28. April 2021 / 18:46 Uhr

RB Leipzigs Mintzlaff nimmt Frust der Fans nach Nagelsmann-Wechsel "sportlich"

RB Leipzigs Mintzlaff nimmt Frust der Fans nach Nagelsmann-Wechsel "sportlich"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
DUESSELDORF,GERMANY,14.DEC.19 - SOCCER - 1. DFL, 1. Deutsche Bundesliga, Fortuna Duesseldorf vs RasenBallsport Leipzig. Image shows CEO Oliver Mintzlaff (RB Leipzig). Photo: GEPA pictures/ Sven Sonntag - DFL regulations prohibit any use of photographs as image sequences and/or quasi-video - For editorial use only. Image is free of charge.
Oliver Mintzlaff versteht den Unmut der Fans, denkt aber nicht, dass RB Leipzig mit dem Abgang von Trainer Julian Nagelsmann den Kurs verloren hat. © GEPA pictures/ Sven Sonntag
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Die Fans von RB Leipzig zeigen wenig Verständnis für den Wechsel von Julian Nagelsmann zum FC Bayern. Vor allem deshalb, weil RB im viel gerühmte Drivers Seat saß, eigentlich auch hätte „Nein“ sagen können. Die Kritik versteht Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Bei einer Fan-Videokonferenz verteidigte er die Entscheidung vor den Anhängern.

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Leipzig. „Jetzt stehen wir kurz davor, eine Rekordsaison hinzulegen, den zweiten Tabellenplatz in der Bundesliga weiter zu verteidigen und möglicherweise und hoffentlich den ersten Titel der Vereinsgeschichte zu uns holen.“ So fasste Oliver Mintzlaff, Geschäftsführer, Vorstandschef und nun auch Sportdirektor bei RB Leipzig, am Mittwoch bei einer Fan-Videokonferenz die bislang sehr erfolgreiche Saison der Roten Bullen unter Trainer Julian Nagelsmann zusammen. Drei Tage vor dem so wichtigen Spiel im DFB-Pokal-Halbfinale beim SV Werder Bremen hatten die Leipziger aber verkünmdet, dass eben dieser nicht mehr lange an der Pleiße verweilen wird und schon die Koffer Richtung Isar packt. „Natürlich fragt sich dann jeder Fan und alle, die sich für Fußball interessieren, warum wir ihn ziehen lassen und vor dem FC Bayern einknicken.“

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Ausstiegsklausel stand außer Frage

Tatsächlich reagierten die Anhänger der Roten Bullen auf die Neuigkeiten rund um den Coach mit Wut und Enttäuschung. Die Verantwortlichen hätten demnach bei der N-Frage die Möglichkeit gehabt, dem Rekordmeister die Stirn zu bieten und ihre ambitionierten Ziele so zu unterstreichen. „Das mag alles richtig sein“, räumte Mintzlaff ein. „Das sind emotionale Aspekte, die auch bei uns aufgekommen sind.“ Aber die Emotionen seien nicht das einzige, was die Leipziger Bundesligisten zu der Entscheidung bewegt habe. „Wir mussten überlegen, was es mit dem Trainer macht, wenn wir ihm die Möglichkeit und diesen Traum, den er hat, verweigern. Diesen Wunsch hat er mir fairerweise auch schon bei den ersten Gesprächen vor seiner Verpflichtung bei uns mitgeteilt.“

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Damals sei Mintzlaff hart geblieben, sagte er den Fans bei der Videokonferenz, denn für RB Leipzig sei nicht in Frage gekommen, in Nagelsmanns Vertrag eine Ausstiegsklausel einzubauen. „Für uns war auch nicht vorstellbar, einen Vertrag über nur drei Jahre abzuschließen. Das hat uns letztlich die Rekordablöse für ihn eingebracht. Anders als andere Vereine, die ihre Trainer gegebenenfalls nach zwei Jahren für fünf Millionen verlieren“, erklärte Mintzlaff die Beweggründe.



Dennoch: „Ich will nicht sagen, dass wir enttäuscht sind, aber wir sind traurig, dass diese Ära nach zwei Jahren zu Ende geht, weil wir den Weg mit Julian auch sicherlich weiter erfolgreich gestaltet hätten.“ Auf der anderen Seite stehe aber die Pflicht des Clubs, allen Fans, Mitarbeitern und dem gesamten Verein gegenüber, nicht den Kopf in den Sand zu stecken. „Wir sind weiter extrem stabil aufgestellt, haben gute Leute bei uns, haben tolle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, fantastische Fans, die hoffentlich zur neuen Saison ins Stadion können. Und vor allem haben wir einen fantastischen Kader, der nicht auseinander bricht“, versicherte Mintzlaff.

Anti-Mintzlaff-Plakate wären "nachvollziehbar"

Von den Fans wünsche er sich Vertrauen für die Arbeit. Schließlich sei RB trotz verschiedenster Abgänge – angefangen von Trainer Ralph Hasenhüttl bis hin zum Verkauf von Dayot Upamecano an die Bayern – jedes Jahr stärker zurückgekommen und habe immer einen draufsetzen können, betonte der Geschäftsführer. „Ich bin davon überzeugt, dass wir uns auch in der kommenden Saison weiterentwickeln und nicht unsere ambitionierten Ziele runterschrauben. Wir putzen jetzt den Mund ab. Schließlich gehört es zum Fußball dazu, dass solche Personalentscheidungen getroffen werden.“

Für den Frust der Anhänger hat Mintzlaff aber auch Verständnis, der könne auch bei den Anhängern bleiben. „Ich hätte auch kein Problem damit gehabt, wenn wir am Wochenende ein Spiel mit Zuschauern hätten, und der eine oder der andere von euch hätte ein Plakat mit der Aufschrift ‚Mintzlaff rausʻ oder ‚Fehlentscheidungʻ hochgehalten. Das gehört alles dazu, ich nehme das sportlich und kann es emotional nachvollziehen.“ Die Aufgabe des Vereins sei es aber, "das Schnellboot RB Leipzig weiter in die richtige Richtung voranzubringen". „Ich denke nicht, dass wir den Kurs verloren haben. Wir können in der kommenden Saison sicherlich noch ein bisschen Geschwindigkeit draufpacken. Daher bedanke ich mich für euer Vertrauen.“