16. März 2021 / 20:30 Uhr

RB Leipzigs Lena Güldenpfennig: Mit der Sprint-Taste gegen die eSports-Konkurrenz

RB Leipzigs Lena Güldenpfennig: Mit der Sprint-Taste gegen die eSports-Konkurrenz

Stefan Michaelis
Leipziger Volkszeitung
Lena Güldenpfennig kickt in der 2. Frauen-Bundesliga und der Virtuellen Bundesliga für RB Leipzig. Das E-Sport-Talent hat jetzt sein Debüt  in zwei Liga-Matches am Bildschirm gegeben.
Lena Güldenpfennig kickt in der 2. Frauen-Bundesliga und der Virtuellen Bundesliga für RB Leipzig. Das E-Sport-Talent hat jetzt sein Debüt in zwei Liga-Matches am Bildschirm gegeben. © RB Leipzig
Anzeige

Für die Bundesliga-Kicker von RB Leipzig ist die Meisterschaft noch drin. Das eSports-Team der Bullen, RBLZ Gaming, hat die Division Süd-Ost der Virtuellen Bundesliga bereits in der Tasche. Dass diese Meisterschaft weiblich ist, passt zum guten Omen: Mit Lena Güldenpfennig hat jetzt die erste weibliche E-Sportlerin neben Leverkusens Anna Klink ihre Premiere in der Liga gefeiert. Im Interview gibt sie Einblicke in ihre Fußball-Welt.

Anzeige

Leipzig. Vor dem letzten Divisions-Spieltag stand RBLZ Gaming Leipzig bereits als Meister fest. Mit einem 6:3 gegen die TSG Hoffenheim und einem 4:4 gegen den 1. FC Nürnberg holte das Team die letzten Punkte und kann selbstbewusst ins Finale der Liga Ende März gehen. Zum ersten Mal am Start: Lena Güldenpfennig (19) mit ihrem Trainer Daniel Fehr. Die verloren ihre Doppel zwar mit 0:1 gegen Hoffenheim und 2:6 gegen Nürnberg, doch die Tore für Leipzig schoss die junge Stürmerin. Das wird sie motivieren, denn im Interview wird ihre Begeisterung für den Sport sehr deutlich.

Anzeige

SPORTBUZZER: Wie sieht für Sie eine typische Trainingswoche als Spielerin der 2. Frauen-Bundesliga und als Team-Mitglied von RBLZ Gaming aus? Wie viel Zeit investieren Sie für beides?

Lena Güldenpfennig: In der Regel habe ich einmal pro Woche trainingsfrei, also schon ein gutes Programm (lacht). Das FIFA-Training koordiniere ich mit unserem Trainer Daniel Fehr. Es gibt keine festen Trainingszeiten, sondern wir sprechen uns immer ab, wann es zeitlich und auch inhaltlich am besten reinpasst. Denn neben dem realen und virtuellen Fußball gehe ich ja auch noch einer Ausbildung nach. Dementsprechend ist es schon manchmal ein Jonglieren mit den Zeiten und Aufgaben. Aber bisher habe ich es gut hinbekommen und versuche, zusätzlich zu vereinbarten Trainings-Sessions mindestens eine Stunde am Tag FIFA zu spielen.



Was sind Ihre Stärken und Schwächen beim virtuellen Kicken?

Mein Trainer würde sagen, dass man bei mir die Sprint-Taste abbauen müsste, weil ich immer alles auf Tempo setze und da manchmal dann zu hektisch bin (lacht). Das wiederum kann aber auch eine Stärke sein, da der Gegner damit oft nicht zurechtkommt. Ansonsten ist es schon ein Vorteil, dass ich aus dem realen Fußball komme und gut Räume und Spielsituationen erkennen kann.

… und welche sind es auf dem echten Rasen?

Ich muss noch viel am Körperlichen arbeiten, was mir im Zweikampf auf jeden Fall helfen würde. Meine Stärken sind aber vor allem die Übersicht und die Technik, weshalb ich dem Zweikampf auch gut aus dem Weg gehen kann (schmunzelt).

Können Sie vom virtuellen Spiel etwas für die 2. Bundesliga lernen und umgekehrt?

Ich denke, dass ich sowohl vom virtuellen als auch umgekehrt viel dazu lernen kann. Man kann beides sehr gut kombinieren und sich einiges abschauen. Dann kann man dies auch auf dem Rasen oder an der Konsole umsetzen. Das Agieren an der Konsole fördert auf jeden Fall die Handlungs- und Reaktionsschnelligkeit. Das schadet ja nicht auf dem richtigen Rasen.

Wie und wann sind Sie zum E-Sport gekommen, was waren Ihre ersten Wettbewerb-Games und was fasziniert Sie an der Electronic Arts‘ FIFA-Serie?

Ich habe drei Jahre lang in einem Internat gewohnt, wo jeder Fußballer FIFA gespielt hat. Irgendwann habe ich es dann auch ausprobiert und gemerkt, dass ich gar nicht so schlecht bin. Mein erstes eigenes FIFA war dann FIFA 15. Seitdem habe ich es gelegentlich gespielt und viel Spaß gehabt. 2020 habe ich dann mein erstes Turnier mitgespielt. Ein Charity-Turnier vom DFB, das ich auch mit meinem Team gewinnen konnte. Kurz danach kam auch der Anruf von RBLZGAMING, ob ich mir das ganze mal anschauen möchte. Lange überlegen musste ich da auch nicht und habe direkt zugesagt. FIFA ist einfach ein Spiel, das jeder kennt und das einen verbindet, da der Fußball allgemein ein Weltsport ist und jeder überall damit in Berührung kommt, ob aktiv oder passiv. Das macht es so besonders.

Es gibt Stimmen, die sagen: Eine Fußball-Simulation hat mit echtem Fußball nicht immer zu 100 Prozent zu tun. Die Torwart-KI war zum Beispiel lange Zeit ein Problem. Wie sehen Sie das?

Man muss immer sehen, dass das Spiel eine Simulation ist und es nie die Realität eins zu eins abbilden kann. In jedem Spiel gibt es kleine Fehler, Hacks oder sonstiges. Aber wenn man sich anschaut, wie sich die Spieleserie entwickelt hat, kann man schon sagen, dass man dem realen Fußball sehr nah kommt.

Was für Ambitionen haben Sie beim E-Sport, was sind Ihre persönlichen Ziele in der VBL und beim FIFA Club World Club und was sind die der Mannschaft?

Anzeige

Ich persönlich möchte einfach immer dazu lernen und mir einiges von meinen Teamkollegen abschauen. In der VBL möchte ich so viele Punkte wie möglich sammeln und Spaß haben. Ich glaube, die Ziele der Mannschaft sind klar, immer alles geben und so erfolgreich wie möglich sein. Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Sie sind die erste weibliche Gamerin in der VBL. Wie erleben Sie die Liga aus Frauenperspektive, machen Ihre Gegner einen Unterschied gegenüber männlichen Konkurrenten?

Insgesamt muss man sagen, dass viele Jungs mir noch einiges voraus sind, da ich auch noch nicht lange in der E-Sports Szene bin. Aber ich habe das Gefühl, dass ich immer mehr aufhole und mich gut entwickelt habe. Aber Training und wirklicher Wettkampf, so wie nun in der VBL, sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Genau diese Wettkampf-Erfahrungen werden mich weiterbringen.

Können Sie sich erklären, warum Sie zusammen mit Anna Klink von Bayer 04 Leverkusen die einzige weibliche E-Sport-Spielerin in der VBL sind, obwohl der Anteil der Spielerinnen im Casual-Gaming- und Core-Bereich in Deutschland insgesamt fast schon bei 50 Prozent liegt?

Ich denke, dass sich vielleicht noch nicht so viele Frauen getraut haben, ihr Talent zu zeigen. Und dann wahrscheinlich auch Angst haben, sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren, was ich persönlich sehr schade finde. Ich will vorangehen und anderen Frauen zeigen, dass sie sich nicht verstecken müssen, egal ob es sich um FIFA handelt oder jeder andere Bereich des Lebens.

Sie werden von Ihrem Trainer vor allem für die Offensiv-Skills gelobt. Was können Sie FIFA-Fans mit auf dem Weg geben: Wie wird man besser, und gibt es einen Trick, so richtig torgefährlich zu sein?

Zurzeit ist die „Bridge“ sehr gefährlich. Damit kommt man relativ leicht am Gegner vorbei, da er wie kurz „eingefroren“ ist. Allerdings ist das immer sehr Patch-abhängig und es sollte jeder selbst wissen, welche Tricks man wie und wann am besten beherrscht. Es gibt kein Patentrezept, man muss seinen eigenen Stil finden, das ist am wichtigsten.

Tipp: Die komplette SPORTBUZZER-Berichterstattung zur EM 2021 findest Du auch in der superschnellen EM-App von Toralarm. Und folge gerne @sportbuzzer auf Instagram!