25. April 2018 / 07:58 Uhr

RB Leipzigs Marcel Halstenberg: „Ich will stärker zurückkommen“

RB Leipzigs Marcel Halstenberg: „Ich will stärker zurückkommen“

Guido Schäfer
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs Verteidiger Marcel Halstenberg wird von seinen Teamkollegen schmerzlich vermisst.
RB Leipzigs Verteidiger Marcel Halstenberg wird von seinen Teamkollegen schmerzlich vermisst. © GEPA Pictures / Montage
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Der verletzte Verteidiger der Roten Bullen befindet sich nach einem Kreuzbandriss in der Reha. Halstenberg vermisst den Fußball, die Kabine und brennt auf ein Comeback.

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Leipzig. 10. November 2017, der bis dato schönste Tag in der Karriere des Marcel Halstenberg. Der Profi der Roten Bullen debütiert in der Nationalmannschaft. Und der Linksverteidiger debütiert nicht in einer x-beliebigen Hütte dieser Welt, sondern im legendären Wembley-Stadion. Halstenberg schwebt nach prächtiger Leistung beim 0:0 auf Wolke 7, katapultiert sich auf der in Deutschland seit ewigen Zeiten problembehafteten Position zum aussichtsreichen WM-Kandidaten. Am 23. Januar 2018 platzt der Traum von Russland und der von einer segensreichen Rückrunde mit den Rasenballern. Der 26-Jährige reißt sich nach einem Trainingsunfall mit dem ebenso bulligen wie unschuldigen Jean-Kevin Augustin das vordere Kreuzband, wird von Dr. Heinz-Jürgen Eichhorn (Straubing) operiert. Halstenberg über eine SMS von Jogi, harte Arbeit mit Reha-Coach Frank Roßner, seine Vertragsverlängerung bis 2022 und den Stand der Dinge auf der Bullenweide.

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2015 September: Halstenberg spielt für RB (@GEPA Pictures) Zur Galerie
2015 September: Halstenberg spielt für RB (@GEPA Pictures) ©

Wie ist das werte Befinden, Herr Halstenberg?

Sehr gut. Ich liege voll im Plan, steigere das Pensum täglich.

Wie sieht Ihr operiertes linkes Knie aus?

Fast genauso schön wie das rechte. Die Narben sind winzig, man sieht sie fast nicht.

Und innen drin ...

... ist auch alles so wie es sein soll. Ich komme gerade von Frank Striegler (RB-Arzt, Red.), er ist sehr zufrieden.

Was dürfen Sie drei Monate nach dem Unfall so alles tun?

Ich pendele zwischen Kraftraum und Rasen, kann problemlos leichte Läufe und Sprünge absolvieren. Mein Reha-Trainer Frank Roßner ist 24 Stunden am Tag für mich da. Ein Top-Mann.

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Sind Sie zum Trainingsauftakt Anfang Juli dabei?

Das wäre mein und unser Wunsch, ist aber ein ambitioniertes Ziel. Wenn es zum Auftakt klappt, würde sich meine Teilnahme zunächst auf die Laufeinheiten beschränken.

Haben Sie Befürchtungen, dass Ihre große Stärke, die Dynamik, gelitten haben könnte?

Nein, im Gegenteil. Der einzige Vorteil der Verletzung ist, dass man sich komplett neu aufbaut, an allen Muskelketten und der Stabilität grundlegend arbeiten kann. Ich will stärker zurückkommen als ich war.

Wie groß war/ist die Anteilnahme nach Ihrer Verletzung?

Riesig, das hat mir sehr geholfen.

Stimmt es, dass sich auch der Bundestrainer gemeldet hat?

Ja, Herr Löw hat mir alles Gute für die Operation gewünscht.

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Marcel Halstenberg bei seinem Debüt im Deutschland-Trikot (2) (Imago) Zur Galerie
Marcel Halstenberg bei seinem Debüt im Deutschland-Trikot (2) (Imago) ©

Inmitten Ihrer Reha haben Sie Ihren Vertrag bei RB bis 2022 verlängert. Befördert Sicherheit an dieser Front die Gesundung?

Der Verein und ich haben jetzt Planungssicherheit. Und natürlich ist es auch ein Vertrauensbeweis, wenn der Club ein paar Wochen nach meiner Verletzung den Vertrag verlängert.

Sie sind bei allen Heimspielen dabei. Wie fühlt sich das an?

Ich vermisse den Fußball, die Jungs, die Fans, die Kabine. Wir haben zuletzt viele Tore bekommen, da würde ich natürlich sehr gerne helfen.

Wie beurteilen Sie insgesamt den Stand der Dinge?

Wenn mir einer vor der Saison gesagt hätte, wir kommen ins Viertelfinale der Europa League und qualifizieren uns erneut für einen internationalen Wettbewerb, hätte ich das sofort unterschrieben.

Aktuell fühlt es sich aber anders an.

Wir waren lange ganz oben dabei, haben natürlich von der Champions League geträumt. Und dass wir momentan angefressen über die letzten Ergebnisse sind, ist doch völlig klar. Aber die Saison ist noch nicht beendet, es ist noch einiges möglich. Am Sonntag geht es nach Mainz. Die brauchen wie wir jeden Punkt.

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Dürfen Sie das böse D-Wort – Doppelbelastung – in den Mund nehmen?

Warum nicht? Wir haben jetzt schon 45 Pflichtspiele in den Beinen. Damit musste und muss man umgehen, das war für uns alle learning by doing.

Emil Forsberg ist drei Spiele gesperrt worden. Zu lang, zu kurz?

Zu lang, für mich war das eher ein Losreißen als eine Tätlichkeit.

Wie stark/schwach wird der RB-Kader sein, wenn Ihr Europa verpasst?

Erstens: Wir verpassen Europa nicht. Zweitens: Ich habe großes Vertrauen in die handelnden Personen. Die haben schon immer klar gesagt, dass kein Stammspieler abgegeben wird. Und daher bin ich mir sicher, dass sie wieder einen klasse Kader zusammenstellen werden.

Per Mertesacker war es kurz vorm Anpfiff immer speiübel. Wie ging es Ihnen beispielsweise in der Kabine im Wembley-Stadion vor Ihrem ersten Länderspiel?

Gut. Ich war konzentriert, habe das als positiven Druck wahrgenommen und mich auf den Anpfiff gefreut.