25. Oktober 2021 / 12:34 Uhr

RB Leipzigs Marsch fordert Pokal-Mentalität "Wenn der Favorit nicht bereit ist, kriegt er immer Ärger"

RB Leipzigs Marsch fordert Pokal-Mentalität "Wenn der Favorit nicht bereit ist, kriegt er immer Ärger"

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Duell der Torjäger: Daniel Frahn und Yussuf Poulsen.
Duell der Torjäger: Daniel Frahn und Yussuf Poulsen. © dpa / Getty Images
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Dass Gastspiele bei deutlich niederklassigeren Clubs für die Favoriten ihre Tücken haben (können), hat der DFB-Pokal schon oft bewiesen. RB Leipzig bekommt es beim SV Babelsberg 03 mit genau so einem Kontrahenten zu tun. Jesse Marsch fordert deshalb von seinen Jungs vor allem eines: Mentalität. Wer die nicht zeige, werde am Dienstag nicht aufgestellt, stellte der Coach des Bundesligisten vorab klar.

Leipzig. Im Grunde könnte RB Leipzig am Dienstag ganz beruhigt zum DFB-Pokal-Gastspiel beim SV Babelsberg 03 fahren (18.30 Uhr, Sky). Denn zumindest Coach Jesse Marsch hat in Sachen Pokal eine blendende Bilanz. "Ich habe in den vergangenen drei Jahren da nur ein Spiel verloren", sagte der 47-Jährige am Montag nicht ohne Stolz. Dass seine Kicker allerdings schlecht beraten wären, wenn sie sich ausschließlich darauf verlassen, schob der US-Amerikaner, der in seinen zwei Jahren in Salzburg jeweils den österreichischen Pokal gewonnen hatte, natürlich auch noch postwendend nach. "In so einem Wettbewerb geht es auch um Emotionen. Wenn der Favorit da nicht bereit ist, kriegt er immer Ärger."

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Frahn "sicher größerer Teil unseres Matchplans"

Bereit zu sein, Mentalität zeigen, ist also die zentrale Anforderung für die Elf des Erstligisten beim sportlichen Besuch in der Filmstadt. Heißt: Willens, die nötigen Extra-Meter zu machen, auch und vor allem dann, wenn die Gegenwehr es mühsam macht und sich die Gastgeber nicht einfach so überrollen lassen. Grundlage dafür: "Die Jungs müssen verstehen, dass dieses Spiel und dieser Wettbewerb wichtig für den Verein und auch für sie selbst sind. Denn es ist eine gute Möglichkeit, eine Trophäe zu holen." Nicht umsonst heißt es oft (und zu Recht): Der kürzeste Weg zu einem Titel ist der DFB-Pokal. Sechs Siege braucht es, um am Ende in Berlin zu feiern.

DURCHKLICKEN: Bisherige Auftritte von RB Leipzig im DFB-Pokal

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29.07.2011: Regionalligist RB Leipzig gibt sein Debüt im DFB-Pokal. Und was für eins! Zu Gast ist Bundesligist VfL Wolfsburg. Der haushohe Favorit fährt geschlagen nach Hause. 3:2 gewinnen die Leipziger. Held des Abends ist Daniel Frahn, der alle drei Tore erzielt. ©

In Babelsberg geht es erst einmal um den zweiten. Man werde die Hausherren auf keinen Fall unterschätzen. "Sie haben Fürth geschlagen. Wir haben am Wochenende gesehen, dass das nicht so einfach ist", gab Marsch zu Bedenken. Gegen die Kleeblätter brauchte es nach einer desolaten ersten Hälfte viel Einfühlungsvermögen des Trainers in der Pause sowie einige personelle Umstellungen, um doch noch den letztlich klaren 4:1-Sieg einzufahren. "Wir haben Respekt vor Babelsberg", so der Coach, dessen Augenmerk vorab natürlich auch auf Torjäger Daniel Frahn liegt. Leipzigs ehemaliger Kapitän trägt seit Januar 2020 das Trikot der Brandenburger, hat von seinem bei RB einstmals so geschätztem Torriecher wenig eingebüßt. In der laufenden Saison traf der 34-Jährige in 18 Pflichtspielen immerhin zwölfmal. "Er ist sicher ein größerer Teil unseres Matchplans" , verriet Marsch.

Den öffentlichen Hinweis, dass der Pokal seine eigenen Gesetze habe, sparte sich der US-Amerikaner zwar. Dennoch schickte er eine Warnung an seine Kicker. "Diese Spiele können immer ein bisschen verrückt sein. Für den Gegner oder einige seiner Spieler ist es vielleicht das Spiel des Lebens. Und es gibt keinen VAR." Seine Elf werde Disziplin und Konzentration brauchen. "Es ist eine Leistung auf den Punkt nötig."

Martinez im Tor, Hoffen auf Laimer

In der Startelf würden deshalb auch nur die stehen, die "am meisten bereit" sind, genau diese Mentalität mitbringen. Klar ist bereits: Statt Peter Gulacsi wird Josep Martinez im Tor stehen. Mit der Ligazugehörigkeit des Gastgebers, habe das rein gar nichts zu tun. "Josep hat genauso sehr gut trainiert und eine Chance auf dem Platz verdient, genauso wie Hugo Novoa am Samstag", so Marsch. Der erst 18-jährige Stürmer hatte gegen Fürth mit gefühlt seinem ersten Ballkontakt das 4:1 erzielt. Im Angriff wird wohl Yussuf Poulsen von Beginn an spielen.

Definitiv nicht mit nach Babelsberg reisen werden Marcel Halstenberg und Lukas Klostermann. Auch für Dani Olmo und Brian Brobbey kommt die Partie noch zu früh. "Sie sind aber ein Thema für Samstag in Frankfurt, zumindest für die Bank", so Marsch. Fraglich ist außerdem der Einsatz von Konrad Laimer, der gegen Fürth überraschend wegen muskulärer Probleme im Aufgebot gefehlt hatte. Der Österreicher gilt als absoluter Mentalitätsspieler, wäre mithin eigentlich gesetzt für das Pokalduell. Seinem Trainer ist das wohl bewusst. "Es sieht nicht so schlecht aus. Er wird hoffentlich dabei sein."


Apropos Mentalität: Auf die Frage, welchen Titel er der Partie am Dienstag geben würde, wenn sie ein Film wäre, antwortete Marsch nach längerem Überlegen "Bring it" (übersetzt: Bring es!). "Es wäre dann wohl ein Cheerleader-Film."