05. Februar 2021 / 15:15 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Red Campus – Ein Fanclub von Nicht-Studenten für Studenten

RB Leipzigs OFCs: Red Campus – Ein Fanclub von Nicht-Studenten für Studenten

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
RB Leipzigs OFC Red Campus hat unter Studenten seine Fanbase. Gegündet wurde der Fanclub aber von Nicht-Studenten Stefan Lorenz (l.) und Tobias Hohensee.
RB Leipzigs OFC Red Campus hat unter Studenten seine Fanbase. Gegündet wurde der Fanclub aber von Nicht-Studenten Stefan Lorenz (l.) und Tobias Hohensee. © Dirk Knofe
Anzeige

Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der ersten Folge haben wir mit Red-Campus-Mitgründer Tobias Hohensee gesprochen. Der 36-Jährige erzählt, wie Nicht-Studenten einen studentischen Fanclub gründeten, wie es aktuell bei ihnen aussieht und wie es in Zukunft weitergehen soll und was die Corona-Krise mit dem Fanclubleben so macht.

Anzeige

Leipzig. Red Campus ist der Offizielle Fan-Club von RB Leipzig, der ursprünglich für Studenten gedacht war. Mittlerweile ist die Zusammensetzung der Anhänger aber eine deutlich buntere. Und mit Studenten angefangen hat es eigentlich auch nicht. Tobias Hohensee (36) und Stefan Lorenz (38) hatten sich vor ein paar Jahren einfach mal zusammengesetzt und den Fanclub schließlich 2013 ins Leben gerufen. Mit einem möglichen Studium hatten sie selbst zum damaligen Zeitpunkt wenig am Hut.

Anzeige

„Keine Ahnung vom Studentenleben“

Immerhin: Stefan war zumindest in Leipzigs Studi-Szene unterwegs. Der einstige Betriebswirtschaftsstudent, jetzt Studienberater an einer privaten Hochschule, organisierte zu diesem Zeitpunkt studentische Partys. „Er war sehr involviert in Studenten-Kreisen. Er hatte die Grundidee und kam damit auf mich zu“, erzählt sein Gründungspartner Tobias Hohensee. Tobias selbst, von Beruf Film- und Video-Editor, hat nicht studiert. „Ich war am Anfang etwas skeptisch, weil ich vom studentischen Leben keine Ahnung hatte.“

Mehr zu RB Leipzig

Im August 2013 war es dann soweit. „Wir haben uns mit ein paar Leuten im Park getroffen, weil du ja mindestens sieben Leute gebraucht hast, um einen Fanclub zu gründen“, erinnert sich Tobias. Insgesamt waren es schließlich zehn Mitglieder. „Wir sind eh schon seit 2010 zu den Spielen von RB Leipzig gegangen und haben uns gedacht, dass das mit mehreren Leuten noch besser wäre.“ Etwa ein halbes Jahr später wurde Red Campus von RB Leipzig zum Offiziellen Fanclub ernannt, genauer gesagt am 20. Januar 2014.



In Zukunft wieder mehr Studenten

Am Anfang waren tatsächlich fast ausschließlich Studenten dabei, oder Leute, die schon mal studiert haben, sagt Tobias. „Irgendwann kamen dann die Fragen: Ich habe einen Kumpel, der hat aber nicht studiert. Darf er dem Fanclub beitreten?“ Inzwischen stellt sich diese Frage nicht mehr. Eine akademische Ausbildung ist längst kein Kriterium mehr für einen Beitritt.

Die Ausrichtung soll in Zukunft aber wieder zum Campus zurückkehren, neue Studenten anlocken. „Wir sind alle älter geworden, die Lebensumstände haben sich geändert, viele haben Kinder. Viele, die studiert haben, tun es nicht mehr. Aber gerade das zeichnet uns aus, dass wir ein junger Fanclub sind. In Zukunft wollen wir wieder mehr Akquise an den Unis machen“, erzählt Tobias von den Plänen. Das sei allerdings in der aktuellen Pandemielage nicht oder nur schwierig machbar. „Ohne Fußball und ohne Studentenleben ist es schwierig, neue Mitglieder aufzunehmen.“

„Fanclub lebt von der Gemeinschaft“

Corona erschwert nicht nur den Gewinn neuer Mitglieder. „So ein Fanclub lebt eben von der Gemeinschaft und vom gemeinsamen Erleben. Und wenn das nicht möglich ist, wird alles schwierig“, bedauert Tobias die aktuelle Lage. Die Kommunikation laufe nur noch über WhatsApp-Chats und gelegentliche Zoom-Meetings. „Wir haben ja auch nicht so viel zu besprechen. Wir können über kaum etwas reden, außer über die Spiele, die wir uns im Fernsehen anschauen.“ Durch die Kontaktbeschränkungen sei nicht einmal gemeinsames Public Viewing möglich. Auch der Kontakt zum Verein würde unter den Maßnahmen leiden. „Man kann ja nichts machen: Zum Training darf man nicht gehen, und es bringt auch nichts, wenn man am Spieltag vorm Stadion steht“, schildert Tobias die Folgen der Pandemie. „Im Grunde liegt alles brach.“

DURCHKLICKEN: Das 3:0 gegen Tottenham

CHAMPIONS-LEAGUE-VIERTELFINALE! RB Leipzig zieht durch ein ungefährdetes 3:0 über die Tottenham Hotspur in die Runde der letzten Acht ein. Zur Galerie
CHAMPIONS-LEAGUE-VIERTELFINALE! RB Leipzig zieht durch ein ungefährdetes 3:0 über die Tottenham Hotspur in die Runde der letzten Acht ein. ©

Die aktuell 72 Mitglieder von Red Campus trauern vor allem den Stadionbesuchen nach. „Das Champions-League-Spiel gegen Tottenham, das wir 3:0 gewonnen haben, war das letzte Spiel, bei dem wir im Stadion waren. Das würde ich bislang als mein persönliches Highlight bezeichnen“, erinnert sich Tobias an den 10. März 2020 zurück. Schon damals sei es ein komischen Gefühl gewesen, überhaupt ins Stadion gehen zu dürfen, erzählt Tobias. Denn die Pandemie war zu diesem Zeitpunkt schon in Deutschland angekommen. „Wir wussten nicht, wie wir uns begrüßen sollen. Dürfen wir jubeln, uns drücken oder zumindest abklatschen?“ Unterbewusst sei schon damals allen klar gewesen, dass sie diese Erlebnisse bald nicht mehr miteinander teilen können. Diese Ahnung bewahrheitete sich schnell. Schließlich war es für mehrere Wochen die letzte Partie deutschlandweit, die vor Publikum angepfiffen wurde.

Aber: „Zugegebenermaßen, wir meckern hier auf hohem Niveau. Uns geht es ums Fußball erleben. Anderen Leuten ist ein Kino- oder Konzertbesuch wichtig, das Essen gehen. Natürlich fehlt mir der Stadionbesuch, aber ich verstehe, wenn es um etwas Wichtigeres geht.“ Auch hätten sich einige Mitglieder in der Krise vom Fußball abgewandt. „Viele schauen sich zwar die Spiele an, aber mehr geht da nicht.“ Er persönlich brenne trotz allem noch für den Sport, so Tobias. „Ich mag es sehr, über Taktiken zu reden und Spiele zu analysieren. Ich bin froh, dass der Sport an sich noch stattfindet.“ Auch die verkürzte Winterpause habe ihm gut gefallen. „Ich freue mich, dass so viel Fußball und auch anderes Sport läuft, auch wenn es nur im Fernsehen ist.“