09. April 2021 / 15:03 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Die Zuchtbullen machen jede Auswärtsfahrt zum Highlight

RB Leipzigs OFCs: Die Zuchtbullen machen jede Auswärtsfahrt zum Highlight

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Die Zuchtbullen suchen sich für Auswärtsfahrten nur besondere Spiele aus. Dadurch ist jedes Auswärtsspiel, das sie besuchen, ein Highlight für den Fanclub.
Die Zuchtbullen suchen sich für Auswärtsfahrten nur besondere Spiele aus. Dadurch ist jedes Auswärtsspiel, das sie besuchen, ein Highlight für den Fanclub. © privat
Anzeige

Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der zehnten Folge erzählen Marcus Demny und Marc Dörbeck von der Qual der Wahl, zu welchem Auswärtsspiel sie fahren sollen und wie es mit einem Fanclub im Fanclub funktioniert.

Anzeige

Leipzig. Sie sind schon ziemlich lange dabei, die Zuchtbullen. Der Fanclub aus Markranstädt kennt den heutigen Bundesligisten RB Leipzig schon seit den Anfängen im Stadion am Bad. „Die ersten Heimspiele dort waren sehr spannend“, erzählt Marc Dörbeck. Zusammen mit Marcus Demny und zwei Beratern bilden sie den Vorstand der Zuchtbullen, die es eigentlich schon seit dem 1. September 2009 gibt. „Wir hatten die Idee schon im Sommer davor, weil sich die Sache mit RB Leipzig ja bereits ankündigte. Deshalb dachten wir uns, dass es etwas Besonderes sein könnte, von Anfang an dabei zu sein“, erinnert sich Demny.

Anzeige

Beitragseinnahmen werden gespendet

Offizieller Fanclub sind sie seit dem 14. Juli 2013. Mittlerweile gibt es etwa 75 Zuchtbullen im Fanclub. „Wir waren auch mal über 100, aber das haben wir ein bisschen runtergeschraubt, weil es doch ein bisschen zu viel war.“ Grund dafür seien auch Kriterien, die im Fanclub festgelegt worden sind, erklärt Marc Dörbeck. „Es soll jeder jeden kennen. Wir haben auch jedem über ein Jahr lang die Chance gegeben, sich aktiv in den Fanclub einzubringen. Und wenn das nicht passiert, muss man die Konsequenzen ziehen.“

Mehr zu RB Leipzigs OFCs

Was von den Beitragseinnahmen normalerweise übrig bleibt, spenden die Zuchtbullen gerne. Die größte Spende, etwa 600 Euro, ging an das Kinderhospiz Bärenherz. „In den letzten eineinhalb Jahren ist es aber leider etwas stagniert“, bedauert Dörbeck. Ebenso das Miteinander. „Wir freuen uns sehr drauf, endlich mal wieder zusammen an einem Tisch zu sitzen. Hoffentlich spätestens in einem Jahr“, zeigt er sich optimistisch. „Es fehlt ungemein, alles normal erleben zu dürfen.“



„Wie bei einer Dorfmannschaft“

Auch die Zuchtbullen vermissen es, die Spiele von RB Leipzig live im Stadion zu sehen. „Jedem, der regelmäßig ins Stadion geht, fehlt dieser Aspekt des Alltags. Aber wir sind jetzt an einem Punkt, an dem wir unser Leben etwas anders gestalten müssen. Deshalb sind wir auch zufrieden, Fußball ohne Zuschauer zu sehen. Auch wenn ich mir manchmal vorkomme, als wäre ich bei einer Dorfmannschaft, wenn ich alle Spieler und die Trainer auf dem Feld schreien höre“, scherzt Dörbeck. Demny schließt sich an: „Das hat aber auch seinen Charme.“

Was fehlt, sei allerdings nicht unbedingt der Sport. „Den sehe ich ja auch im Fernsehen. Wir vermissen alle die soziale Komponente. Im Sommer hatten wir zumindest die Möglichkeit uns zu treffen und im Garten gemeinsam Fußball zu schauen“, erinnert er sich. Aktuell ist nicht einmal das möglich. Das gemeinsame Erlebnis mache auch die Stadionatmosphäre aus.

Optimismus geht verloren

Vergangenen Herbst konnten einige noch ins Stadion, als die Fans in Clustern auf die Ränge zurückkehren konnten. „Als man sich auf die Plätze bewerben konnte, hat wahrscheinlich etwa die Hälfte des Fanclubs darauf verzichtet. Sie wollten entweder das richtige Feeling erleben oder gar keins“, erinnert sich Dörbeck. Demny bestätigt, dass die Atmosphäre nicht vergleichbar gewesen sei: „Wir waren zu sechst, haben unser Cluster voll gemacht. Aber ständig kamen die Ordner und mahnten, dass man die Maske aufsetzt. Die Capos durften nicht viel machen, durften nicht singen, damit sie keine Aerosole verteilen.“

Der Optimismus geht beim Fanclub aus Markranstädt allerdings etwas verloren. Denn so wirklich an die Rückkehr ins Stadion glauben die beiden Vorsitzenden noch nicht. „Selbst wenn es dieses Jahr im Herbst wieder losgehen sollte, denke ich nicht, dass es ein volles Haus wird. Wir werden wieder nur im Cluster-Modell zu den Spielen gehen können“, wagt Dörbeck den Blick in die Glaskugel.

„Zuchtbullen – Forever Young“

Nicht nur den Spaß im Stadion sondern auch bei den Auswärtsfahrten vermissen sie. Zu Auswärtsspielen sind die Zuchtbullen nämlich fast immer selbstständig hingefahren, ohne die Fanclub-Mitglieder in Bussen zu organisieren. „Die Resonanz im Fanclub war oft so niedrig, dass es sich nicht gelohnt hat, einen Bus zu organisieren“, erklärt Demny. Umso schöner seien die Spieltage gewesen, an denen die Zuchtbullen einen Bus voll bekommen haben und der Spaß garantiert war. „Es war dann eben keine Routine mehr, sondern ein Highlight“, sagt Dörbeck.

Der Fanclub im Fanclub: Die „Zuchtbullen – Forever Young“ sind die Senioren-Gruppe der Markranstädter Fans.
Der Fanclub im Fanclub: Die „Zuchtbullen – Forever Young“ sind die Senioren-Gruppe der Markranstädter Fans. ©

Ein Grund für das eher zurückhaltende Interesse an Auswärtsfahrten sei die Zusammensetzung im Fanclub. „Wir haben sehr viele junge Leute und ganz junge Familien mit Kindern im Alter zwischen einem und acht Jahren. Sie können nicht jedes Wochenende wegfahren“, erklärt Dörbeck. „Und wenn sie schon bei jedem Heimspiel dabei sind, kann ich nicht von ihnen erwarten, dass sie jedes zweite Wochenende noch zu einem Auswärtsspiel fahren. Deshalb haben wir uns darauf geeinigt, dass wir uns nur noch besondere Spiele aussuchen.“

Aber bei den Zuchtbullen gibt es nicht nur die ganz jungen Mitglieder. Sie haben auch eine Senioren-Gruppe. „Sie sind ein kleines bisschen ausgegliedert und heißen ‚Zuchtbullen – Forever Youngʻ. Sie haben im Stadion auch ihr eigenes Banner, auf das sie ganz stolz sind. Da ist beispielsweise mein Vater dabei“, erzählt Marcus Demny. „Sie sind so um die 60 Jahre alt. Sie sitzen im Sektor A Oberrang immer zusammen und fahren gemeinsam hin. Abseits von Corona haben sie sich auch immer zum gemeinsamen Fußballschauen getroffen.“