Champions-League-Gruppenpartie in Istanbul: Es ist kein schöner Fußball, den die Roten Bullen spielen. Mit Mühe, Not und Alexander Sörloth sicherte sich RB Leipzig trotzdem die wichtigen drei Punkte gegen Basaksehir. Chancen, die Partie deutlich vor der hektischen Schlussphase zu entscheiden, gab es wieder einmal reichlich.

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Istanbul/Leipzig. Trainer Julian Nagelsmann mag zwar keinen Termin beim Kardiologen haben, so mancher Zuschauer am Bildschirm könnte aber während des Gastspiels von RB Leipzig bei Istanbul Basaksehir den einen oder anderen Herzinfarkt erlitten haben. Denn das 4:3 (2:1) am Bosporus war die spannendste Partie, die die Messestädter bislang in der Champions League geliefert haben. Vor allem die Schlussviertelstunde sorgte für Emotionen aller Art, Bluthochdruck und Herzrasen.

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Das 4:3 war ein Sieg, ein knapper und mühsamer zwar, aber die drei Punkte gingen trotzdem verdient auf's Bullen-Konto. Die erste Halbzeit spielte die Nagelsmann-Elf dominant, leitete die Partie, ließ Basaksehir laufen und machte ihr Ding. Zwei sogar. Die beiden Tore in den ersten 45 Minuten hatten mit fußballerischer Kunst nicht wirklich viel zu tun. Der Schuss von Kapitän Marcel Sabitzer in der 26. Minute war eine sportliche Lösung. Der Österreicher peilte das Tor aus der Distanz an und zog ab. In der Schusslinie stand Yussuf Poulsen, der die Kugel etwas abfälschte, gerade so, dass Basaksehir-Keeper Mert Günok sie nicht mehr erreichen konnte.

DURCHKLICKEN: Bilder zum Spiel in Istanbul

Was für ein Spiel: RB Leipzig verspielt eine 3:1-Führung und kann nach einem 4:3 gegen Istanbul Basaksehir am Ende doch noch jubeln. Den späten Siegtreffer erzielte Alexander Sörloth. Zur Galerie
Was für ein Spiel: RB Leipzig verspielt eine 3:1-Führung und kann nach einem 4:3 gegen Istanbul Basaksehir am Ende doch noch jubeln. Den späten Siegtreffer erzielte Alexander Sörloth. ©

Ein Drittel aller RB-Tore durch Verteidiger

Das zweite Tor machte mal wieder ein Verteidiger – eine regelmäßige Erscheinung in dieser Spielzeit. Von insgesamt 29 Treffern, die RB Leipzig in dieser Saison wettbewerbsübergreifend erzielte, waren Abwehrspieler für zehn verantwortlich. Am Mittwoch war es Nordi Mukiele, der kurz vor dem Pausenpfiff nach einer Vorlage von Emil Forsberg zum 2:0 einnetzte. Der Schwede hingegen mühte sich vergebens um Zählbares. „Bei mir wollte der Ball einfach nicht rein. Ich bin auf mich selbst sauer und enttäuscht. Aber beim nächsten Mal nutze ich die Chancen besser“, so Forsberg.

Im Auf und Ab der Partie ging RB zweimal in Führung, ließ aber zu viele Chancen zu und verbummelte letztlich den Vorsprung in der 85. Minute, als Irfan Can Kahveci sein drittes Tor zum 3:3-Ausgleich machte. Eigentlich untypisch, wenn man sich vergangene Leipziger Spiele ansieht. Das war auch dem Coach bewusst: „Wir haben mit sehr viel Personal die Flügel gesichert, und weniger das Zentrum. Das Tor steht aber in der Mitte und demnach muss man die Mitte auch besser schließen.“

Erlösender Treffer: Sörloth legt die Sorgen ab

Ein Punkt hätte RB angesichts des Sieges von Paris in Manchester am Abend frühzeitig aus dem Rennen ums Achtelfinale katapultiert. Aber Helden kommen bekanntlich zum Schluss ins Spiel. Und so erlebte wenige Augenblicke vor Abpfiff ein Leipziger eine lang ersehnte echte Sternstunde. Coach Nagelsmann hatte Alexander Sörloth in der 65. Minute für Forsberg eingewechselt. Zu einer konkreten Chance kam er aber fast eine halbe Stunde lang nicht. Dann kam die zweite Minute der Nachspielzeit. Nachdem der Norweger den Ball kurz zuvor noch unfreiwillig an die Latte geköpft hatte, saß der Schuss jetzt. 4:3 und endlich der erlösende erste Treffer im RB-Trikot. Sörloths Gesicht sprach Bände: Die ganze Last der Welt schien von den Schultern des 24-Jährigen gefallen zu sein. „Ich bin sehr glücklich, dass ich es endlich gemacht habe. Jetzt kann ich mich aber darauf konzentrieren, weiterhin besser zu spielen“, sagte der später.

Auch Trainer Nagelsmann freute sich für seinen Schützling. „Ich habe ja gesagt, dass es irgendwann passiert. Für einen Stürmer ist das von großer Bedeutung“, so der Bullen-Coach bei der Pressekonferenz nach dem Spiel. Doch nicht nur für ihn freute er sich. Auch Mittelfeldspieler Dani Olmo war dem Wunsch des Trainers nachgekommen und hatte mit dem 3:1 sein ersten Treffer der Saison für RB gelandet. „Es ist unglaublich, ein Tor zu machen und unserem Ziel mit den drei Punkten ein bisschen näher gekommen zu sein. Es ist in unserer Hand“, twitterte der Spanier nach dem Abpfiff.