26. Februar 2021 / 15:20 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Sportfreunde Leipzig fast so groß "wie ein mittelständisches Unternehmen"

RB Leipzigs OFCs: Sportfreunde Leipzig fast so groß "wie ein mittelständisches Unternehmen"

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Grit Kleindienst und Dirk Rackwitz vom RB-Fanclub Sportfreunde Leipzig e.V. sind richtige Auswärts-Junkies.
Grit Kleindienst und Dirk Rackwitz vom RB-Fanclub Sportfreunde Leipzig e.V. sind richtige Auswärts-Junkies. © Dirk Knofe
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der vierten Folge erzählt uns der Vorstand der Sportfreunde Leipzig, wie man einen Fanclub mit über 700 Mitgliedern managt und wie so eine Auswärtsfahrt aussehen kann.

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Leipzig. Sie tragen weder „Bullen“ oder irgendeinen Bezug zur Farbe Rot im Namen. Genau das hat Grit Kleindienst dazu bewegt, sich ihnen anzuschließen. „Ich habe die Sportfreunde auf der Festwiese vor der Red-Bull-Arena kennengelernt. Sie hatten bei einem Fantreffen einen Stand. Ich fand sie spannend und habe mir direkt erzählen lassen, was sie so machen. Im Nu war ich Feuer und Flamme. Außerdem fand ich das Logo toll, weil es auch nichts mit Bullen war.“ Mittlerweile ist sie Teil des Vorstands der Sportfreunde Leipzig und ihre Medienbeauftragte.

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Explosionsartiges Wachstum 2017

„Wir wollen ein Verein sein, der für alle offen ist“, sagt Grit. „Das stand schon von Anfang an auf der Fahne. Wir haben uns nie als elitäre Gruppe betrachtet.“ Die Offenheit habe sich herumgesprochen und über die positive Mundpropaganda seien immer mal wieder Freunde und Freunde von Freunden hinzugekommen. „Im Jahr 2017 hat sich die Mitgliederzahl so explosionsartig nach oben entwickelt. Als ich eingetreten bin, waren es etwa 300“, erinnert sie sich.

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Der Vorsitzende, Thomas Lehmann, erklärt sich dieses rasante Wachstum auch mit dem Status als Official Fan Club, den die Sportfreunde am 2. April 2016 bekamen. „Aber auch, dass unsere Gründungsmitglieder von bereits großen Fanclubs ausgetreten waren und die Sportfreunde gegründet haben.“ Elf an der Zahl waren es, die den Fanclub am 5. Juli 2015 ins Leben riefen, erzählt Lehmann von den ersten Stunden der Sportfreunde Leipzig. „Entsprechend sind auch von vielen bereits gestandenen Fanclubs viele Mitglieder zu uns gewechselt.“ Aktuell zählen die Sportfreunde 726 Mitglieder.



Viele Aktivitäten im Fanclub

Der Verein startete sehr schnell nach seiner Gründung intensive Aktivitäten. Die Beteiligten organisierten Sportveranstaltungen, trafen sich beispielsweise in der Soccerworld zum Kicken, manchmal standen auch Beachvolleyball, Billard, Bowling oder Darts auf dem Programm. Aber auch Wanderungen und Radausflüge gab es regelmäßig. „Skat haben wir auch schon mal gespielt. Wir veranstalten auch Stammtische, die als Meeting mit dem Vorstand gedacht sind, so dass uns die Mitglieder auch mal befragen können“, erklärt Grit Kleindienst die bunte Palette an Fanclub-Angeboten.

„Das alles zu organisieren, gleicht fast schon der Führung eines mittelständischen Unternehmens“, fügt sie lachend hinzu. Die Aktivitäten gehen nicht nur vom Vorstand aus. „Wir haben ein Forum“, erzählt der Vorsitzende Thomas Lehmann. „Darin können die Mitglieder vorschlagen, was unternommen werden könnte. Jeder kann einen Termin einstellen. Vieles wird gar nicht vom Vorstand organisiert, sondern von den Mitgliedern selbst.“

Auswärts-Junkies reisen quer durch Europa

Was der Vorstand dagegen immer in die Hand nimmt, ist die Organisation Auswärtsfahrten. Thomas Lehman, Grit Kleindienst und Dirk Rackwitz, zuständig für die Finanzen bei den Sportfreunden, bezeichnen sich selbst als Auswärtsjunkies, haben schon viele Fahrten mitgemacht, vor allem durch Europa. „So eine Busfahrt, die man 24 Stunden lang mitmacht, prägt sich ganz anders ein“, sagt Lehmann. „Die Fahrten durch Europa sind so unglaublich. Man stelle sich vor: Du arbeitest bis 14 Uhr, dann steigst du um 18 Uhr in den Bus. Du schläfst mehr schlecht als recht und bist plötzlich irgendwo in London oder am Mittelmeer. Dann bis du dort etwa zwölf Stunden und bist am übernächsten Tag wieder auf Arbeit. Dann sagst du dir: ‚Ich war gestern noch in Londonʻ und kannst es kaum begreifen“, beschreibt Rackwitz.

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Bei den Sportfreunden dreht sich aber nicht alles um die Auswärtsspiele. Bei den Heimspielen in der Red-Bull-Arena gibt es auch Besonderheiten. „Wir haben ein eigenes Fanzine, den ‚Sportfreundʻ. Wir führen das Magazin kontinuierlich. Bislang gab es bei jedem Heimspiel eine Ausgabe“, erzählt Grit Kleindienst. Am Ende jeder Saison gebe es außerdem noch das „Kai-Uwe-Buch“: „Das ist wie ein Saisontagebuch, in dem die Artikel von den Heimspielen zusammengefasst sind und in dem auch die Auswärtsspiele ausführlich beschrieben werden.“

„Die meisten vermissen das Miteinander“

Während der Corona-Pandemie ist jedoch einiges anders, da die Fans nicht ins Stadion dürfen. Einerseits sind die Sportfreunde glücklich, nur wenige Austritte verzeichnet zu haben. Andererseits haben sich auch die Mitgliederanfragen reduziert. Waren es vorher rund zehn Anträge im Monat, sind nun innerhalb eines Jahres etwa zehn Anträge eingegangen.

Aber nicht nur der Zuwachs leidet in der Pandemie, den bestehenden Mitgliedern fehlt ihr Fußball-Alltag. „Vor allem das Miteinander vermissen die meisten“, weiß Kleindienst. „Man merkt, dass sie das Stadion, das Live-Feeling vermissen. Ich kann mir kaum vorstellen, wie es abgehen wird, wenn wir wieder ins Stadion gehen dürfen.“ Thomas Lehmann hat da schon konkrete Vorstellungen: „Ich glaube, dass sich die Fans – im Gegensatz zur Vergangenheit – schon drei Stunden vor dem Spiel vor dem Stadion einfinden. Ich glaube, für die meisten wird es großartig sein, sich einfach wiederzusehen und sich auszutauschen. Das ist das, was die meisten, neben dem Fußball, vermissen.“

Lehmann selbst freut sich, dass der Fußball zumindest noch stattfinden kann, schaut sich die Partien an und fiebert mit. Allerdings gibt es auch andere Beispiele, wie Grit Kleindienst erzählt: „Ich kenne Menschen, die sich bis heute weigern, sich die Spiele im Fernsehen anzuschauen, weil das nicht ihre Art des Fußballs ist.“ Die Hoffnung unter den Fans sei groß, dass sie ab Herbst wieder in die Stadien gehen könnten. „Aber noch liegt es an uns allen, durchzuhalten“, so Lehmann.

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