02. April 2020 / 07:28 Uhr

RB Leipzigs Nachwuchsleiter Kegel: „Mir fehlt der direkte Kontakt zu den Spielern“

RB Leipzigs Nachwuchsleiter Kegel: „Mir fehlt der direkte Kontakt zu den Spielern“

Thomas Fritz
Leipziger Volkszeitung
Sebastian Kegel
RB-Nachwuchsleiter Sebastian Kegel hofft, dass das Mannschaftstraining ab Mai wieder aufgenommen wird. © GEPA Pictures
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Sebastian Kegel ist seit 2019 „Leiter Sport Nachwuchs“ bei RB Leipzig. Der 37-Jährige aus Borna spricht im Interview über das Stimmungsbild bei den RB-Junioren, die Organisation von Heim-Training in der Corona-Pause und warum es für die Sportlerinnen und Sportler auch eine Chance sein kann, individuell zu arbeiten.

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Wie ist das Stimmungsbild im Nachwuchs angesichts der Corona-Pandemie?

Die Spieler gehen sehr verständnisvoll mit der Situation um. Sie freuen sich auf der einen Seite, bei ihren Familien zu sein, auf der anderen Seite sind sie natürlich ungeduldig und wollen wieder trainieren.

Ist jemand an Corona erkrankt? Befinden sich Spieler oder Trainer in Quarantäne?

Aktuell ist uns nichts dazu bekannt.

Ruht das Mannschaftstraining für alle Nachwuchsteams?

Ja, das Mannschaftstraining ist ausgesetzt, aber wir haben altersgerechte freudbetonte Hausaufgaben für alle Jahrgangsstufen ausgegeben.

Wie wird das individuelle Training organisiert?

Es gibt ständigen Kontakt zwischen Trainern, Pädagogen und den sportlichen Leitern mit den Spielern, per WhatsApp, Facetime oder anderen Video-Telefonie-Diensten. Die Spieler haben athletische und schulische Aufgaben erhalten. Sie sollen sich mit Fußball beschäftigen, beispielsweise mit der Analyse von Champions-League-Spielen, aber auch mit anderen Themen wie Kommunikation. Zudem sind in einigen Mannschaften Kreativ-Challenges ausgerufen, bei denen die Spieler mit dem Ball einen kurzen kreativen Videoclip drehen, wobei der Beste am Ende prämiert wird. Diese Woche wird es eine interaktive Fitnesseinheit mit der U19 geben, ein Trainer wird per Live-Stream zugeschaltet und die Spieler führen die Übungen gemeinsam durch.

Werden Fitnesswerte kontrolliert?

Ja, die Spieler ab dem Großfeldbereich laden online ihre Laufwerte hoch.

Gibt es Sanktionen, wenn jemand die Vorgaben nicht erfüllt?

In der jetzigen Zeit setzen wir auf Kommunikation mit den Spielern, in der Phase braucht es keine Bestrafung. Jeder Spieler hat seine aktuellen Themen. Ich glaube, sie sind auch froh darüber, da ansonsten schnell Langeweile aufkommen könnte.

Frederik Jäkel, Malik Talabidi, Tom Krauß und Fabrice Hartmann sind U19-Nationalspieler. Wie bitter wäre es für sie, sofern die U19-EM im Juli und August in Nordirland ausfallen sollte?

Das ist natürlich ein Highlight am Ende der Jugendzeit. Alle haben bereits mit Begeisterung darauf hingearbeitet. Zwar wäre es ärgerlich, aber aufgrund der Situation absolut verständlich. Wir würden sie anspornen, auf noch höhere Ziele hinzuarbeiten. Aktuell kann ich keinen Motivationsverlust bei den Spielern ausmachen. Sie trainieren zielgerichtet an ihren athletischen Schwerpunkten.

Ist eine schlimmstenfalls monatelange Pause des Mannschaftstrainings für Athleten, die kurz vorm Sprung in den Profibereich stehen, besonders problematisch?

Eine Trainingspause kann auch einen Entwicklungssprung bedeuten. Aktuell sprechen wir auch noch nicht von einer monatelangen Unterbrechung. Ich bin optimistisch, dass wir in absehbarer Zeit wieder mit den Jungs trainieren können.

Wie schätzen Sie generell die Auswirkungen auf das Leistungsniveau der Nachwuchs-Spieler ein? Ab wann wird so eine Unterbrechung ein Problem?

Wie zuvor bereits erwähnt: Die Spieler können gerade jetzt zielgerichtet an ihren athletischen Bausteinen arbeiten, an denen sie bei normalen Spielbetrieb nur bedingt trainieren können. Wann der Punkt kommt, dass es zu einem Problem wird, kann ich nicht sagen, das ist auch individuell unterschiedlich. Ich bin davon überzeugt, dass wir diesen nicht erreichen werden.

Wie hat sich Ihr eigener Arbeitsalltag durch die Corona-Krise geändert?

Eine Woche hatte ich Urlaub, den ich zu Hause verbracht habe. Nun arbeite ich von zu Hause aus an strategischen Themen, bin telefonische Anlaufstelle für Spieler, Trainer und Kollegen. Jedes Trainerteam hat interessante Arbeitspakete erhalten oder sich selbst ausgewählt. Wir werden nach der Pause noch zielgerichteter arbeiten können. Ich spüre schon jetzt, wie eine neue Aufbruchstimmung entsteht, obwohl noch nicht genau abzusehen ist, wann wir die Theorie in die Praxis umsetzen können.

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Was ist aktuell die größte Herausforderung als Leiter Sport Nachwuchs?

Mir fehlt der direkte Kontakt zu den Spielern, das Leben in der Akademie. Ansonsten fangen wir das mit Videokonferenzen sehr gut ab. Wenn wir nur über WhatsApp oder reines Telefonieren Kontakt hätten, wären die Herausforderungen noch größer.

Wir wird das Scouting derzeit organisiert, wo keine Spiele mehr stattfinden?

Aktuell konzentriere ich mich auf die Kollegen und Spieler, die bei uns sind. Die Kaderplanungen für die kommende Saison sind bereits abgeschlossen. Daher haben wir in dem Bereich keine große Baustelle.

Ist die vertragliche Situation ein Problem, weil viele Verträge im Juni auslaufen?

Nein, der Verband wird dafür Lösungen finden.

Was sagt Ihr Bauchgefühl, wann das Mannschaftstraining wieder aufgenommen werden könnte?

Ich denke und hoffe: Anfang Mai.