19. März 2021 / 15:30 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Unified Bulls beteiligen sich am Stadionumbau

RB Leipzigs OFCs: Unified Bulls beteiligen sich am Stadionumbau

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Jens Pfeffer ist erster Vorsitzender der Unified Bulls und hat sich an der gestaltung der Behindertenplätze in der Red Bull Arena beteiligt.
Jens Pfeffer ist erster Vorsitzender der Unified Bulls und hat sich an der gestaltung der Behindertenplätze in der Red Bull Arena beteiligt. © privat
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der siebten Folge erzählt Jens Pfeffer, erster Vorsitzender der Unified Bulls, wie er und seine Mitstreiter sich am Stadionumbau beteiligen, um die Red Bull Arena behindertengerechter mitzugestalten.

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Leipzig. Pünktlich zum Bundesliga-Aufstieg von RB Leipzig wurde in der Messestadt ein Behinderten-Fanclub der Roten Bullen gegründet. Am 30.07.2016 entstand der Leipzig Unified Bulls F.C. Der 1. Vorsitzende Jens Pfeffer erzählt: „Der Fanclub wurde von RB mit ins Leben gerufen. Der ehemalige Inklusionsbeauftragte Axel Ackermann hat den Club auch in den ersten Momenten unterstützt. Er hatte Kontakt zu den Fans, die im Rollstuhl sitzen. Die haben sich immer am Eingang zusammengefunden und dort hat er sie angesprochen, ob sie nicht einen Fanclub gründen wollen. Einige haben sich dann zusammengetan und die Unified Bulls gegründet.“ Zum offiziellen Fanclub wurden sie am 17. Oktober 2018 ernannt. Pfeffer selbst ist kein Gründungsmitglied, er stieß erst einige Zeit später zu den Unterstützern.

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Unterstützung von RB Leipzig

In der Bundesliga gebe es nicht so viele Behinderten-Fanclubs, berichtet Pfeffer. Deshalb unterstütze RB als Verein sie auch immer. „Wir sind der einzige Fanclub in Leipzig, der für Rollstuhlfahrer und Sehbehinderte da ist. Dann gibt es noch die ‚Deaf Bullsʻ – der Fanclub für Gehörlose. Wir sind für alle Behinderten ein Anlaufpunkt, so dass sie uns erreichen und Fragen stellen können“,so Jens Pfeffer. Aktuell zählen die Unified Bulls 47 Mitglieder – Tendenz steigend. Von ihnen sind zwölf Rollstuhlfahrer und acht sehbehindert.

Erfreulich für den Fanclub seien die Änderungen in der Red Bull Arena, denn im Zuge des Um- und Ausbaus des Stadions wird RB Leipzigs „Wohnzimmer“ auch behindertengerechter. „Vor Kurzem konnten sich die Rollstuhlfahrer ihre Plätze aussuchen“, so Pfeffer. „Während des Umbaus habe ich einige Rollifahrer zusammengetrommelt, und wir haben und mit dem Leiter der Bauprojekte, Falk Jänicke, getroffen. Zusammen haben wir geplant, wie die Rollstuhlplätze aussehen müssen.“ Dieses sind in Sektor B verlagert worden. „Wir haben Tipps gegeben, was wir aus der Praxis gut finden, wie sie die Plätze aufbauen sollten und standen da mit Rat und Tat zur Seite“, erzählt der Vorsitzende der Unified Bulls.



Lösung für Behindertenzufahrt zum Block B

Noch sei allerdings die Zufahrt zum Block B für Rollstuhlfahrer nicht optimal gestaltet. „Hinterm Block gibt es einen steilen Anstieg. Laut Plan soll es eine serpentinenähnliche Rampe geben. Da muss ein Höhenunterschied von acht Metern überbrückt werden. Mit einem Rollstuhl ist das etwas schwierig, vor allem, weil man auch die Witterungsverhältnisse mit berechnen muss. Da steht RB noch vor einer großen Aufgabe“, erzählt Pfeffer, der selbst im Rollstuhl sitzt. Der Club arbeitet an einer Lösung, so der erste Vorsitzende. Ihm ist wichtig, dass der Verein den Fanclub mit ins Boot nimmt und nicht einfach so Entscheidungen trifft. „Die Verantwortlichen suchen da wirklich nach Rat, ob wir Möglichkeiten aus der Praxis kennen, wie sie es machen könnten. Das rechne ich ihnen sehr hoch an.“

Bis zum nächsten Stadionbesuch müssen sich aber auch die Unified Bulls gedulden. Denn gerade sie trifft die Corona-Pandemie hart. „Viele unserer Mitglieder gehören zur Risikogruppe und sind damit besonders anfällig für das Virus. Die meisten von uns sind kaum mehr vor die Tür gekommen. Viele leben alleine zu Hause und haben ihr soziales Umfeld mit dem Kontakt zum Fanclub. Für sie ist ein sehr wichtiger Teil des Alltags weggebrochen. Wenn sie nicht mehr ins Stadion können, können sie auch ihre Freunde nicht mehr sehen“, erzählt Pfeffer von den Eindrücken, die er von den Mitgliedern bekommen hat. „Das Virus macht einsam. Sie sitzen dann bei Spielen vorm Fernseher und freuen sich auf den Fußball. Aber ihnen fehlt das Miteinander.“

Distanz zum Fußball

Ganz besonders sei dies in den Chat-Gruppen des Fanclub bemerkbar. „Viele sind traurig und schreiben, dass sie die anderen gerne wieder sehen würden.“ Zwischendurch, als die Lockerungen im Herbst 2020 es zuließen, haben die Unified Bulls einmal ein Spiel zusammen geschaut. Seitdem ist das aber nicht mehr möglich. Die Laune ist entsprechend schlecht. „Ab und zu ruft mich mal jemand an, um sich auszukotzen. Für uns ist es schwierig, etwas auf die Beine zu stellen. Vieles geht nur über Technik. Wir haben sogar überlegt, ob wir unsere Mitgliederversammlung über ein technisches Medium veranstalten. Aber viele würden damit schon an ihre Grenzen kommen“, erklärt Pfeffer.

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Vom Fußball haben sich die Mitglieder der Unified Bulls trotz Pandemie aber nicht abgewandt. „Sie stehen noch euphorisch dahinter“, berichtet der Vorsitzende. „Aber wenn ich von meiner persönlichen Situation ausgehe, muss ich schon sagen, dass man etwas distanzierter ist, wenn man nicht dabei sein kann. Es hat sich auf jeden Fall etwas verändert. Bei den ersten Spielen saß ich noch fiebernd mit dem Trikot vor dem Fernseher. Aber mittlerweile ist alles ein bisschen abgeflacht.“ Dabei spielen die Roten Bullen so guten wie selten. Daran läge die Distanzierung definitiv nicht, so Pfeffer. „Es fehlt ein bisschen der Kontakt zur Mannschaft, auch weil keine öffentlichen Trainings mehr stattfinden.“ Aber: „Dafür kann keiner etwas und wir müssen da alle durch.“