17. Juli 2021 / 08:00 Uhr

RB Leipzigs Kevin Kampl über den neuen Trainer Marsch: „Jesse ist ein super Typ“

RB Leipzigs Kevin Kampl über den neuen Trainer Marsch: „Jesse ist ein super Typ“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Kevin Kampl (li.) ist der älteste Spieler bei RB Leipzig - und hält viel von seinem neuen Trainer Jesse Marsch.
Kevin Kampl (li.) ist der älteste Spieler bei RB Leipzig - und hält viel von seinem neuen Trainer Jesse Marsch. © Christian Modla
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Kevin Kampl ist nicht nur der älteste Feldspieler der Roten Bullen und frisch verheiratet: Er ist auch vom neuen Trainer Jesse Marsch überzeugt. Guido Schäfer hat mit dem 30-Jährigen über seinen alten und neuen Coach, die EM und 67 Kilo pure Muskelmasse gesprochen.

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Leipzig. Er ist mit zarten 30 Jahren der älteste Feldspieler der Roten Bullen, nach wie vor behände wie ein Wiesel, kann mit beiden Beinen und dem Ball etwas anfangen, hat in 91 Pflichtspielen für RB Unverzichtbarkeit nachgewiesen. Den längsten Sommerurlaub aller Zeiten nutzte Kevin Kampl, um seinen in vielen Kämpfen malträtierten Körper auf Vordermann zu bringen. Und um seine langjährige Herzensdame Vanessa zu ehelichen. Wir haben mit der Nummer 44 über Liebe, Christian Eriksen, Rochaden auf der Trainerbank und Magen-Darm gesprochen.

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Beginnen wir mit einer Alt-Herren-Provokation. Glücklich verheiratet gibt es nicht. Entweder man ist glücklich oder verheiratet. Einwände, Herr Kampl?

Ja, Herr Schäfer, ich bin glücklich und verheiratet. Und meiner Frau geht das nach meiner Einschätzung genauso. Ich habe Vanessa viel zu verdanken, sie erdet mich, hält die Familie zusammen.

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Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. Zur Galerie
Kevin Kampl spielt bei RB Leipzig im zentralen Mittelfeld. ©

Otto Rehhagel hat bei Werder Bremen bevorzugt verheiratete Spieler verpflichtet. Wollen Sie nochmal weg?

Ich habe meinen Vertrag bis 2023 verlängert. Also: Nein, ich will nicht weg. Leipzig ist zu meiner zweiten Heimat geworden. Wir sind glücklich hier, haben noch viel vor.

Wie gut hat Ihnen die sechswöchige Auszeit getan?

Sehr gut, der Urlaub ist in den letzten Jahren deutlich zu kurz gekommen, war nach diesem intensiven Corona-Jahr super wichtig und willkommen. Wir haben Familie und Freunde besucht, auf Ibiza die Seele baumeln lassen, die Zeit genossen. Und ich habe in Solingen die beste Frau der Welt geheiratet. Weil sie mich eh gleich fragen werden: Ja, ich habe im Urlaub ab und zu ein Bier getrunken. Das hatte ich mir verdient.

Sind Sie der Fettleibigkeit anheimgefallen?

Ich habe meine Läufe gemacht, am Strand auch mal gegen einen Ball getreten und kein Gramm zugenommen. 67 Kilo, alles Muskeln (lacht).

Wie haben Sie die EM erlebt?

Christian Eriksen steht über allem, er ist Gott sei Dank bei uns geblieben und es geht ihm wieder einigermaßen gut.

Italien ist der verdiente Europameister?

Ja, ihr Spiel und Auftreten war ein Statement. Auch wenn sie gegen Spanien mit Dani und Österreich mit Sabi (Sabitzer) und Konni (Laimer) Glück hatten. Den Dänen und Yussi hätte fast jeder den Titel gegönnt, ich ebenfalls. Der englische Elfmeter gegen Dänemark war keiner. Unglaublich, dass der in einem EM-Halbfinale gepfiffen wurde.

Dass aus der deutschen Todesgruppe keiner ins Viertelfinale gekommen ist, sagt uns was?

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Die nicht ganz so Großen wie Schweden, Dänemark oder die Schweiz haben gegenüber den Großen wie Portugal, Frankreich oder Deutschland aufgeholt. Das ist grundsätzlich ok, sorgt für mehr Spannung und enge Spiele. Nach dem Sieg gegen Portugal dachte ich, dass es weit gehen kann. Dann wurde es weniger, passiv, schleppend. Ich hätte Jogi Löw einen anderen Abgang gewünscht.

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Die zwei Jahre unter Julian Nagelsmann waren …

… überragend erfolgreich. Wir sind mit dem Ball viel stärker geworden, haben uns zweimal für die Champions League qualifiziert, haben es in Lissabon bis ins Halbfinale geschafft, sind Vizemeister geworden und das Pokalfinale erreicht. Da kann man stolz sein, das bleibt für immer.

1:4 im Pokal-Finale, 1:2 bei Union - das Ende der Ära Nagelsmann bleibt auch und war weniger erquicklich. Der Coach war sich nach der Niederlage gegen den BVB keiner Schuld bewusst. Hätte da etwas Demut gutgetan?

Wir Spieler standen auf dem Platz, nicht Julian. Über Aufstellung und Taktik kann man immer diskutierten. Vor allem hinterher, wenn es schiefgegangen ist. Wir haben mehr Fehler als Dortmund gemacht und zig Chancen liegenlassen. Julian ist ein sehr besonderer, außergewöhnlich guter Trainer. Er wird bei Bayern top erfolgreich sein.

Zurück zu den Wurzeln der wilden Balljagd, lautet das Motto unter Jesse Marsch. Gefällt Ihnen das?

Wir werden sicher nicht alles, was wir unter Julian gelernt haben, über Bord werfen, Lösungen gegen tief stehende Gegner sind und bleiben wichtig. Aber grundsätzlich habe ich rein gar nichts dagegen, wenn wir den Gegnern Raum und Zeit nehmen und blitzschnell nach vorne spielen. Nur verrücktes Pressing und vertikales Spiel geht nicht. Wenn wir einen guten Mix finden, werden wir uns nochmal steigern.

Marsch will Spaß und Ernsthaftigkeit miteinander verbinden. Haut das bisher hin?

Absolut. Es ist viel Power und Kommunikation im Training, es wird auch gelacht. Ich kenne Jesse aus seiner Zeit mit Ralf Rangnick. Er ist ein super Typ, hat sich in Salzburg klasse entwickelt, eine top Ansprache, einen guten Draht zu allen, motiviert, nimmt jeden mit. Er verlangt nur eines: dass wir mitmarschieren.

Kritik gibt es keine?

Natürlich gibt es die, aber immer in einer positiven Form, Jesse macht niemanden rund.

Wie glücklich sind Sie über die Verpflichtung von André Silva?

Sehr, André weiß, wo das Tor steht und wie man die Dinger rein macht. 28 Bundesliga-Tore können kein Zufall sein, er hat einen Riecher. Wir habe nicht nur gegen den BVB im Pokalfinale aus vielen hochkarätigen Chancen zu wenig gemacht. Wer sieht einen Spieler wie Silva nicht gern in seiner Mannschaft?

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Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. Zur Galerie
Der Kader von RB Leipzig bleibt (natürlich) nicht unverändert. Folgende Zugänge zur Saison 2021/22 stehen bereits fest. ©

Maxence Lacroix steht ante portas. Guter Mann?

Erstens: Da wissen Sie mehr als ich. Zweitens: Ja, ein sehr guter Innenverteidiger mit sehr viel Potenzial.

Sie fehlten unter der Woche wegen einer Magen-Darm-Geschichte. Sind Sie trotzdem fit für den Test gegen Alkmaar?

Ich habe einen Tag mein Innerstes nach außen gekehrt, danach fühlte ich mich wie neugeboren. Für 30 Minuten reicht es, schließlich habe ich wie alle Bock wieder auf dem Platz zu stehen!