11. Juni 2021 / 15:08 Uhr

RB Leipzigs OFCs: RB Family & Friends nehmen Urlaub nur für den Fußball

RB Leipzigs OFCs: RB Family & Friends nehmen Urlaub nur für den Fußball

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Der Spielplan macht auch die Spielregeln: RB Family & Friends machen ihren Urlaub von RB Leipzig Auswärtspartien abhängig.
Der Spielplan macht auch die Spielregeln: RB Family & Friends machen ihren Urlaub von RB Leipzig Auswärtspartien abhängig. © privat
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der 18. Folge erklären Leon Damisch, Sylvana und Moritz Henning, warum bei RB Family & Friends für sie der Name Programm ist und wie sehr sich die alltäglichen Dinge in ihrem Leben dem Fußball unterordnen.

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Leipzig. Von wegen Blut ist dicker als Wasser. Beim Fanclub RB Family & Friends ist das definitiv nicht das Credo. Ja, natürlich ist der Club mit seinen 35 Mitgliedern recht familiär und es sind eben auch ganze Familien Mitglied bei den Anhängern des sächsischen Bundesligisten. Aber alle untereinander sind sie nicht verwandt. Also nicht so wirklich. Trotzdem sind sie eine Familie, in der sie sich gegenseitig unterstützen. „Wir haben beispielsweise Mitgliedern bei Wohnungsrenovierungen geholfen oder bei der Gartenarbeit“, sagt Leon Damisch.

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Hilfe im Fanclub und auch außerhalb

Eigentlich waren 15 der jetzigen Mitglieder bereits in einem anderen Fanclub organisiert Aber der wurde ihnen zu groß und unpersönlich. Am 19. Juli 2015 beschlossen sie deshalb, einen eigenen Club zu gründen. Seit dem 22. Januar 2017 sind RB Family & Friends ein echter OFC. „Es ist nicht so, dass wir keine neuen Mitglieder aufnehmen. Aber meistens ist es so, dass das dann eigentlich Menschen sind, die wir schon kennen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass wir sehr familiär bleiben wollen und dass jeder im Club auch jeden kennen soll“, erklärt Leon Damisch.

Mehr aus der Serie

Einander zu helfen endet dabei nicht an der OFC-Grenze. „Wir haben vor der Pandemie eine Spendenaktion für den Haus Leben e.V. organisiert“, erinnert sich Damisch. Der Verein bietet eines der größten psycho-onkologischen Beratungs-, Informations- und Therapieangebote Mitteldeutschlands, betreut jährlich an den Standorten in Leipzig und Delitzsch rund 2.000 Krebspatienten und Angehörige. „Eines unserer nun ehemaligen Mitglieder hatte damals einen guten Draht zu den Spielern und hat die Idee weitergetragen. Sie uns Schuhe und Torwarthandschuhe von Peter Gulacsi, Schuhe von Yussuf Poulsen und noch ein T-Shirt besorgt.“ Die Gegenstände wurden versteigert. Das Geld aus der Versteigerung bekam der Haus Leben e.V..



Sommerfest steht noch auf der Kippe

In der Pandemie ging der Draht zu den Spielern etwas verloren. Nicht nur die Stadionbesuche und die gemeinsamen Auswärtsfahrten fehlten in der vergangenen Saison, auch die Fanaktionen konnten nicht stattfinden. „Das letzte, das wir zusammen gemacht haben, war unser Sommerfest 2020. Im Sommer nach dem ersten Lockdown war es ja etwas entspannter. Weil wir aber bis zum letzten Moment nicht wirklich gewusst haben, was erlaubt sein wird, haben wir es sehr spontan organisiert.“ Schlussendlich sei man bei einem der Mitglieder im Garten gelandet. „Wir haben eine Art Mitbring-Party draus gemacht“, sagt Sylvana Henning und lacht. „Es war für uns alle sehr wichtig, dass wir uns in größerem Kreis wieder treffen konnten.“

2021 dürfte die Planung ähnlich kurzfristig ausfallen. „Wir wissen immer noch nicht, wie es dieses Jahr aussieht. Normalerweise findet unser Sommerfest nach den Ferien statt, also im September. Deshalb wird es auch vom Spielplan abhängig sein“, sagt Leon Damisch. Aber es gibt zumindest erste Anzeichen für eine vorsichtige Hoffnung. Die regt sich auch in Sachen Stadionbesuch, denn den vermissen RB Family & Friends sehr. „Mir persönlich ist erst aufgefallen, was für ein großer Teil meines Lebens das ist, als es nicht mehr möglich war, die Spiele live im Stadion mitzuerleben.“ In den ersten Wochen sei es ein Gefühl wie „zu Hause sitzen und Däumchen drehen“ gewesen, sagt Damisch.

Urlaubstage für die Auswärtsfahrten

„Normalerweise hat sich bei uns alles dem Fußball untergeordnet“, sagt Sylvana Henning. Selbst den Urlaub nehmen die Anhänger der Roten Bullen abhängig von deren Auswärtsspielen. „Im Herbst oder eben im Februar halten wir uns jeweils eine Woche Urlaub frei, weil es da für die Champions League irgendwo hingeht.“ Leon Damisch erinnert sich: Für die Reise nach Monaco sind dann doch drei oder vier Urlaubstage drauf gegangen. "Und im Februar auch, für die Championas-League-Partie gegen Tottenham.“

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Bis es am Cottaweg wieder fußballerisch losgeht, dauert es noch eine Weile. In der Zwischenzeit haben die Anhänger der Roten Bullen die Möglichkeit, einige ihrer Spieler bei der Europameisterschaft anzufeuern. So wirklich enthusiastisch sind RB Family & Friends aber nicht. „Seitdem wir zu RB Leipzig ins Stadion gehen, ist die Nationalmannschaft für uns irgendwie uninteressant geworden. Denn man hat zu wenig Bezug zu ihr. Sicherlich spielen einige RB-Profis dort mit. Aber das Interesse ist eher verhalten“, so Moritz Henning. Trotzdem will sich Leon Damisch die Deutschlandspiele wahrscheinlich anschauen. „Vielleicht kommen ja so doch noch einige emotionale Momente zustande.“