30. April 2021 / 15:49 Uhr

RB Leipzigs OFCs: Vom „Blind Date“ zu den Vollzahlern

RB Leipzigs OFCs: Vom „Blind Date“ zu den Vollzahlern

Elena Boshkovska
Leipziger Volkszeitung
Die Vollzahler kannten sich nicht persönlich, bevor sie den Fanclub gegründet haben.
Die Vollzahler kannten sich nicht persönlich, bevor sie den Fanclub gegründet haben. © privat
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Der SPORTBUZZER stellt in einer Serie die Offiziellen Fanclubs von RB Leipzig vor. In der zwölften Folge erzählen Oliver Lipp und Carolin Trommer von den Vollzahlern, wie aus völlig Unbekannten ein Fanclub mit Familiencharakter zusammenwachsen kann.

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Leipzig. Die Mitgliedschaft in einem offiziellen Fanclub bietet diverse Vorzüge, wenn es um Fußball geht. So werden Mitglieder bei der Verlosung von Dauerkarten bevorzugt, haben vergünstigte Preise und zudem die Vorteile einer Gemeinschaft, die sich zusammen an der schönsten Nebensache der Welt erfreut. Genau das wollten auch die Vollzahler für sich.

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Differenzbeträge werden gespendet

Die Gründer des Fanclubs um Oliver Lipp und Carolin Trommer, beide im Vorstand, kannten sich zuvor überhaupt nicht. „Wir hatten uns vorher noch nie gesehen“, erzählt Lipp. Auslöser für ihr Zusammenkommen war ein Tweet im Jahre 2017. Dort schlug jemand vor, einen „Fanclub der Vollzahler“ zu gründen, um dann OFC zu werden. Anlass war der Unterschied im Preis für eine Dauerkarte. Die offizielle Gründung erfolgte dann am 16. September 2017 im Mückenschlösschen. Den „Biergarten unterm Ginkobaum“ in Gohlis bezeichnen die Vollzahler als ihre Geburtsstätte. „Wir haben uns dort zu sechst getroffen. Das siebte Gründungsmitglied war aus Magdeburg digital zugeschalten“, erinnert sich Lipp.

Weitere Teile der Serie

Den Status eines offiziellen Fanclubs haben die Vollzahler aber erst zwei Jahre später bekommen, am 28. September 2019. Für sie ist allerdings trotz der Vergünstigungen der Preis für die Dauerkarten gleich geblieben. „Wir haben uns dazu entschlossen, die Differenz, die sich aus den Ersparnissen ergibt, zu spenden“, erklärt Carolin Trommer. Denn: „Vergünstigungen sollen kein Antrieb für eine Mitgliedschaft sein.“ Jedoch haben sie auch schon vor ihrem offiziellen Fanclub-Status diverse Vergünstigungen gehabt. „Beispielsweise gab es mal eine Auswärtfahrt nach Frankfurt, bei der die Busfahrt von den Spielern von RB Leipzig gezahlt wurde“, erinnert sich Lipp. Die Kosten, die für die mitreisenden Vollzahler entstanden wären, haben diese dann auf ein Spendenkonto eingezahlt. Auch aus anderen Rabattaktionen, die nicht nur für OFCs galten, hat der Fanclub die Kosten, die angefallen wären, als Spendengelder gesammelt.



Spenden gehen an den Generationenhof Lindennaundorf

Bei einer Mitgliederversammlung haben sich die Vollzahler Möglichkeiten angeschaut, wem sie ihre Spendengelder zugute kommen lassen können. „Wir hatten mehrere Optionen und haben uns dann gemeinschaftlich für den Generationenhof entschieden“, so Lipp. Der Generationenhof Lindennaundorf bietet Kindern und Jugendlichen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr in ihren eigenen Familien leben können, einen Ort, an dem sie sich entwickeln und entfalten können. Aktuell sind dort 54 Kinder, zusammen mit sechst Müttern und Vätern in den verschiedenen Wohngemeinschaften und Wohnprojekten untergebracht und haben dort, auf kurz oder lang, ein neues Zuhause gefunden.

Familien-Feeling im Fanclub

Die Vollzahler sind auch nicht mehr nur zu siebt, mittlerweile gibt es 18 von ihnen. „Wir sind ein kleiner Fanclub und das ist nicht ungewollt. Ich bin kein Freund von großen Fanclubs, denn ich kenne gerne jedes Mitglied“, sagt Lipp. „Der kleine Fanclub ist deshalb gut, weil die Ansprache sehr viel direkter ist“, so Trommer. „Wir kennen uns alle sehr persönlich, auch unsere Familien. Wir feiern auch bei privaten Anlässen zusammen.“ So zum Beispiel Carolin Trommers Geburtstag im vergangenen Jahr, als alle Vollzahler sie überraschten. „Das war ein wahnsinnig schönes Erlebnis. Das war für mich etwas ganz Besonderes“, erinnert sie sich. „Wir feiern häufig und zu diversen Anlässen. Durch die kleine Gruppe ist es trotzdem etwas sehr Privates.“

Persönlicher Kontakt ist unersetzbar

Aktuell sieht es mit solchen Zusammenkünften natürlich sehr schlecht aus. Die kleine Geburtstagsfeier im vergangenen Jahr war das letzte wirkliche Treffen des Fanclubs. „Einfach ist das für das Vereinsleben nicht“, bedauert Trommer die aktuelle Lage. „Der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.“ Schließlich habe ein Spieltag bei den Vollzahlern auch nicht mit dem Anpfiff der Partie begonnen und mit Abpfiff wieder aufgehört. „Wir haben uns schon zwei bis drei Stunden vor dem Spiel vor dem Stadion getroffen und gemeinsam Zeit verbracht“, erinnert sie sich. „Das kann man so nicht aufrecht erhalten unter diesen Maßnahmen.“

Am Freitag steht das DFB-Pokal-Halbfinale für RB Leipzig gegen den SV Werder Bremen an. Die Fanclub-Mitglieder werden das Spiel im Fernsehen verfolgen und ihre Roten Bullen anfeuern. „Es ist die einzige Möglichkeit, am Puls unserer Mannschaft zu bleiben“, so Trommer. Auch an ihnen sind die Entwicklungen im Verein nicht vorbeigegangen und auch sie sind enttäuscht über den Weggang von Julian Nagelsmann. „Der Tenor im Fanclub ist, dass er nicht jetzt zum FC Bayern wechseln musste. Er hätte sich auch noch ein bisschen Zeit lassen können. Und vielleicht erst einmal einen Titel gewinnen, bevor er in solch große Fußstapfen tritt“, berichtet Trommer vom Austausch in der WhatsApp-Gruppe. Ein solcher Titel ist jetzt schon zum Greifen nahe. Dass RB Leipzig trotz des Wirbels noch Chancen auf den Pokal hat – davon sind die Vollzahler überzeugt.