28. Dezember 2018 / 07:16 Uhr

RB Leipzigs Orban: „Wenn du etwas tust, das du liebst, ist es keine richtige Belastung“

RB Leipzigs Orban: „Wenn du etwas tust, das du liebst, ist es keine richtige Belastung“

Anne Grimm
Willi Orban jubelt nach dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart am 26. September.
Willi Orban jubelt nach dem 1:0 gegen den VfB Stuttgart am 26. September. © Christian Modla
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Zwölf Monate, 54 Partien, drei Wettbewerbe, zwei Trainer. 2018 ist viel passiert beim Fußball-Bundesligisten RB Leipzig. Wir blicken gemeinsam mit Kapitän Willi Orban auf ein ereignisreiches Jahr zurück und sprechen mit dem 26-jährigen Verteidiger über die ambitionierten Ziele 2019.

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Willi Thomas Orban“ steht auf der offiziellen Bundesliga-Homepage. Haben Sie sich einen weiteren Vornamen zugelegt?

„Das ist schon immer mein zweiter Vorname gewesen. Mein Vater heißt Vilmos, das ist ungarisch und bedeutet Willi. Es ist in Ungarn öfter so, dass der Sohn denselben Namen wie der Papa bekommt. Meine Mutter wollte gerne, dass ich auch Thomas heiße. Mein Rufname in der Familie ist Willi. Verwechslungen gibt es aber nicht, ich bin der Junior, Papa der Senior.“

Apropos Familie, Weihnachten und Silvester verbringen Sie in der pfälzischen Heimat?

„Ja, darauf freue ich mich sehr. Weil ich durch die Nationalmannschaft lange nicht mehr da war. Mein Vater lebt in Ungarn und wird dort auch über die Feiertage bleiben. Aber mit meiner Mutter und meinen zwei Schwestern werde ich viel Zeit verbringen, ganz klassisch und schön essen. Letztes Jahr war Silvester bei mir ruhig. Es kann aber sein, dass wir mal was anderes machen. Ich lote mit meinem besten Freund noch aus, was die Optionen sein können.“

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Marcel Sabitzer mit Freundin Katja Kühne ©
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Welche Erlebnisse sind aus dem Jahr 2018 hängen geblieben?

„Die Nationalmannschaft war etwas Besonderes für mich. Mein Vater hat sich auch richtig gefreut. Er war unheimlich stolz, als er mich das erste Mal im Ungarntrikot gesehen hat. Die letzten zwei Spiele haben wir in Budapest gespielt, da war er jeweils live dabei. Meine Familie wird jetzt nach und nach mit Nationalmannschaftstrikots von mir versorgt.“

Die Europa League ging für RB Leipzig bis Mitte April, die Qualifikation für die neue internationale Saison begann bereits im Juli. Dazu die Reisen mit dem Nationalteam. War es das anstrengendste Jahr Ihrer Fußballkarriere?

„Definitiv das Intensivste. Anstrengung ist immer relativ. Wenn du etwas tust, das du liebst, dann ist es keine richtige Belastung, sondern macht immer noch viel Spaß. Es waren für mich persönlich und auch für die Mannschaft verglichen mit anderen Saisons mit Abstand die meisten Spiele.“

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2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 Juli: Orban spielt für RB (@GEPA Pictures) ©

Nach einem Trainerwechsel gibt es immer Veränderungen. Ihr musstet euch im Sommer zumindest beim Namen nicht umgewöhnen. Haben Ralph und Ralf sonst noch Gemeinsamkeiten?

„In der Spielanlage gibt es viele Parallelen. Gerade beim Spiel gegen den Ball. Ansonsten sind es schon sehr unterschiedliche Typen. Aber beide sehr erfolgreich.“

Ralph Hasenhüttl wurde von allen Spielern geduzt, Ralf Rangnick lange von vielen gesiezt. Warum?

„Als wir das erste Mal in der Zweiten Bundesliga unter Ralf Rangnick gespielt haben, waren wir sehr jung. Ich kannte ihn auch noch nicht lange, habe ihn gesiezt. Oder man ist dem Ganzen aus dem Weg gegangen und hat ihn mit Trainer angesprochen. Das war die einfachste Lösung. Mittlerweile wird er von einigen geduzt. Viele Spieler sind jetzt schon mehrere Jahre hier und kennen ihn länger. Jeder hat unglaublich viel Respekt vor Ralf Rangnick und seiner Arbeit.“

Hat sich die Stimmung und das Gefüge in der Mannschaft seit dem Sommer geändert? Es wurden neue Regeln eingeführt, wie zum Beispiel das Handyverbot in der Kabine.

„Die Zügel wurden schon ein bisschen angezogen. Ich finde das aber gut. Denn Kommunikation ist mit und innerhalb der Mannschaft sowie in der Kabine das A und O. Da haben wir generell noch Potential. Auch auf dem Platz, da reden wir zum Teil noch zu wenig, wie ich finde. Deshalb ist das Handyverbot ein logischer Schritt des Trainers. Gerade weil wir ein paar Spieler haben, die noch kein perfektes Deutsch sprechen. Damit diese Jungs auch ein bisschen aus der Komfortzone herausmüssen, um sich in der Mannschaft zurechtzufinden.“

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Was sind Sie für ein Handy-Typ?

„Ganz ohne geht es mittlerweile gar nicht mehr. Das hat schon Suchtpotential. Ich schaue nicht 24 Stunden drauf, aber man benutzt es oft. Es werden dabei ja immer wieder Dopamine ausgeschüttet. Da muss man sich manchmal zügeln. Aber das Handy hat auch viele Vorteile im Alltag, wenn man es sinnvoll nutzt.“

Zurück zum Fußball: Ihr habt zwei unterschiedliche Spielzeiten in der Europa League hinter euch. Im Frühjahr überrascht und überzeugt. Im Sommer durch die Qualifikation gequält, im Herbst in der Gruppenphase schwer getan und ausgeschieden. Welche Partien sind im Gedächtnis geblieben?

„Neapel war schon ein Highlight: Bei einer Topmannschaft zu gewinnen, die Champions-League-Potential hat. Auch die nächste Runde gegen St. Petersburg und die Auswärtsreise dorthin waren sehr spannend. Trotz hoher Minustemperaturen in einem schönen WM-Stadion zu spielen, das beheizt war. Negativ ist das Auswärtsspiel in Marseille hängen geblieben, wo wir viel Lehrgeld bezahlt haben. Die Chance fürs Halbfinale war da. Deswegen war es schon ein kleiner Rückschlag. Aber das erste Mal die K.-o.-Spiele gegen abgezockte internationale Mannschaften zu erleben, war eine sehr wertvolle Erfahrung. Deshalb ist es wirklich ärgerlich, dass wir dieses Mal schon ausgeschieden sind.“

Welche Atmosphäre hat Sie am meisten beeindruckt?

„Von der Lautstärke und Aggressivität war Marseille am beeindruckendsten. In Glasgow war es besonders, weil die Fans sehr fair waren. Auch nach dem Spiel haben sie applaudiert, obwohl wir das gegnerische Trikot getragen haben. Man hat eine andere Mentalität gespürt.“

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Olympique Marseille - RB Leipzig (5:2) Zur Galerie
Olympique Marseille - RB Leipzig (5:2) ©

In der Bundesliga lief es entgegengesetzt – in der Rückrunde vergangene Saison gab es viele Gegentore, wenig Erfolgserlebnisse.

„Es ist ein schmaler Grat gewesen. Natürlich ist es am besten, wenn du in beiden Wettbewerben erfolgreich bist. Wir haben das im Großen und Ganzen gut hinbekommen. Aber wenn man am Ende sieht, dass nur ein Sieg für die Champions League gefehlt hat, ist das bitter. Das wäre drin gewesen. Wir haben es in einigen Spielen in der Rückrunde verschenkt.“

Warum hat sich die Leipziger Abwehr in der zweiten Jahreshälfte so enorm stabilisiert?

„Weil wir uns darauf konzentriert haben, wirklich zu Null zu spielen. Am Anfang der Saison haben wir auch wieder zu viele einfache Gegentore bekommen und Chancen zugelassen. Da hat das Trainerteam den Fokus daraufgelegt, dass wir uns verbessern. Die ganze Mannschaft macht das inzwischen einfach sehr gut, bei der Arbeit gegen den Ball. Da lässt keiner locker. Es ist ein riesen Schritt für uns, dass wir jetzt defensiv so stabil sind.“

Blick in die Glaskugel: Was erwarten Sie vom Jahr 2019?

„Eine spannende Rückrunde. Und ich hoffe, dass wir im DFB-Pokal noch die ein oder andere Runde weiterkommen. Es wäre eine schöne Erfahrung, im Mai mal in Berlin dabei zu sein. Es ist immer nur ein Spiel, also ein relativ kurzer Weg bis ins Finale. Ich sehe das als Riesen-Chance. Aber unser Tagesgeschäft ist natürlich die Bundesliga, dort wollen wir unbedingt unter die ersten Vier. Im Sommer kommt dann ein neuer Trainer. Das wird bestimmt noch einmal ein wenig an unserem Spielstil verändern. Darauf freue ich mich auch schon.“

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