02. August 2018 / 07:36 Uhr

RB Leipzigs Mvogo schöpft nach schwerster Saison seines Lebens neuen Mut

RB Leipzigs Mvogo schöpft nach schwerster Saison seines Lebens neuen Mut

Anne Grimm
Leipziger Volkszeitung
Yvon Mvogo wechselt zur kommenden Saison zu RB Leipzig. Er kommt vom Schweizer Erstligisten Young Boys Bern in die Messestadt und unterschrieb für vier Jahre.
Yvon Mvogo startet mit neuem Elan in die neue Saison. © imago
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Yvon Mvogo ist ein Sprachtalent, kann bei RB Leipzig mit Spielern aller zehn Nationen kommunizieren. Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht der Torhüter über die schwierigste Saison seines Lebens mit nur einem Pflichtspiel sowie die fehlende Kommunikation mit Ex-Trainer Ralph Hasenhüttl.

Seefeld. Vor dem Telefonat im Sommer mit dem neuen Coach Ralf Rangnick war dem 24-Jährigen nach einem Wechsel zu Mute. Seit dem Gespräch hat der Schweizer Nationalspieler wieder neue Hoffnung. Er benötigt nun vor allem Spielpraxis.

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Es sieht nicht immer nach Spaß aus im Trainingslager in Tirol. Nach den Sprintübungen sind Sie erschöpft zu Boden gesunken. Sind Torhüter keine Konditionstypen, oder ist das der Rückstand nach der WM und dem anschließenden Urlaub?

„Auf meiner Position musst du fit sein. Aber an solche Läufe bin ich nicht so gewöhnt. Ich bin ein Tormann und kein Sechser. Solche Sachen gehören natürlich dazu, aber danach war ich einfach kaputt.“


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Tag Fünf: RB Leipzig im Trainingslager in Seefeld Zur Galerie
Tag Fünf: RB Leipzig im Trainingslager in Seefeld ©

Welche Erinnerungen bringen Sie vom ersten Turnier mit der Schweizer A-Nationalmannschaft mit?

„Es war super dabei zu sein und hat mir viel Energie gegeben. Wir hatten großes Potential und haben das auch gezeigt. Wenn man die Spiele von der Bank aus sieht, träumt man natürlich auch von einem Einsatz. Nicht so viele Fußballer erleben eine WM.

Bei RB Leipzig sind Sie einer der wenigen, der gut Deutsch und Französisch spricht. Wird man dadurch automatisch auch Dolmetscher?

„Ja, irgendwie schon. Weil ich nicht nur diese zwei Sprachen fließend, sondern auch Englisch, Portugiesisch und Spanisch spreche. Ich kann mit jedem Spieler in der Mannschaft kommunizieren.“

Im Sommer sind ein Brasilianer und ein Uruguayer hinzugekommen. Wird die Kommunikation schwieriger bei inzwischen zehn verschiedenen Nationen im Team?

„Diese Spieler bringen einfach Freude. Celo (Marcelo Saracchi) singt und lacht ständig. Matheus (Cunha) ist wie ein kleiner Bruder für mich, redet viel und ist ein Gute-Laune-Typ. Es ist auch ein Vorteil, wenn viele Leute aus verschiedenen Ländern kommen. Es macht die Mannschaft stärker.“

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Wie entscheiden Sie, wann sie mit wem welche Sprache sprechen?

„Es kommt darauf an, wer zu mir kommt. Mit Pete (Gulacsi) rede ich manchmal auch Englisch. Bei Bruma weiß ich ganz genau, wir sprechen nur Englisch. Mit Matheus und Marcelo spreche ich gern Spanisch, um mich zu verbessern. Aber bald sprechen wir alle Deutsch, das ist das Ziel.“

Also könnten Sie nach der Karriere auch Dolmetscher werden?

„Ja, das wäre auf jeden Fall eine Idee.“

Aber Sie sind noch jung und wollen als Torhüter etwas erreichen. Gulacsi hat die Trikotnummer eins bekommen. Wie gehen Sie nach der harten letzten Saison, in der Sie nur ein Spiel absolvieren durften, damit um?

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„Für mich war das letzte Jahr nicht leicht, weil ich gekommen bin, um zu spielen. Das muss für jeden der Anspruch an sich selbst sein. Aber der Ex-Coach hatte sich für Pete entschieden, weil er seine Sache auch gut gemacht hat. Jetzt fängt wieder eine neue Saison an. Da ist es egal, ob du die Nummer 1 oder die Nummer 100 trägst. Pete hat schon einen kleinen Vorsprung. Aber ich werde jeden Tag Gas geben und dem Trainer zeigen, dass er auf mich setzen kann. In jeder Situation.“

Gab es vom Trainer ein Zeichen, dass Sie Ihre Chance kriegen?

„Ich habe natürlich gesagt, dass ich mehr Spiele bekommen möchte. Wenn das nicht der Fall wäre, wäre die Zukunft für mich schwierig geworden. Ich habe mit Ralf Rangnick telefoniert, bevor ich von der WM zurückgekommen bin. Er hat gesagt, er ist von mir überzeugt. Ich bin jetzt hier, um zu zeigen, dass er auf mich setzen kann. Ich bin gespannt, was passiert.“

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Der Schweizer Yvon Mvogo ist RB Leipzigs dritter Torwart. Zur Galerie
Der Schweizer Yvon Mvogo ist RB Leipzigs dritter Torwart. ©

Rangnick hat gesagt, dass er zwischen den Wettbewerben rotieren möchte. Gilt das auch für die Torhüterposition? Also wird es einen Keeper in der Bundesliga und einen in der Europa League geben?

„Was wir genau besprochen haben, bleibt unter uns. Aber ich kann sagen, dass ich nicht umsonst hier bin. Ich werde jeden Tag alles geben, muss jetzt wieder in den Rhythmus kommen. Ich habe schon lange keine 90 Minuten absolviert.“

Bleiben Sie in dieser Saison definitiv bei RB Leipzig?

„Ich bin da.“

Bleibt das so oder hängt es davon ab, ob sich der Verein für die Europa League qualifiziert?

„Ich bin hier und habe einen Vertrag. Ich bin fokussiert, mein Kopf ist hier. Ich möchte für die Mannschaft Vollgas geben und werde meinen Job machen. Ich bin nicht gekommen, um Ferien zu machen und wieder die ganze Saison auf der Bank zu sitzen.“

Wie sehr spürt man, in einem Jahr nur einmal 90 Minuten gespielt zu haben? Ist Unsicherheit ein Thema?

„Unsicher wird man nicht. Aber ein Torhüter braucht einfach Spielminuten, um seine Positionierung und andere Kleinigkeiten besser einschätzen zu können. Das fehlt mir momentan. Aber ich freue mich auf die nächsten Spiele, um mir diese Kleinigkeiten wieder zu erarbeiten. Das letzte Jahr war sehr schwer für mich. Wir hatten etwa 50 Spiele und ich hatte nur eins davon. Ralph Hasenhüttl hatte seine Mannschaft im Kopf. Er mochte Pete, ich konnte das verstehen, aber auf Dauer war es schwer, das immer zu akzeptieren.“

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Worüber waren Sie am meisten enttäuscht? Die wenigen Spiele oder die Kommunikation mit Ralph Hasenhüttl?

„Beides war nicht so optimal. Meist hat mein Torwarttrainer mit mir gesprochen, aber für ihn war es auch schwer. Mit dem Coach habe ich kaum geredet. Obwohl ich jeden Tag Vollgas gegeben habe. Am Schluss bin ich auch ein Mensch und Fußballer und möchte einfach spielen. Aber das ist die Vergangenheit. Ich schaue jetzt in die Zukunft und die neue Saison.“

War es die bisher schwierigste Saison Ihrer Karriere?

„Ja.“

Wie haben Sie sich motiviert?

„Ich habe viel mit meiner Familie, meinem Berater und Freuden telefoniert. Sie haben mir im mentalen Bereich sehr geholfen. Sonst wäre es für meinen Kopf schwer geworden.“

Wie ist die Arbeit unter dem neuen Trainerstab?

„Ich bin mit dem neuen Team sehr zufrieden. Alle sind super Typen. Ich merke schon eine Veränderung. Jeden Tag, wenn ich auf dem Platz bin, spüre ich, dass die Chancen eher 50 zu 50 sind. Das gibt dir noch mehr Motivation zu zeigen, was du kannst.“