19. Februar 2021 / 14:59 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Holy Bulls setzen auf Wachstum und Entwicklung mit Regeln und Struktur

RB Leipzigs OFCs: Holy Bulls setzen auf Wachstum und Entwicklung mit Regeln und Struktur

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Olaf Olschewski ist Vereinsvorsitzender der Holy Bulls. Ulrike Schmidt ist Sprecherin des Vorstands.
Olaf Olschewski ist Vereinsvorsitzender der Holy Bulls. Ulrike Schmidt ist Sprecherin des Vorstands. © Dirk Knofe
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der dritten Folge erzählt uns der erste Vorsitzende der Holy Bulls, wie er den Optimismus in der Corona-Pandemie wahrt und einen rasant gewachsenen Fanclub mit Struktur, Regeln und vielen Ämtern leitet.

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Leipzig. Es ist auf den Tag genau ein Jahr her, dass Olaf Olschewski mit Ulrike Schmidt im Tottenham Hotspur Stadium saß und miterlebte, wie Timo Werner RB Leipzig im Champions-League-Achtelfinale den Sieg bescherte. „Er hat direkt vor unserem Block das 1:0 geschossen“, sagt der erste Vorsitzende der Holy Bulls. „Die Erinnerung ist wie aus einer anderen Welt.“

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Geregelt durch den Corona-Frust

Denn dann kam Corona. Was die Krise so mit sich brachte, ist auch im Fanclub deutlich wahrnehmbar. „Wir spüren, dass die Leute ziemlich frustriert sind in dieser Zeit. Wir haben da ganz schön zu rudern und mussten auch gewisse Regularien einführen“, so Olschewski über die Folgen, die die Pandemie auf den Menschen hat. „Wir mussten Kommunikationskanäle splitten. Wie können unsere Mitglieder alle miteinander kommunizieren?“ Genutzt werden jetzt mehrere Chat-Gruppen: eine als Informationskanal, eine für reine Fußballthemen, eine für Diskussionen. Und oftmals verschwimmen die Grenzen. Dann muss eingegriffen werden. „Wir haben versucht, das ein bisschen zu steuern. Ich denke, dass das ganz gut klappt und dass wir uns damit gegenseitig durch diese Zeit begleiten können. Und ich bin optimistisch, dass uns das gelingt.“

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Auch den Holy Bulls ist bewusst: In den nächsten Wochen wird es noch hart werden. Aber Olschewski gibt nicht auf: „Wir müssen durchhalten und mitmachen. Und wenn das Wetter wieder wärmer wird und die Impfungen wirken, gehen wir wieder raus. Und dann werden wir sein wie die Träumenden und unser Mund wird voll des Lachens sein, um die Bibel zu zitieren.“ Bis dahin wird die Red-Bull-Arena in weiten Teilen umgebaut sein. Dass das aber nicht die einzige Veränderung sein wird, weiß auch der Fanclub-Vorsitzende: „Ich bin mir sicher, dass Einiges anders sein wird. Die Zeit geht nicht spurlos an uns allen vorbei.“



Mehr Struktur mit wachsenden Mitgliederzahlen

Nach fast neun Jahren zählen die Holy Bulls mehr als 300 Mitglieder in ihren Reihen. „Das mussten wir strukturell begleiten. Wir haben relativ viele Ämter eingeführt, darunter natürlich den Vorstand. Dann gibt es die Mitgliederbetreuung und die Mitgliederverwaltung. Für die haben wir sogar beim Deutschen Fußball-Bund eine Software gekauft“, erklärt Olschewski, die Folgen des rasanten Wachstums. „Da kann ich sehr schnell erforderliche Daten nachschlagen. Beispielsweise haben wir damit auch eingeführt, dass jedes Mitglied eine personalisierte Geburtstags-E-Mail bekommt.“

Gegründet haben sich die Holy Bulls am 5. April 2012. Dabei fing alles mit einem Witz in der Runde an. „Wir scherzten damals, dass auch wir, als Christen, ins Stadion gehen könnten und vielleicht sogar noch einen Fanclub gründen. Wir haben dabei schallend gelacht, weil es für uns unvorstellbar war“, erzählt Olschewski. Zu diesem Zeitpunkt spielte RB noch in der Regionalliga Nordost. Die Saison 2011/12 beendeten die Roten Bullen auf dem dritten Tabellenplatz. Erst im Jahr danach stiegen sie in die dritte Liga auf. Als die Holy Bulls genau zwei Jahre nach ihrer Gründung, also am 5. April 2014, zum Offiziellen Fanclub von RB Leipzig ernannt wurden, gewannen die Drittligakicker ihr Heimspiel gegen den Chemnitzer FC mit 2:1 durch Tore von Diego Demme und Dominik Kaiser.

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Ein halbes Jahr „Probezeit“

Olschewski erinnert sich an die Anfangszeit: „Wir hatten einen Facebook-Auftritt und dort unseren Codex, unsere Grundwerte, gepostet. Lustigerweise hatten wir drunter geschrieben: ‚Wer das liked, ist bei uns mit dabeiʻ. Weil wir uns nicht vorstellen konnten, dass das überhaupt jemand liest, geschweige denn, dass das jemand tatsächlich liked. Damals war alles ja noch im Niemandsland und in den Kinderschuhen.“ Wo die Anfänge doch so simpel waren, nahm die Idee rasant Fahrt auf, erzählt der erste Vorsitzende. „Wir haben alles perfektioniert und professionalisiert. Inzwischen haben wir eine richtige Aufnahmeprozedur.“

Wer sich den Holy Bulls anschließen will, muss weder streng christlich noch wirklich gläubig sein, sondern muss nur mit dem Fanclub in Kontakt treten. „Wir haben im Vorstand eine Person, die sich nur um die Mitgliederbetreuung kümmert“, erklärt Olschewski. Interessierte können einen Antrag stellen, bekommen dann die nötigen Unterlagen zugeschickt, unter anderem die Satzung und eine Beschreibung. „Wem das alles gefällt, hat erst einmal ein halbes Jahr ‚Probezeitʻ bei uns, damit wir uns gegenseitig kennenlernen können. Dann fügt man das neue Mitglied eben in die WhatsApp-Gruppen ein, man trifft sich mal bei Spielen oder in der Kapelle. Nach dem halben Jahr soll dann eine Entscheidung fallen.“ Passt alles auf beiden Seiten, steht einem dauerhaften Beitritt nichts im Wege.

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Mitglieder sollen sich aktiv einbringen

Wichtig dabei: „Wir wollen, dass sich die Mitglieder aktiv ins Vereinsleben einbringen“, sagt der Vorsitzende. Aktiv heißt vor allem, im Verein, also derzeit in den Chats, an Diskussionen teilzunehmen, aber auch natürlich bei Aktionen mitzumachen oder (wenn irgendwann wieder möglich) gemeinsam Spiele zu besuchen. „Es kann aber auch sein, dass es von der Persönlichkeit her nicht ganz passt. Beim Fußball mischt sich der gesamte Querschnitt der Gesellschaft und ganz unterschiedliche Menschen kommen miteinander in Kontakt. Da kann auch mal Reibung entstehen.“ Das kann auch Unruhe in den Fanclub-Frieden bringen, sagt Olschewski, aber es sei sehr selten in all den Jahren passiert.

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