05. März 2021 / 14:27 Uhr

RB Leipzigs OFCs: RainbowBULLS nehmen Homophobie auf die Hörner

RB Leipzigs OFCs: RainbowBULLS nehmen Homophobie auf die Hörner

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Die RainbowBULLS Leipzig sind der erste schwul-lesbische Fanclub von RB Leipzig und setzen sich aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus, Homophobie und Sexismus ein.
Die RainbowBULLS Leipzig sind der erste schwul-lesbische Fanclub von RB Leipzig und setzen sich aktiv gegen Diskriminierung, Rassismus, Homophobie und Sexismus ein. © RainbowBULLS Leipzig e.V.
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der fünften Folge erzählt Rüdiger Harr von den Highlights der RainbowBULLS im Fußball und abseits des Spielfelds.

Leipzig. Am 25. Juni 2017 wurden in Leipzig die RainbowBULLS gegründet, der erste schwul-lesbische Fanclub des Bundesligisten RB Leipzig. „Wir sind ein relativ junger Fanclub. Damals waren wie sieben Gründungsmitglieder“, erinnert sich Rüdiger Harr, Beisitzer im Vorstand der RainbowBULLS. „Von Vornherein war aber immer klar, dass wir offen für jede und jeden sind, der uns beitreten möchte und unsere Ideale teilt.“ Und diese sehen eben eine friedliche, offene Fankultur in und außerhalb des Stadions und den aktiven Einsatz gegen Diskriminierung, Rassismus, Homophobie und Sexismus vor.

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Etwa eineinhalb Jahre später werden die RainbowBULLS zum Official Fan Club der Roten Bullen ernannt, genauer gesagt am 24. November 2018. Harr erinnert sich daran sehr genau: „Wir hatten Weihnachtsfeier an dem Abend und die RB-Fanbeauftragten hatten sich angekündigt, dass sie mal vorbeikommen. Der Abend verlief ganz nett. Und dann gen Ende sagten sie: ‚Bevor wir es vergessen – wir haben da noch etwas für euch.ʻ Wir wussten gar nichts davon. Das war eine tolle Überraschung.“ So hängt nun auch ihr Banner im Stadion und sie sind bei Spielen an eigener Fan-Bekleidung erkennbar, denn: „Wir wollen sichtbar sein, aber nichts Besonderes. Wir sind ein Teil von einer bunten Fangemeinde. Denn am Ende sind wir alle Fans von RB Leipzig“, sagt Harr.

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Mittlerweile gibt es 60 Mitglieder bei den RainbowBULLS, allerdings ist im Vorstand bislang nur eine Frau dabei, im Fanclub allgemein hingegen schon einige. „Wir freuen uns eigentlich, wenn sich auch Frauen mehr engagieren. Die Zusammensetzung soll ja möglichst gemischt sein. Aber wir achten nicht konkret auf das Geschlecht unserer Mitglieder. Uns ist wichtiger, wie man miteinander klar kommt.“ Deshalb gebe es auch bei den RainbowBULLS, wie bei einigen anderen Fanclubs, eine Probezeit von maximal sechs Monaten, „damit man sieht, ob man überhaupt zueinander passt oder nicht. In dieser Zeit lernt man sich normalerweise ein bisschen kennen. Aktuell ist das ja etwas schwieriger, aufgrund der Pandemie-Lage“, erklärt Harr den Prozess.

Fußball nimmt als Thema Überhand

Bald jährt sich das letzte Spiel vor vollem Haus von RB Leipzig. Am 10. März 2020 gewannen die Roten Bullen mit 3:0 das Achtelfinale der Champions League gegen Tottenham Hotspur und zogen damit ins Viertelfinale ein. „Für uns war dieses Spiel ein besonderes Highlight, weil wir uns in Leipzig mit einem Mitglied eines schwul-lesbischen Fanclubs von Tottenham getroffen haben. Wir sind zusammen ins Stadion gegangen, haben ihm am nächsten Tag die Stadt gezeigt und die Reaktion war sehr positiv. Wir stehen auch noch immer im Kontakt.“ Jetzt ist das zwar etwas schwieriger, weil eben der Stadionbesuch ausfällt, aber: „Wir hoffen, dass wir das bald wieder aufnehmen können“, so Harr.

In der Pandemie müssen sich auch die RainbowBULLS, wie viele andere Fanclubs, auf die Kommunikation über diverse Chat-Kanäle beschränken. „Soweit man das darf, treffen sich auch manchmal ein Haushalt plus eine weitere Person, wenn man mal gemeinsam ein Spiel schauen möchte. Wir tauschen uns oft über die Spiele aus. Aber viel mehr ist momentan nicht drin“, bedauert Harr. „Wir hoffen, dass es bald wieder anders wird. Aber bis dahin bleibt uns nichts anderes übrig, als Geduld zu haben und mitzufiebern“, bleibt er positiv.

Anders als bei einigen anderen Fanclubs, sei es bei den RainbowBULLS nicht so häufig vorgekommen, dass sich die Mitglieder in der Pandemie vom Fußball abgewandt haben. „Ich habe keine wirklich negative Entwicklung bemerkt. Bei Spielen, gerade bei dem letzten gegen Borussia Mönchengladbach, gibt es immer Diskussionen. Da merkt man, dass eine gewisse Leidenschaft für den Fußball auf jeden Fall die Krise überdauern wird und dass wir uns jetzt schon darauf freuen, wenn es wieder richtig losgeht.“


Nagelsmann besucht die RainbowBULLS

Beim Regenbogen-Fanclub dreht sich normalerweise aber nicht alles nur um den Fußball, sie setzen sich aktiv gegen Homophobie ein. „Unser aktuelles Motto lautet: ‚Wir nehmen Homophobie auf die Hörner“.

Und deshalb erinnert sich Harr sehr gerne an eine Afterwork-Party im Dezember 2019 zurück. „Damals gingen verschiedene Spieler und andere Personen aus dem RB-Team zu den Weihnachtsfeiern oder vorweihnachtlichen Partys der OFCs. Für uns war das ein besonderes Highlight, denn wir hatten sozusagen den Jackpot geknackt. Julian Nagelsmann hat uns am 3. Dezember 2019 besucht.“ Mit dem jungen Trainer haben die RainbowBULLS mehrere Themen besprochen.

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Aber einen konkreten Schwerpunkt des Abends hebt Harr besonders hervor. „Wir haben uns darüber unterhalten, was passiert, wenn sich ein Spieler gegenüber dem Trainer outet. Er hat sich dazu sehr differenziert erklärt und sehr offen darüber gesprochen.“ Der Bullen-Coach sei darauf eingegangen, dass der Fußball im Grunde noch nicht so weit sei, dass man jedem Profi bedenkenlos empfehlen könnte, sich zu outen. Er habe aber deutlich klar gemacht, dass er als Trainer hinter jedem Spieler stehen würde, der das machen will. Vor allem empfahl er Profikickern das Coming-Out, wenn das Verstecken ihre Leistung beeinflusse. Damals ging die Diskussion an dem Abend bei den RainbowBULLS um die Medien.