02. Februar 2021 / 07:10 Uhr

Leipzig-Profi Klostermann freut sich aufs Pokal-Duell: "Bochum gehört in die Bundesliga!"

Leipzig-Profi Klostermann freut sich aufs Pokal-Duell: "Bochum gehört in die Bundesliga!"

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Klostermann
RB Leipzigs Lukas Klostermann ist nach seiner Verletzung noch nicht ganz bei 100 Prozent. © imago images
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Am Mittwoch empfängt RB Leipzig im Achtelfinale des DFB-Pokals den VfL Bochum. Im SPORTBUZZER-Interview erzählt Lukas Klostermann über seinen ehemaligen Verein, seine mehrwöchige Verletzungspause und die aktuelle Form der Mannschaft.

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Leipzig. Es gibt Dinge, die kann man nicht lernen. Beispielsweise Schnelligkeit. Den unglaublichen und heutzutage unglaublich wichtigen Speed hat RB-Ass Lukas Klostermann von seinem Vater, der 110-Meter-Hürdensprinter war. Die Erdverbundenheit hat der 24-jährige Nationalspieler dann wahrscheinlich von seiner Mutter. Der Ex-Bochumer Klostermann über das Pokal-Achtelfinalspiel gegen seinen früheren Verein (Mittwoch, 18.30 Uhr), eine Auszeit, die er zum Stählen des Bodys genutzt hat, Sprintvermögen, Karrierehöhepunkte, liegengelassene Punkte und soziales Engagement.

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SPORTBUZZER: Die 2021er-Bilanz weist zehn von 18 möglichen Punkten aus. Passen Aufwand und Ertrag zueinander?

Lukas Klostermann: Nicht ganz. Gegen Mainz haben wir sicherlich schon besser gespielt, auch Standards schon besser verteidigt. Und in Wolfsburg hätten wir die drei Punkte verdient gehabt.



Sie denken an Ihre Last-Minute-Flanke, die an Justin Kluivert und Yussuf Poulsen vorbeirauschte.

Ja. Wir könnten drei Punkte mehr haben, sind aber auch so in allen Wettbewerben gut unterwegs.

Das 1:0 gegen Leverkusen war

... verdient, wichtig und die richtige Antwort aufs Mainz-Spiel. Wir haben gezeigt, dass wir nach einer kleinen Delle sofort wieder da sind. Zumal Leverkusen eine Topmannschaft hat.

In welcher Hinsicht besteht Nachholbedarf?

Wenn wir gewinnen, obwohl wir nicht alle PS auf den Platz gebracht haben, haben wir den nächsten Schritt getan. Stark waren unsere 1:0-Siege in Stuttgart, gegen Union und Leverkusen. Es ist extrem wichtig, enge Spiele auf seine Seite zu ziehen.

DURCHKLICKEN: Lukas Klostermann bei RB Leipzig

2015 März: Klostermann im Zweikampf (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 März: Klostermann im Zweikampf (@GEPA Pictures) ©

Wohin geht die Reise in der Bundesliga?

Noch sind 15 Spiele zu spielen, und es liegt nicht in unserer DNA, den Bayern jetzt schon zum Titel zu gratulieren. Unser erstes und wichtigstes Ziel ist das Erreichen der Champions League. Wir spielen jetzt auf Schalke, gegen Augsburg und bei der Hertha, wollen unsere Position halten oder ausbauen.

Ihr Kollege Alexander Sörloth hat gegen Union und gegen Bayer wie gespielt?

Gut, er war wichtig für uns. Alex ist ein riesiger Kerl, er sieht vielleicht nicht schnell aus, ist es aber. Er gehört sogar zu den Schnellsten bei uns, kann die Bälle erstklassig festmachen und hat einen super Blick für den Nebenmann. Bei manchen Bewertungen kann ich nur den Kopf schütteln. Gegen Union hat er uns extrem geholfen und bekam Noten, als wenn er keinen Ball gesehen hätte.

Wie fit sind Sie aus ihrer mehrwöchigen Verletzungspause zurückgekommen? Gegen Leverkusen sah das nach 100 Prozent aus.

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Sagen wir 98,5, die restlichen 1,5 Prozent kommen mit der Praxis.

Gibt es einen Vorteil, den eine verletzungsbedingte Auszeit mit sich bringt?

Auf den ersten Blick: keinen. Auf den zweiten auch keinen. Aber ich hatte schon schlimmere Verletzungen, insofern war alles halb so wild. Auch wenn es nicht immer Spaß macht, im Kraftraum rumzuhängen.

Beine, Bauch, Becken, Po?

So ungefähr.

DURCHKLICKEN: Bisherige Auftritte von RB Leipzig im DFB-Pokal

29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. Zur Galerie
29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. ©

Wie viele Liegestütze schaffen Sie?

Erst Sie.

Alle.

Ich schaffe 50, 60 am Stück.

Wie ist das so, wenn man schnell wie ein geölter Blitz ist?

Ich bin lieber schnell als langsam. Aber die Schnelligkeit nutzt nichts, wenn man zu früh oder zu spät losrennt. Aufs Timing kommt es an.

Was sind Ihre persönlichen Top-Vier-Spiele?

Mein erstes Bundesligaspiel, das erste Mal Champions League, das Pokal-Finale gegen die Bayern, unser Sieg gegen Atletico in Lissabon. Atmosphärisch war das Endspiel in Rio bei den Olympischen Spielen unglaublich. Bei der brasilianischen Hymne hat das ganze Stadion vibriert, ich kriege heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke.

Harter atmosphärischer Schnitt: Wie ist die Kickerei ohne Fans?

Man sagt ja, dass man sich an alles gewöhnt. An Fußball ohne Fans will und kann ich mich nicht gewöhnen.

Der kürzeste Weg zu einem Titel ...

…ist der im DFB-Pokal, das ist mir bewusst.

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Und weil die Bayern raus sind, könnte das hinhauen, Herr Klostermann.

Die Bayern sind bei einem Zweitligisten rausgeflogen, Herr Schäfer.

Sie haben also alle Antennen ausgefahren gegen ihre alte Liebe aus Bochum.

Ja, haben wir, müssen wir. Bochum spielt eine Topsaison, steht völlig zurecht weit oben in der Tabelle. Das sieht jetzt trotz der Heimniederlage gegen Karlsruhe top aus, der VfL gehört in die Bundesliga. Bei allem Respekt vor den Bochumern: Wir möchten natürlich trotzdem weiterkommen.

Wie innig ist der Kontakt zum VfL?

Ich beobachte, wo und wie sie spielen, freue mich, wenn ich gegen alte VfL-Kollegen ran darf. So wie zuletzt gegen Danny Latza oder Andreas Luthe.

Wann reifte in Ihnen der Gedanke, Fußballprofi zu werden?

Ich war öfter Balljunge im Ruhrstadion, auch bei einem Spiel gegen die Bayern. Ich habe Arjen Robben den Ball zugeworfen und dachte: Gegen den will ich mal spielen. Hat funktioniert, mein Traum ist in Erfüllung gegangen. Auch meine bisherigen sechseinhalb Jahre Leipzig hätten nicht besser laufen können. Für mich persönlich und für den Verein. Ich bin ein Fan von RB geworden, wir haben uns fantastisch entwickelt. Eine einmalige Geschichte.

Ohne Geld war/ist alles nichts …

… aber ohne Know-how und Philosophie geht auch nichts.

Ihr Vertrag läuft bis 2024. Ist auch lebenslang Leipzig vorstellbar?

Karriereende in Leipzig? Grundsätzlich könnte ich mir das vorstellen, aber das ist noch lange hin. Ich bin ja erst 24.

Sie helfen bei der WE-Kick-Corona-Spendenaktion von Joshua Kimmich und Leon Goretzka mit, stehen auch der Leipziger Elternhilfe für krebskranke Kinder zur Seite. Eine Selbstverständlichkeit für Sie?

Absolut. Ich helfe gerne und aus Überzeugung. Wir Fußballer sind privilegiert, können im sozialen Bereich viel bewegen, viel Gutes tun.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!