27. Februar 2020 / 08:34 Uhr

RB Leipzigs Lukas Klostermann: „Wir sind längst nicht am Ende der Fahnenstange“

RB Leipzigs Lukas Klostermann: „Wir sind längst nicht am Ende der Fahnenstange“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
Lukas Klostermann kann sich vorstellen, länger bei RB Leipzig zu bleiben.
Lukas Klostermann kann sich vorstellen, länger bei RB Leipzig zu bleiben. © GEPA pictures
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Leipzigs Abwehr-Allrounder Lukas Klostermann ist heiß begehrt in halb Europa, macht RB im SPORTBUZZER-Interview aber trotzdem Hoffnung auf einen Verbleib. Außerdem spricht der gebürtige Westfale über Träume, ein Laufduell mit Timo Werner und sein defensives Vorbild.

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Leipzig. Er ist seit Sommer 2014 ein Roter Bulle, hat beim Umzug von der staubigen zweiten Liga ins Penthouse Champions League angepackt. Er kann links, rechts und innen verteidigen, ist höllisch schnell, steht auf den Wunschlisten von diversen Topclubs. Lukas Klostermanns RB-Bilanz vorm Heimspiel gegen europapokalgestresste Leverkusener (Sonntag, 15.30 Uhr): 156 Pflichtspiele, elf Tore, zehn Vorlagen. Klostermann, 23, über seine Lieblingsposition, Sprintduelle mit Timo Werner, Infight-Vorbild Willi Orban, Begehrlichkeiten anderer Clubs, Föhn und Regen.

Fallen wir gleich mal mit der Tür ins Haus: RB würde schrecklich gerne mit Ihnen alt werden und Ihren Vertrag ausweiten - laufzeittechnisch und finanziell. Wann geben Sie Ihr Ja-Wort?

Sie erfahren alles in allen Details – vor allen anderen.

Diverse Großclubs haben ihren Hut in den Ring geworfen. Hat RB Chancen auf weitere gemeinsame Jahre?

Natürlich hat RB Chancen. Ich spiele meine sechste Saison in Leipzig, wurde hier zum Bundesligaspieler und Nationalspieler. Es klingt, als wäre RB für Sie ein kleiner Club - für mich ganz sicher nicht.

DURCHKLICKEN: Lukas Klostermann bei RB Leipzig

2015 März: Klostermann im Zweikampf (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 März: Klostermann im Zweikampf (@GEPA Pictures) ©
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Gehen wir mal die Schlange stehenden Clubs durch. Borussia Dortmund liegt nah an Ihrer Herdecker Heimat, den Eltern, alten Freunden.

Geografisch haben Sie das richtig analysiert. Sie können sich weitere Nachfragen, zu welchen Clubs auch immer, sparen.

Dortmund wäre kein logischer Karriereschritt. Und in München würde ihr Lohn für eine Drei-Raum-Wohnung draufgehen. Und erst dieser schreckliche Föhn.

Föhn?

Warme, lähmende Winde. Die sind fast so schlimm wie der ewige Regen in England. Sie sollten trotz interessierter und interessanter Vereine in Leipzig bleiben.

Lassen Sie uns das an dieser Stelle abkürzen und festhalten, dass mich mit RB nach sechs gemeinsamen Jahren mehr verbindet als ein Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis.

Sieht man aktuell den besten Klostermann aller Zeiten?

Man sieht einen, der sich auf dem Platz wohl fühlt. Und einen, der – wie die gesamte Mannschaft – besser werden will.

Sie sind ein Star ohne Allüren und ohne wechselnde Frisuren. Sie sind freundlich, grüßen auch Normalsterbliche. Sind Sie aus der Zeit gefallen?

Nein, ich bin der Lukas Klostermann geblieben, der ich immer war, bin so erzogen. Und ich wüsste nicht, weshalb ich meine Umgangsformen und meinen Lebensstil ändern sollte, nur weil ich jetzt etwas bekannter bin und mehr Geld als mit 18 verdiene.

DURCHKLICKEN: Bilder vom RB-Training am 26. Februar 2020

Öffentliches Training von RB Leipzig am 26. Februar 2020, im Trainngszentrum am Cottaweg. Zur Galerie
Öffentliches Training von RB Leipzig am 26. Februar 2020, im Trainngszentrum am Cottaweg. ©

Sie können in der Abwehr jede Position spielen und tun das bei RB auch. Welche kommt Ihrem Gusto am nächsten?

Meine Lieblingsposition ist auf dem Platz.

In der Innenverteidigung muss man viel weniger rennen als als offensiver Außenverteidiger.

Ich komme auch innen auf über elf Kilometer pro Spiel, unsere Spielweise lässt kein Abschalten oder Ausruhen zu.

Wie oft schaut der innere Schweinehund im Spiel vorbei und flüstert: Bleib‘ stehen, Lukas, Du hast einen 200er Puls!

Kommt vor. Da muss man sich durchbeißen.

Wie kann es sein, dass RB drei Tage nach Tottenham und unausgeschlafen die ausgeruhten Schalker 5:0 ans Brett nagelt?

Wir sind jung, ehrgeizig und haben uns an die Englischen Wochen gewöhnt. Und deshalb ist es ein Trugschluss anzunehmen, dass Leverkusen nach dem Spiel in Porto (Donnerstag, 18.55 Uhr; Red.) in Leipzig auf dem Zahnfleisch läuft.

Was hilft beim Regenerieren außer Jugend und Elan?

Eisbad, Sauna, Whirlpool, Massagen, Lymphamat (Venen und Lymphgefäße werde via Kompression unterstützt; Red.).

Was müsste passieren, um die Saison 2019/2020 ins Herz zu schließen?

Wenn wir uns wieder für die Champions League qualifizieren und das Rückspiel gegen Tottenham erfolgreich gestalten, wäre das schon großartig. Aber warum sollten wir nicht träumen von Dingen, die man anfassen und in die Luft strecken kann? Träumen ist erlaubt. Darüber darf man aber nicht die Faktoren für Erfolg vergessen. Unser Spiel sieht im Idealfall leicht aus, basiert aber auf harter Arbeit, ständigen Wiederholungen und Selbstkritik. Wir sind längst nicht am Ende der Fahnenstange. Unser Coach hat selbst nach dem 5:0 auf Schalke das ein oder andere Haar in der Suppe gefunden.

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Haben Sie schonmal ein Laufduell gegen Timo Werner verloren?

Habe ich, ja. Er ist auf den ersten Metern brutal schnell.

Auf 30 Meter sind Sie schneller.

Kann sein, dass ich Timo nach 25 Metern einhole. Da liegt der Ball aber schon im Netz.

Wer ist Ihr Vorbild in Sachen Kopfballstärke und Härte in den Zweikämpfen?

Willi Orban. Willi ist unglaublich geschickt bei den direkten Duellen. Und an ihm tust du dir immer weh.

Ihr langjähriger Teamkollege Diego Demme hat just mit Neapel 1:1 gegen Messi und den FC Barcelona gespielt. Freuen Sie sich mit ihm?

Ja, er liebt Neapel und Gennaro Gattuso, hat sich einen Traum erfüllt. Diego ist der Teamplayer schlechthin. Er hat viel für RB geleistet und sich diese neue Herausforderung verdient.

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